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Verein „Wilde Zockerei“: Bei Brettspielen zählt die gemeinsame Strategie

Verein „Wilde Zockerei“ : Bei Brettspielen zählt die gemeinsame Strategie

Klassische Brettspiele liegen immer noch im Trend - trotz Videogames und Spiele-Apps. Bei dem Verein „Wilde Zockerei“ auf dem Brüser Berg kann man sie ausprobieren.

Vortrefflich lässt sich über die Frage „Brett- oder Computerspiel?“ streiten. Sogar generationsübergreifend. Längst ist es nicht mehr so, dass nur die Kinder vor Playstation, Xbox und Co. und die Erwachsenen vor den bunt bedruckten Pappen sitzen, die von Monopoly und Siedler von Catan bis hin zu Codenames, dem Spiel des Jahres 2016, reichen. Während man inzwischen die gigantischen Umsätze der Filmindustrie Hollywoods mit denen der Computerspielszene ins Verhältnis setzt, sind auch die analogen Brettspiele mit den klassischen oder neuen Spielideen wieder auf dem Vormarsch.

174.000 Besucher zählte die jüngste Spielmesse in Essen, die als die weltgrößte Publikumsveranstaltung für nicht-elektronische Spiele gilt. Mehr als 1000 Neuheiten waren dort im Herbst des vergangenen Jahres zu sehen. Die Besucher konnten an allen Ständen die Neuerscheinungen testen und kaufen. Wo es notwendig war, führten Spielerklärer in die Neuheiten ein. Auch manch ein Autor stand bereit, um sein Spiel zu erklären.

Die Szene um das gute alte Brettspiel wächst trotz enormer Zunahme der elektronischen und mobilen Games, die auf Smartphones oder Tablets größtenteils sogar kostenlos zu haben sind. Während viele der digitalen Spiele alleine zu spielen sind und den Spieler von seiner Umgebung isolieren, führt das Brettspiel zum Dialog und der Auseinandersetzung mit dem Gegenüber oder einer ganzen Gruppe von Gleichgesinnten.

Verein hat etwa 50 Mitglieder

Das haptische Begreifen von überschaubaren Spielfiguren scheint ein vielleicht in Vergessenheit geratenes Bedürfnis wiederzubeleben. So erstaunt es nicht, dass am Wochenende weit mehr als 200 interessierte Besucher in das Ortsteilzentrum Brüser Berg kamen, um an der Veranstaltung „Bonn spielt“ teilzunehmen. Zwei Tage lang konnten Hunderte von Spielen ausprobiert werden. Was man nicht kannte, wurde durch Spielerklärer vermittelt.

„Das macht ja auch den Reiz am analogen Spielen aus, dass man miteinander ins Gespräch kommt“, bestätigte Patrick Schmidt von dem veranstaltenden Bonner Spieleverein „Wilde Zockerei“ das Anliegen der Spieler. Der Spielexperte gehört zu den etwa 50 Mitgliedern des Vereins, der sich wöchentlich im Bonner Spielecafé „Voyager“ trifft. Dort weiß und erlebt man, dass im Moment vor allem Kooperationsspiele im Trend liegen. Gemeinsames Grundprinzip dieser Spiele ist, dass man nur gewinnen kann, wenn man miteinander Vorgehensweisen entwickelt.

Mit analogen Spielen zum wahrhaftigen Erlebnis

Ein dafür herausragendes Beispiel scheint das Spiel „Pandemic Legacy“ zu sein, dass die „Süddeutsche Zeitung“ als „Das beste Brettspiel der Welt“ bezeichnete und das von der Jury des „Spiel des Jahres“ für 2016 nominiert wurde. Ihre Begründung klang überschwänglich: „Pandemic Legacy ist nicht einfach nur ein Spiel, es ist ein Erlebnis.“

Und genau darum geht es. Mit analogen Spielen wieder zu einem wahrhaftigen Erlebnis zu kommen, das sich mit anderen Menschen teilen lässt. Schon bei dem mehr als 100 Jahre alten Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel, das Jung und Alt gleichermaßen emotional bewegen kann, lässt sich der Charakter der Mitspieler bei ihrem Rauswurf kurz vor dem Ziel auf meist recht deutliche Weise erkennen. So hielt bereits der griechische Philosoph Platon fest, dass man einen Menschen beim Spiel in einer Stunde besser kennenlernen kann, als im Gespräch in einem Jahr.

Etwa 2000 Jahre später sah auch Friedrich von Schiller (1759-1805) „das fröhliche Reich des Spiels“ als jenen Ort der Freiheit an, der den Menschen von physischen und moralischen Zwängen weitgehend entbinde. Besser hätte auch ein Marketingstratege das Erfolgsrezept für Spiele jeglicher Art nicht beschreiben können.