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Eine etwas andere Bonner Familienchronik: Bei Oma Dienstag spukt´s

Eine etwas andere Bonner Familienchronik : Bei Oma Dienstag spukt´s

Unter dem Pseudonym Oma Dienstag hielt Erika Schmitz die Erlebnisse ihrer Enkel in Form von Spukgeschichten fest. Mittlerweile ist ein ganzes Buch daraus entstanden.

Wenn die Enkel Streiche spielen und ihre Eltern in den Wahnsinn treiben, kann es einen schon mal gruseln. Aber dass die eigene Jugend Stoff für Spukgeschichten liefert, können nur wenige Enkel von sich behaupten.

„Das meiste ist im realen Leben so passiert“, sagt Erika Schmitz, 72, die unter dem Pseudonym Oma Dienstag ein Buch für und über ihre drei Enkelkinder geschrieben hat. „Die Abenteuer der Familie Spuk“ hat seine Wurzeln im Alltag, ebenso wie der Name, den die Buschdorferin sich gegeben hat: „Als ich in Rente ging, wollte meine Schwiegertochter wieder mehr arbeiten. Das ging aber nur, wenn die vier Großeltern an ein paar Tagen die Woche auf die Kinder aufpassten“, sagt sie. „Mein Tag war immer der Dienstag, also war ich fortan die Oma Dienstag.“

Ihr Buch handelt von der Geisterfamilie Spuk, deren Kinder Ariel, Arielle und Polopoly allerlei Schabernack treiben. Besonders der junge Ariel bringt seine Eltern gemeinsam mit dem besten Freund Persil des Öfteren auf die Palme. Ganz so schauerlich, wie es im ersten Moment klingt, seien ihre Enkel aber nicht gewesen. „Ich wollte ein Kinderbuch schreiben“, sagt Schmitz, „und da Kinder Gespenster toll finden, dachte ich: Machst du mal ein Geisterbuch daraus“.

Drei Jahre hat Schmitz an den Geschichten geschrieben und dabei viele denkwürdige Familienereignisse festgehalten. Vom schweren Radunfall des Vaters bis hin zum Abschlussball von Tochter Arielle ist alles dabei – eine Familienchronik der etwas anderen Art. „Die Erlebnisse der Familie zu dokumentieren, hat mir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht“, sagt Schmitz. „Ich habe mir immer Notizen gemacht, und während des Schreibens sind mir dann all die Dinge eingefallen, mit denen ich die Geschichten ausgeschmückt habe.“

So haben diese teils auch eine pädagogische Note, etwa wenn es ums Lernen für die Schule geht. Während Tochter Arielle fleißig lernt und gute Noten schreibt, macht sich der kleine Geist Ariel lieber unsichtbar, um heimlich auf dem Bolzplatz mit seinen Freunden zu spielen.

Ihr Projekt hat Schmitz bis zum Schluss geheim gehalten, umso größer war die Überraschung, als unter dem Weihnachtsbaum der Familie plötzlich ein Buch von der Oma lag. „Die Eltern waren total erstaunt, bis dahin wusste ja keiner davon“, erinnert sie sich. Und wie das bei Geschwistern eben ist, hatte jedes Enkelkind seine eigene Sicht auf die Dinge. „Oma, das war gar nicht so, haben sie teilweise gesagt“, meint Schmitz und lacht. „Im Allgemeinen haben sie sich aber gefreut.“

Heute sind zwei ihrer Enkel – Lena (20) und Tim (18) – bereits erwachsen und für ihr Studium in andere Städte gezogen. Auch die Jüngste, Pia, braucht mit ihren 15 Jahren keine Oma mehr, die auf sie aufpasst. „Heute kriege ich gar nicht mehr so mit, was alles passiert“, sagt Schmitz. Da packe einen schon mal die Wehmut. „Aber es ist ja auch spannend, dabei zuzusehen, was aus den Enkeln so wird.“

Mit dem Schreiben selbst will Schmitz auf jeden Fall weitermachen, erst kürzlich hat sie einen Gedichtband fertiggestellt. Ob das Leben der Enkel vielleicht noch Stoff für weitere Spukgeschichten liefert? „Mal sehen, wie es sich entwickelt“, sagt sie.