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Bonn: Drechsler und Antiquitätenhändlerin berichten von gestiegener Nachfrage

Drechsler und Antiquitätenhändlerin berichten : Nachfrage nach traditioneller Dekoration steigt in Bonn

Ein Drechsler und eine Antiquitätenhändlerin aus Bonn spüren gestiegenes Interesse an traditioneller Handarbeit.

Kein Treffen mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt und die Bescherung findet in diesem Jahr nur im engsten Familienkreis statt. Für viele werden gerade angesichts der geltenden Corona-Einschränkungen die schönen Erinnerungen an das Fest aus der eigenen Kindheit und jener geheimnisvollen, unbeschwerten Zeit wach. Mit gebastelten Sternen aus Stroh, mundgeblasenen Kugeln, Trompeten oder Vögeln für den Tannenbaum sowie filigran gearbeitete Räuchermännchen, die für den typischen Weihnachtsduft im Haus sorgten. „In diesem Jahr besinnen sich viele wieder auf traditionelle Dekorationsobjekte“, beobachtet Bernd Eppstein, der wohl letzte Drechsler in Bonn. Mehr als 1000 handgefertigte Engel stehen in Reih’ und Glied in der großen Vitrine in seinem Laden im Rosental. Daneben Bergmänner, Räuchermännchen und Nussknacker.

Während Einzelhandel, Gastronomie, Eventbranche sowie Freizeiteinrichtungen über enorme Umsatzeinbußen klagen, kann Eppstein kaum die Nachfrage seiner Kunden bedienen. „So voll wie an den ersten drei Adventssamstagen war es noch nie“, bemerkt der 63-Jährige, der seit dem harten Lockdown geschlossen hat. „Das liegt wohl daran, dass der Weihnachtsmarkt ausgefallen ist. Während viele Sammler in der Vergangenheit die erzgebirgische Kunst an den Ständen in der City gekauft haben, kommen sie jetzt in meinen Laden.“ Die Engel liefen am besten. Allerdings dürfen die himmlischen Boten nur ganz traditionell daherkommen und müssen ohne modernen „Firlefanz“ auskommen. „Sie müssen exakt so aussehen wie vor 100 Jahren.“ Räuchermännchen mit einem runden, kugeligen Bauch würden garantiert in der Auslage liegen bleiben, ist sich Eppstein sicher.

Auch Antiquitätenhändlerin bestätigt Trend

Dass gerade in dieser Vorweihnachtszeit die Nachfrage nach Traditionellem besonders groß ist, bestätigt auch Tina Beutter, die in der Herwarthstraße ein Antiquitätengeschäft betreibt. Sie bietet Christbaumachmuck an, der teilweise bis zu 100 Jahre alt ist. „Ich merke, dass viele in diesem Jahr die Vorweihnachtszeit zelebrieren und dafür ganz besondere Stücke suchen“, erzählt sie. Allerdings nicht nur zur Dekoration. „Auch die Nachfrage nach Gläsern und Leuchtern ist gestiegen. Man merkt, dass viele Sehnsucht nach Beständigkeit haben“, so Beutter. „Unsere Kunden machen es sich jetzt eben zu Hause gemütlich. Dann wird der Glühwein aus einem geschliffenen Glas serviert und nicht aus einem Becher auf dem Weihnachtsmarkt getrunken.“

Erst vor wenigen Tagen hat sie in ihrem Laden, der mittlerweile ebenfalls geschlossen ist, eine besondere Geschichte erlebt. „Ein junger Mann aus Amerika war bei uns. Er erzählte mir, dass seine Mutter vor vielen Jahren in Bonn studiert hat und sie damals hier traditionellen Tannenbaumschmuck gekauft hat.“ Die Kindheitserinnerung daran waren für den jungen Studenten offenbar so prägend, dass er in diesem Jahr seinen eigenen Baum ebenfalls mit alten Schmuckelementen bestücken will. „Solche Erzählungen berühren mich immer“, berichtet Tina Beutter. Sie hat zudem einen Tipp, wie man alten Tannenbaumschmuck über die kommenden Jahrzehnte erhalten kann. „Wer Kinder oder Haustiere hat, der sollte im unteren Bereich preiswerteren Schmuck aufhängen und die Kostbarkeiten nur im oberen Bereich des Baumes verwenden“, empfiehlt sie.