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Bonn-Hardtberg - Mark-Apotheke macht zu: „Es tut mir nicht leid, dass es zu Ende ist“

Geschäftsschließung in Bonn : 82-Jährige schließt Marktapotheke auf dem Hardtberg

Die 82-jährige Apothekerin Margot Kolitscher vermacht einen Teil ihres Inventars dem Pharmaziemuseum in Krakau. Nach 52 Jahren ist die Marktapotheke am Schickshof Geschichte. Kolitscher nimmt ohne Pathos Abschied.

Das Ende war nicht gut. Mehr als 52 Jahre war die Marktapotheke von Margot Kolitscher (82) Anlaufstelle für viele Duisdorferinnen und Duisdorfer, die mehr wollten als ein Medikament besorgen. Keine Seltenheit, dass Kunden zu Frau Kolitscher mit den Laborergebnissen eigener Blutwerte kamen, um sie sich erklären zu lassen. „Ich habe den Patienten immer geraten“, so die 82-jährige agile Apothekerin, „ihre Blutwerte in einem Ordner zu sammeln.“ Erst durch die Entwicklung über einen längeren Zeitraum könne man Schlüsse ziehen. Kolitscher nahm sich Zeit für die Menschen. Das war ihr wichtig und machte für sie, die gerne auch Musikerin geworden wäre, die Freude am diesem Beruf aus. „Ich hatte das, was vielen Ärzten heute fehlt“, merkt sie an.

Ihre Bilanz nach dem endgültigen Verlassen der Marktapotheke fällt kurz aus: „Es tut mir nicht leid, dass es zu Ende ist“, sagt sie ohne jegliches Pathos. Einige Kontakte zu Patienten habe sie noch. Sie will wissen, wie es ihnen geht. So versorgt sie weiterhin regelmäßig eine gute Handvoll der meist weit über 80-jährigen Patienten mit Medikamenten, die sie nun von ihrem Kollegen Markus Schulz aus der Burg Apotheke in Endenich bezieht. Schulz hatte sie kennengelernt, als der einmal Interesse an der Übernahme ihrer Apotheke zeigte, mit deren Verkauf sie sich schon Jahre zuvor beschäftigt hatte. Doch die nahe Konkurrenz der Apotheken in den Ärztehäusern ließ potenzielle Interessenten meist wieder auf Abstand gehen.

Möglicherweise hätte Margot Kolitscher zusammen mit ihrer langjährigen Mitarbeiterin Olga Heinz trotzdem noch länger die Stellung gehalten, wenn nicht am 11. November 2019 der Bonner Amtsapotheker El Omari bei seinem Besuch am Marktplatz die Apotheke mit sofortiger Wirkung hätte schließen lassen. Bemängelt wurde, dass ihre Rezeptur, also der Bereich, in dem die Medikamente, Salben und Tinkturen nach speziellen Rezepten hergestellt werden, nicht den heutigen Anforderungen entsprach. Das Gesundheitsamt habe die angeordnete Schließung durch den Kompromiss abgemildert, innerhalb von sechs Wochen notwendige bauliche Maßnahmen durchzuführen. Kolitscher: „Aber das erschien mir im Hinblick auf eine Übergabe der Apotheke nicht mehr sinnvoll.“ Die Modernisierung hätte sie etwa 28 000 Euro gekostet.

Weitere Überlegungen wurden dann durch die Corona-Pandemie obsolet. Kolitscher kündigte ihren Mietvertrag zum Ende des letzten Jahres. Dass sie letztlich erst Ende April ein letztes Mal die Türe ihrer Apotheke abschloss, die übrigens im Laufe der Jahre durch Einbrüche sechs Mal ersetzt werden musste, lag an der unerwartet mühsamen und zeitaufwendigen Abwicklung ihres Geschäfts.

Jedem einzelnen der etwa 8000 in der Apotheke lagernden Medikamente musste die Rechnungsnummer zugeordnet werden, um sie an den Großhandel zurückgeben zu können. Ihre Mitarbeiterin war damit monatelang beschäftigt, während Kolitscher sich durch Aktenberge las und Wichtiges von Unwichtigem trennte, um der gesetzlich geforderten Aufbewahrungsfrist Genüge zu tun. Der Empfehlung des Bonner Amtsapothekers, auch die braunen Standgefäße, besser bekannt als Apothekerflaschen, zu entsorgen, da sie heute keinen Wert mehr hätten, wollte Kolitscher keinesfalls entsprechen. Dafür hat sie eine bessere Verwendung gefunden. Ende September ist Kolitscher nach Krakau eingeladen. Dort übergibt sie die rund 100 Apothekerflaschen feierlich an das Pharmaziemuseum in Krakau (siehe Kasten). In einem der größten Fachmuseen Europas freut man sich, durch die Vermittlung des Bonner Arztes und Unternehmers Jarosław Stępień, der eher durch Zufall die Apothekerflaschen bei Kolitscher entdeckte, in den Besitz einer so großen Sammlung historischer Gefäße zu kommen.