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Bezirksvertretung Hardtberg: Bezirksbürgermeister Christian Trützler ist im Amt

Bezirksvertretung Hardtberg : Bezirksbürgermeister Christian Trützler ist im Amt

Die Bezirksvertretung Hardtberg startet in die neue Legislaturperiode. Christian Trützler (Grüne) ist der neue Bezirksbürgermeister. Viele verdiente Politiker verabschieden sich.

Keine Feierlichkeiten zum Abschied der Bezirksverordneten, die in der neuen Wahlperiode ausscheiden. Der Empfang im Anschluss an die konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretung am Dienstagabend war coronabedingt abgesagt. Immerhin blieb dem neuen Bezirksbürgermeister Christian Trützler (Grüne) als zweite Amtshandlung, jedem Ausscheidenden zu danken. Sie erhielten ein Geschenk und trugen sich ins Gästebuch des Rathauses ein.

Viele gestandene Kommunalpolitiker gehen – die Bezirksvertretung verjüngt sich. Aber die „Alten“ nehmen auch Kompetenz mit, ihre Erfahrungen beispielsweise, wie dicke Bretter zu bohren sind. Ausnahmslos wollen alle ihrer Partei verbunden bleiben sowie in Vereinen und Organisationen weiter mitarbeiten.

Wenn beispielsweise die 67-jährige Barbara Naß zurückblickt, stellt sie fest, dass sich „Politik machen“ sehr verändert hat. 1999 kam sie für die SPD erstmals in die Bezirksvertretung. Sozialpolitisches Engagement sei immer ihr Motiv gewesen. „1999 war Hardtberg im Umbruch. Die Konsequenzen des Bonn-Berlin-Beschlusses brachten Verwerfungen mit sich. Tausende Ministerialbeamte zogen nach Berlin.“ In Medinghoven sei der Wandel deutlich feststellbar gewesen. Der Stadtteil war eigens für Bedienstete der Ministerien in den 1970er Jahren aus dem Boden gestampft worden. „Es kamen andere Bevölkerungsgruppen, die von den Eingesessenen mit Skepsis betrachtet wurden.“ Als einen Erfolg gemeinsamer Politik verbucht Naß die Einrichtung des Stadtteilbüros am Europaring.

Bilanz zieht Naß jedoch auch mit einem weinenden Auge. Im Streit verließ sie 2015 die SPD und wechselte zum Bürger Bund Bonn (BBB). Sie will jetzt nicht mehr nachkarten, „aber es war ein bisschen wie meine Familie und tat weh“. Die letzten Jahre als Bezirksverordnete waren aus ihrer Sicht eher zäh. „Die Sitzungen waren oftmals davon getragen, dass die Verwaltung ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Das ist dann Zeitverschwendung.“ Zumal es für die Stadtbezirkspolitiker zunehmend weniger zu entscheiden gebe. Außerdem mache sich ein anderer Stil breit. „Die mit Ellenbogen rangehen, werden mehr. Und auch solche, die nur ihr persönliches Fortkommen sehen.“ Den „Neuen“ legt Naß ans Herz, mehr Quartiersmanagement zu fordern. „Auch für Duisdorf wäre das gut.“

Der Lengsdorfer Christoph Schada von Borzyskowski kam 1999 für die CDU in die Bezirksvertretung. „Da war ich als 31-Jähriger mit den großen Kalibern wie Gerhard Lorth in einer Fraktion“, erinnert er sich. „Da musste ich erst Fuß fassen und kämpfen lernen.“ Aus seiner Sicht hat im Laufe der Jahre die politische Gestaltungsfreiheit abgenommen. „In den 1990er Jahren erforderte das Entwicklungsprojekt Hardtberg große, weitgreifende Entscheidungen.“ Das Kapitel ist abgeschlossen. „Aber es gibt immer noch genug Möglichkeiten, den Stadtbezirk zu gestalten.“

Wie Barbara Naß sieht Schada jedoch das Problem, „dass gefasste Beschlüsse bei der Umsetzung auflaufen. Man hat das Gefühl, von der Verwaltung nicht ernst genommen zu werden.“ Dabei sei es doch  Aufgabe der Politiker, die Menschen vor Ort zu vertreten. „Eine Lektion war, dass man für Projekte einen langen Atem braucht.“ Veränderungen in der politischen Kultur hat auch Schada wahrgenommen. Er formuliert vorsichtig: Die Arbeit muss ernsthaft sein, aber der Spaß und vor allem das Miteinander dürfen nicht verloren gehen.“ Schließlich opfere man sehr viel Freizeit für dieses Ehrenamt. Mit Blick auf die neuformierte Bezirksvertretung gibt er den Rat, „niemals den Kontakt zur Bevölkerung zu verlieren oder über deren Köpfe hinweg zu agieren“. Ziel aller sollte es sein, dass der Stadtbezirk lebens- und liebenswert bleibt, „stadtnah gelegen und doch im Grünen“. Wohnungsbau sei ein wichtiges Thema. „Lückenschluss in der Bebauung sollte Vorrang haben vor der Ausweisung neuer Baugebiete“, so Schada.

SPD-Mann Wolfgang Groß hatte schon 20 Jahre Erfahrungen im Ahrweiler Kreisttag gesammelt, als er 2014 in die Bezirksvertretung Hardtberg kam – Schwerpunkt Verkehrspolitik. Auch er bedauert, „dass die Bezirksvertretung kaum Durchschlagskraft hat, es ist ein teils quälend langer Weg bis ins Stadthaus“. Selbst einvernehmliche Beschlüsse würden irgendwo hängenbleiben. Als Beispiel nennt er die Forderung eines Fußgängerüberwegs an der Lessenicher Straße – seit sechs Jahren. Aus seiner Zeit in der Bezirksvertretung nehme er viele Freundschaften mit und ein funktionierendes Netzwerk. „Auch wenn sich in der Debatte manche Phalanx aufbaute und mit guten Ideen kein Durchkommen war.“ Er gehe mit dem guten Gefühl, sich auch weiterhin für das wichtige Thema Verkehrswende einzusetzen, sagt der 69-jährige Eisenbahnsachverständige.