Welcome-Café an der Johanniskirche Duisdorfer helfen Ukrainern beim Gang durch den Bürokratie-Dschungel

Duisdorf · Beim Welcome-Café an der Johanniskirche in Duisdorf können sich Geflüchtete mit dem Notwendigen eindecken. Der Aufruf zur Kleider- und Sachspende war sehr erfolgreich. Aber auch die deutschen Gastgeber profitieren von Angeboten wie diesem.

 Beim Welcome-Café an der Johanniskirche können sich Geflüchtete mit dem Notwendigen eindecken.

Beim Welcome-Café an der Johanniskirche können sich Geflüchtete mit dem Notwendigen eindecken.

Foto: Stefan Knopp

Vernetzung ist alles, wenn man sich in die komplexe Materie einarbeiten muss, was es bedeutet, eine ukrainische Familie im eigenen Haus aufzunehmen. Das stellte Arne Bruncker fest, als er Andreas Limbach und Elke Jungbluth zuhörte. Die beherbergen seit etwas mehr als einer Woche drei Flüchtlinge und hatten deshalb einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber Bruncker und seiner Frau Kristina Kratz, die ihre vierköpfige Familie erst seit ein paar Tagen haben. Zum Beispiel darüber, dass ukrainische Flüchtlinge ein kostenloses ÖPNV-Ticket erhalten, eine Telekom-Karte mit Guthaben und für ein Jahr ein gebührenfreies Sparkassen-Konto.

Die beiden Familien trafen beim Welcome-Café der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Hardtberg am Sonntag an der Johanniskirche aufeinander. Dem ersten nach anderthalbjähriger Coronapause und gleich unter den neuen Vorzeichen, dass es wieder neue Geflüchtete in Bonn gibt. Letztere konnten sich bei einer schnell durch einen Spendenaufruf zusammengestellten Kleiderstube mit Notwendigem versorgen, Bekanntschaft schließen und erfahren, wohin sie sich wenden können.

Die Etage für Flutopfer dient nun Kriegsflüchtlingen

Für Helfer, die Ukrainer aufnehmen, war das tatsächlich eine gute Vernetzungsmöglichkeit: Man tauschte gleich Telefonnummern aus. Jungbluth und Limbach hatten ihr Haus schon vor einem halben Jahr soweit hergerichtet, dass sie Menschen hätten aufnehmen können – damals mit Blick auf die Ahr-Flut. Das kam nicht zustande, erzählten sie, aber der 40-Quadratmeter-Bereich unterm Dach mit eigenem Bad war schon weitgehend hergerichtet. Das bot sich für Menschen aus der Ukraine an.

„Ich arbeite im Impfzentrum“, erzählte Jungbluth. „Eine Dame, die ukrainisch sprach, wollte sich impfen lassen.“ Mit Übersetzer stellte sich dann heraus, dass es sich um eine Mutter mit zwei Teenagern aus dem Kriegsgebiet handelte, die eine Unterkunft brauchten. Man tauschte Kontaktdaten aus, kurz darauf erhielten die Bonner einen Anruf, und schon konnten sie die dreiköpfige Familie aufnehmen, ganz unkompliziert „auf dem kurzen Dienstweg“, so Jungbluth. Aus dem Bekanntenkreis kam auch schnell Unterstützung.

Gemeinsam durch den Bürokratie-Dschungel

Aktuell stapfen sie mit den neuen Mitbewohnern durch den Bürokratie-Dschungel. „Die deutsche Verwaltung ist relativ kompliziert“, sagte Limbach in einem Anflug leichter Untertreibung. Natürlich mussten die neuen Gäste im Einwohnermeldeamt registriert werden, dann im Ausländeramt, um das 90-Tage-Aufenthaltsvisum zu bestätigen, und im Amt für Soziales, damit sie nach dem Asylbewerbungsleistungsgesetz die normalen Regelsätze bekamen. Da die beiden 17-jährigen Kinder, Junge und Mädchen, Deutsch lernen wollen, muss das Schulamt involviert werden, und weil die Mutter, gelernte Krankenschwester, schnell Arbeit finden möchte, braucht sie einen Sprachkurs, den ihr das Jobcenter zuweisen muss.

Denn die Frau, deren Mann in Kiew kämpft, möchte eigentlich bleiben. Genauso geht es der vierköpfigen Familie aus Sumy, deren Vater mitgekommen ist, bei Kratz und Bruncker. Der Mann, der seine Frau und die zwei Töchter bei der ersten Gelegenheit ins Auto gepackt hat und nach sieben Tagen in Bonn ankam, ist studierter Mediziner und könnte sofort arbeiten.

Gastgeber fühlen sich von der Stadt gut unterstützt

Eigentlich wollten die deutschen Gastgeber ihr Haus erst herrichten. „Wir haben uns beim Roten Kreuz auf dem Friedensplatz informiert, wie wir an eine Familie kommen“, sagte Bruncker. Die beiden haben selbst drei Kinder zwischen fünf und acht Jahren, deshalb suchten sie nach einer Familie mit Kindern im gleichen Alter. Und dann ging auch hier alles spontan ganz schnell, so dass der Umbau jetzt läuft, während die Ukrainer schon im Haus sind. Sie wollen die Vierjährige in einer Kita unterbringen und die ältere in der Laurentiusschule. „Wenn wir helfen können, tun wir es“, sagte Kratz. Dabei fühle sie sich von der Stadt Bonn sehr gut unterstützt.

Eine andere Perspektive hat Valeria Bayever, die vor acht Jahren aus Charkiw in der Ukraine nach Deutschland kam, wo schon Verwandte lebten. Ihre Eltern und Schwester sind auf der Flucht, sie hat ständigen Kontakt, aber nicht nur zu ihnen. „Da ich so viele Freunde, Verwandte und Bekannte in Charkiw habe, werde ich ständig angerufen.“ Sie beantwortet immer wieder Fragen: Wohin können sich Flüchtlinge in Deutschland wenden, wie funktioniert das mit einer Unterkunft und so weiter.

„Ich versuche, so gut wie ich kann Rat zu geben“, sagte Bayever. Und sie möchte viele Menschen bei Familien unterbringen. Das fordert sie rund um die Uhr, nachts stellt sie inzwischen ihr Telefon lautlos. Im Job hat man Verständnis. „Ich werde gut von meinem Arbeitgeber unterstützt.“

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