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Bonn-Duisdorf: Ärger über lange Wartezeiten vor Schranke am Weck-Werk

Bahnübergang am Weck-Werk : Strafanzeige gegen Bahn wegen Schranke in Duisdorf hat keinen Erfolg

Ulrich Becker hatte wegen der langen Schließzeiten am Bahnübergang Weck-Werke Strafanzeige gegen die Bahn eingereicht. Ohne Erfolg. Er beklagt unverhältnismäßig lange Schließzeiten der Schranken. Der Übergang soll langfristig geschlossen werden.

Der Vorgang erinnert an den Kampf Davids gegen Goliath: Im November hatte Ulrich Becker Anzeige gegen die Deutsche Bahn erstattet, mit der Begründung, dass diese die Schranken am Bahnübergang Weck-Werke zwischen Duisdorf und Oedekoven bewusst sehr früh schließe und damit Autofahrern und Linienbussen lange Wartezeiten beschere, um diese Schienenquerung für den Verkehr unattraktiv zu machen. Fakt ist, die DB will den Übergang schließen und sieht sich mit dieser Forderung vertraglich auch im Recht. Aber aus dem Duell vor Gericht mit biblischem Anstrich wurde nichts: Auf Nachfrage bei der Polizei habe er erfahren, dass die Anzeige gar nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden sei, so der Oedekovener. Warum, wisse er nicht. Auf eine Erklärung der Behörde warte er bis heute.

Hoffnungen habe er sich schon gemacht, dass mit seiner Anzeige zumindest eine rechtliche Prüfung angestoßen werde. Er kritisiert vor allem, dass die Schranke am Übergang Weck-Werke bei einem Zug von Bonn nach Euskirchen schon runtergehe, lange bevor der Bahnübergang Bahnhofstraße geschlossen werde. Das geschehe nach etwa drei Minuten, danach dauere es ein bis zwei Minuten, bis der Zug in den Bahnhof Duisdorf einfahre, und ein bis zwei weitere Minuten, bevor er die Weck-Werke passiere. „Das ist eine bewusste und permanente Verkehrsbehinderung“, meint Becker. Und für ihn mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar.

Umgehungsstraße werde zur wichtigen Ausweichroute

Einen Fürsprecher Beckers ist Oliver Krauß, CDU-Landtagsabgeordneter aus Alfter. Auch Krauß hat den Verdacht, die Bahn wolle diesen Bahnübergang bewusst unattraktiv machen. Er sieht eine Schließung dieses Übergangs vor allem mit Blick auf die anstehende Großbaustelle auf der A565 kritisch: Durch den Umbau des Tausendfüßlers (Autobahnteil zwischen Bonn-Nord und Endenich) und die damit verbundene Sperrung werde die Umgehungsstraße, die auch über die Alma-Brücke führt, zur wichtigen Ausweichroute. „Als Politiker begrüße ich alle Maßnahmen, um Bypässe zu erhalten.“

Für Wolfgang Groß ist die Hauptproblematik aller Bahnübergänge an der Strecke, „dass die Schließzeiten auf durchfahrende Züge ausgerichtet sind, nicht auf haltende Züge“. Aber auf dieser Strecke hielten bis auf Bauzüge alle anderen Züge an den Bahnhöfen. Groß ist Sachverständiger für Schienenverkehrssysteme der IHK Bonn/Rhein-Sieg und weiß, dass es auch anders gehen könnte mittels Zugsteuerung. Diese würde nach dem Fahrplan ausgerichtet. „Diese Technologie gibt es.“ Man müsse sie programmieren und dafür einiges umbauen, sprich Geld investieren – für einen Bahnübergang, der nach dem Willen der Bahn aber dicht gemacht werden soll.

„Aufgrund der vorhandenen Möglichkeiten halte ich das alles für sehr merkwürdig“, sagt Groß. Er wundere sich, dass für diesen Bahnübergang noch ein Schrankenwärter beschäftigt sei, der nicht einmal Einfluss auf die Lichtanlagen für die Züge habe. Stattdessen reagiere er auf die Lichtzeichen, indem er die Schranke schließe. Der Wärter, der einzige in Bonn, sei „ein Relikt aus der Vergangenheit“.

Bahnübergang kann im Gefahrenfall nicht ohne Weiteres geräumt werden

Der Schrankenwärter, erläutert ein Bahnsprecher auf Nachfrage, habe die Funktion, den Bahnübergang Weck-Werke frei zu melden. Also sicherzustellen, dass sich niemand zwischen den Schranken aufhält, wenn sie schließen. „Denn anders als bei Halbschranken kann der Bahnübergang im Gefahrenfall nicht ohne Weiteres geräumt werden.“ Halbschranken gibt es an der Bahnhof- und der Lessenicher Straße sowie auf dem Meßdorfer Feld. Für die Weck-Werke gilt laut dem Bahnsprecher: „Aufgrund der örtlichen, straßenverkehrlichen Situation am Bahnübergang kann aus Sicherheitsgründen auf einen Vollschrankenabschluss nicht verzichtet werden. Eine grundsätzliche Verkürzung der Schließzeiten ist aufgrund der sicherungstechnischen Anforderungen ebenfalls leider nicht möglich.“ Die Art der Sicherung folge den rechtlichen Vorgaben und den örtlichen Verhältnissen.

Die Bahn hat für die Ersatz-Unterführung 2018 einen neuen Antrag auf Planfeststellung für die Aufhebung des Bahnübergangs beim Eisenbahnbundesamt gestellt. Gegen das Vorhaben seien 128 private Einwendungen und eine Sammelliste mit 35 Unterschriften bei der Bezirksregierung Köln eingegangen, erklärt Vanessa Nolte, Pressesprecherin der Bezirksregierung. Die Bezirksregierung führe derzeit das Anhörungsverfahren durch. „Die als Trägerin öffentlicher Belange angehörte Bundesstadt Bonn hat sich in ihrer Stellungnahme gegen die geplante Aufhebung des Bahnübergangs ausgesprochen.“ Derzeit erarbeitet die DB Netz AG laut Nolte die Gegenäußerungen zu den Einwendungen und Stellungnahmen. Die Entscheidung über diese Verfahren liege beim Eisenbahnbundesamt. Bei der Bahn ist man dem Sprecher zufolge zuversichtlich, dass die Unterführung gebaut und der Bahnübergang geschlossen wird. „In Anbetracht der aktuellen üblichen Bearbeitungsdauer von Planrechtsverfahren und interner Bauzeitraumkoordinierung hoffen wir auf eine Inbetriebnahme in 2026.“