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Verstoß gegen Regeln beim Verkehrsgrün: Beetpate in Ückesdorf ärgert sich über geplante Baumumpflanzung der Stadt

Verstoß gegen Regeln beim Verkehrsgrün : Beetpate in Ückesdorf ärgert sich über geplante Baumumpflanzung der Stadt

Ein Grünpate ärgert sich darüber, dass die Stadt den Baum in dem von ihm gepflegten Beet austauschen will – und sägt die kleine Zypresse lieber ab. Laut Verwaltung hat der Pate damit gegen gültige Beschlüsse der Bezirksvertretung verstoßen.

Warum muss ein gesunder Baum ausgegraben und verpflanzt werden? Diese Frage stellt sich ein langjähriger Beet-Pate der Stadt Bonn. 2015 hat Peter Heitzmann die Verantwortung für eine kleine Grünfläche im öffentlichen Raum vor seinem Grundstück in Ückesdorf übernommen. Auf Anordnung der Stadt sollte jetzt eine dort von ihm aufgestellte Zypresse entfernt werden – im Zuge einer sogenannten Standortsanierung, auf die eine Neupflanzung folgen soll. Heitzmann hat kein Verständnis für die Maßnahme. Nachdem der kleine Baum – bis dato Teil des sogenannten Verkehrsgrüns – durch seine eigene Hand gefallen ist, hat Heitzmann seine Patenschaft gekündigt. Die Stadt beruft sich bei ihrer Maßnahme auf einen Beschluss der Bezirksvertretung vom März 2021.

Rund zwei Meter hoch ragte die Säulenzypresse bis vor wenigen Tagen noch auf, ehe eine von der Stadt beauftragte Gartenbaufirma anrückte, eigentlich, um das schlanke Bäumchen auszugraben. „Es hat mir in der Seele weh getan“, sagt Heitzmann, „weil ich es einfach nicht verstehen kann. Warum zerstört man eine gewachsene Struktur mit einem Baum und einem Beet?“ Heitzmann, jetzt Ex-Grünpate, fühlt sich um seine „mehrjährige Arbeit im Sinne der Natur“ betrogen, er vermutet, dass im Zuge einer politisch gewollten Umgestaltung Bäumchen wie seiner nicht mehr ins Konzept passen. Tatsächlich berichtet das Presseamt der Stadt auf Anfrage: „Vorgesehen ist hier stattdessen, einen für Bienen und Insekten wertvollen Apfeldorn zu pflanzen.“

Stadt verweist auf Hinweis aus 2015

Zu dem von Heitzmann vor einigen Jahren gepflanzten Baum erklärt Markus Schmitz vom Presseamt: „Grünpaten haben grundsätzlich die Möglichkeit, bei einer anstehenden Baumpflanzung mit Standortsanierung die Pflanzen aus dem Beet zu nehmen und in die eigenen Gärten zu pflanzen.“ Der selbsterklärte Naturfreund Heitzmann fragt sich, warum es überhaupt so weit kommen muss. „Wahrscheinlich würde es hier trostlos aussehen, wenn nicht ich und andere Menschen in der Gegend die Patenschaften übernommen hätten.“ Die Stadt verweist an dieser Stelle auf den Umstand, dass man dem Paten bereits 2015 schriftlich signalisiert habe, dass eines Tages eine Standortsanierung inklusive Erdaustausch anstehen würde – durch die Paten gepflanztes Grün müsse dann weichen, könne aber wieder integriert werden, heißt es in einem Schreiben.

Zudem geht aus dem Schreiben hervor, dass Beete, die zum Zeitpunkt der Übernahme nicht mit einem Baum bepflanzt seien, jederzeit durch die Stadt mit einer Ersatzpflanzung belegt werden können. Heitzmann hatte seine Zypresse selbst gepflanzt. Auch die Größe des Bäumchens spielt offenbar eine Rolle bei der nun vollzogenen Maßnahme: Laut eines Statuts darf die von privat angelegte Bepflanzung eine Höhe von einem halben Meter nicht überschreiten. Für den bisherigen Beet-Paten sind dies alles in allem wenig sinnvolle Erklärungen: „Man sollte doch froh sein, wenn sich Bürger um die Begrünung im öffentlichen Raum kümmern. Stattdessen wird unsere ehrenamtliche Arbeit mit einem Federstrich ausgelöscht.“

Unverständnis auch in Röttgen

Auch aus Röttgen gibt es eine Stimme des Unverständnisses gegen die Maßnahmen der Stadt. Eine GA-Leserin berichtet von ihrem Patenschaftsbeet im Hobsweg, wo ebenfalls auf Anordnung der Stadt ein Kahlschlag vollzogen wurde – inklusive einer zwölf Jahre alten Eberesche. Über die vorübergehend kahle Brache berichtet sie schriftlich: „Eine öde, fast vier Quadratmeter große und mit Stahlbügeln begrenzte Fläche „ziert“ jetzt den Straßenrand.“ Auch sie fragt sich, warum eine „intakte, von Baumpaten wohl gestaltete Grünfläche“ beseitigt werden müsse. Auch hier ist dem Vernehmen nach ein Laubbaum als Ersatz geplant. Wie Heitzmann versteht auch sie die Maßnahme unter anderem aus finanzieller Sicht nicht, während man ansonsten den „Geldmangel im Stadtsäckel“ beklage.

„Ich frage mich, ob da Aufwand und Ertrag im Verhältnis stehen“, sagt der Ückesdorfer Heitzmann. Mit Blick auf die politische Bonner Konstellation wundere er sich zudem darüber, „dass man hier Bäume ausreißt.“ Aus Sicht der Stadtverwaltung seien die Maßnahmen sinnvoll und vertretbar, erklärt Schmitz, „weil sie damit den ökologischen Auftrag zur Sicherung des Bonner Baumbestandes und der Biodiversität erfüllt, insbesondere vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels.“

Kurz bevor die Gartenbaufirma Hand anlegen konnte, hat Heitzmann die Säulenzypresse also eigenhändig abgesägt. Ein Angebot des Amts für Umwelt und Stadtgrün, das Bäumchen auf einen Friedhof in Lengsdorf umzupflanzen, hat er vehement abgelehnt. „Dann hätten sie doch dort einen Laubbaum pflanzen und die Zypresse dort lassen können, wo sie jetzt nicht mehr ist“, schlägt er mit einigem Groll in der Stimme vor.

Ihm bleibt nach der Kündigung der Patenschaft nun nichts anderes, als die geplante Neupflanzung demnächst zu beobachten. Im November oder Dezember 2021 und mit Blick auf die dann herrschende Witterung könnte laut Stadtverwaltung ein neuer Baum im Beet einziehen.