1. Bonn
  2. Hardtberg

Bonn: Ältestem Bowlingverein droht Überalterung

Insgesamt viermal Deutscher Meister : Ältestem Bonner Bowlingverein droht Überalterung

In einem halben Jahrhundert können die Bowlingfreunde Bonn auf einige Erfolge zurückblicken. Viele Mitglieder sind schon lange dabei. Doch eine Überalterung droht. Und der Lockdown macht das Spielen aktuell unmöglich.

Die Bowlingfreunde Bonn feiern im April ihr 50-jähriges Bestehen. Damit ist der Bowlingverein der älteste in ganz Bonn und kann mit vielen Erfolgen und Anekdoten aufwarten. Trotz langer Geschichte sieht die Zukunft des Traditionsvereins aber nicht rosig aus, denn die Mitgliederzahl schrumpft kontinuierlich.

Seit 1989 spielt Frank Werthmann (58) mit großer Leidenschaft den Kegelsport Bowling. Ebenso lange ist der Bonner auch Mitglied bei den Bowlingfreunden Bonn. „Früher wurde innerhalb des Vereins viel mehr gemeinsam unternommen als heute. So gab es in den 1970/1980er Jahren viele gemeinsame Fahrten zum Beispiel mehrere lange Campingwochenenden an der Lahn oder zahlreiche Vereinsfahrten nach Berlin und in die Niederlanden“, erinnert sich der Vorsitzende und Trainer. Bei den Ausflügen habe es dann Vergleichskämpfe, ein geselliges Programm und Besichtigungen gegeben. „Aktivitäten dieser Art sind leider in den letzten 20 Jahren eingeschlafen“, bedauert Werthmann. Denn heute gibt es im Verein nur noch drei kleine „Grüppchen“ von Ehemaligen, die etwas gemeinsam unternehmen.

Von den Ehemaligen besäßen nur noch wenige eine Mitgliedschaft. Ein Problem für die Bowlingfreunde, denn die Kurve zeigt klar nach unten. Hatte der Verein 1994 noch 108 Mitglieder, waren es zum neuen Jahrtausend die Hälfte. 2012 unterschritt die Mitgliederzahl dann erstmals die 40er Marke. Aktuell stagniert die Zahl bei 27 Mitgliedern. Jugendliche gibt es im Verein seit vier Jahren keine mehr. Auch für eine Damenmannschaft seien derzeit zu wenig weibliche Mitglieder im Verein. „Wir freuen uns sehr über Zuwachs“, so Werthmann. „Ich hoffe, dass die Mitgliederzahlen wieder steigen werden. Im Moment ist da keine Tendenz abzusehen“, sagt der Vorsitzende, der auf die Treue der Verbliebenen hofft.

Dass sich die Mitgliederzahlen in den 90er Jahren halbiert haben, erklärt Werthmann so: „Einer der Gründe ist sicherlich der Bonn-Berlin Beschluss. In der Zeit bis 1997/1998 waren wir ein internationaler Verein und unsere Mitglieder kamen aus den unterschiedlichsten Ländern.“ Heute besitzen alle Mitglieder die deutsche Staatsangehörigkeit. „Leider, da das internationale Flair schon etwas Besonderes war.“ Den Jugendschwund verbindet Werthmann mit der Sprengung des Bonn-Centers. „Dort hatten wir eine schöne Kellerbahn und viel Unterstützung vom Hallenbetreiber.“ Für die Jugendarbeit ein Segen, da sich junge Menschen in der Regel die Spielpreise nicht leisten können. „Seit der Schließung des Bonn-Centers, gibt es in Bonn keine einzige Bahn mehr. Somit haben wir als Bonner Verein keine Möglichkeit hier zu spielen“, mahnt Werthmann.

Aktuell trainieren die Bowlingfreunde auf den Bahnen in Bornheim und in Bad Honnef. „Die Mitglieder heute sind im Schnitt 21,3 Jahre Mitglied im Verein und 50,3 Jahre alt. Das zeugt zwar von einer großen Verbundenheit, bringt aber auch das Problem einer Überalterung mit sich“, sagt Werthmann. Die längste Mitgliedschaft hält übrigens Dieter Schlug. Er ist Gründungsmitglied und damit 50 Jahre im Verein. Ein weiterer Einschlag in das Vereinsleben brachte nun die Corona Pandemie, wie Katrin Puffler (44) berichtet: „Das Vereinsleben ist zurzeit sehr schwierig, da wir uns das letzte Mal zu Oktober auf der Bahn gesehen haben.“ Man versuche im Moment über eine WhatsApp-Gruppe den Kontakt zu den anderen Mitgliedern zu halten, so die Geschäftsführerin. „Wir sind leider abhängig von der Öffnung der Gastronomie, denn jede Bowlingbahn ist auch ein Gastronomiebetrieb“, ergänzt Werthmann und holt drei leuchtende Kugeln aus der Garage. Die Bowlingkugeln habe er seit Monaten nicht mehr in der Hand gehabt, erzählt er. „Die wöchentliche Vereinsaufgaben fehlen schon sehr zurzeit. Sobald die Bowlingbahnen wieder öffnen, werden wir die belagern.“ Auch, weil der Verein dieses Jahr sein Jubiläum im großen Rahmen feiern wollte. Das sei nun auf das nächste Jahr verschoben worden, kündigt Werthmann an. „Da werden wir vermutlich mehr Möglichkeiten haben.“ Eine kleine Vereinsfeier soll es dieses Jahr aber geben“, verrät Puffler.

Die Bowlingfreunde Bonn können in ihren 50 Vereinsjahren auf viele Erfolge zurückblicken: Der größte Wurf im Mannschaftsbereich war wohl der Pokalsieg der Damen in der Saison 1989/90. Der Sieg im Landespokalwettbewerb brachte die Mannschaft als Landesvertreter zum Bundesfinale nach Hamburg. Dort erreichte das Team dann den 8. Platz. „Nachdem der Sieg in NRW schon eine kleine Sensation war, so ist auch der 8. Platz im Bundesfinale, in Anwesenheit vieler Bundesligamannschaften, aller Ehren wert“, sagt Werthmann. In Einzelwettbewerben sei die Zeit von 2009 bis 2015 die bisher erfolgreichste. „Insgesamt viermal Deutscher Meister, ein Mal Internationaler Deutscher Meister, achtmal Vizemeister und dreimal Bronzemedaillen sind die Ausbeute unsere Jugendlichen in dieser Zeit.“ Herausragend war hier die amerikanische Spielerin Crystal Singh. „Crystal hat von 2012 bis 2015 bei uns Bowling gespielt und dabei insgesamt 10 der 16 Medaillen geholt.“ Zählt man die Landesmeisterschaften in NRW dazu, kommen für die gesamte Jugend 25 weitere Medaillenplatzierungen hinzu. Letzter großer Erfolg war die Deutsche Vizemeisterschaft bei den Junioren (19-23 Jahre) von Jessica Werthmann in 2019.

In NRW gibt es übrigens nur fünf Vereine, die älter sind als die Bowlingfreunde Bonn, sagt Werthmann.