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Bonn-Hardtberg: So planen Vereine Neustart in Pandemie

Brauchtum und Sport in der Pandemie : So planen die Hardtberger Vereine den Neustart

Kein Training, keine Treffen, keine neuen Majestäten: Die Vereine in Hardtberg halten durch und blicken vorsichtig optimistisch voraus auf die Zeit nach der Corona-Pandemie.

Das Leben in den Vereinen hat in den vergangenen 15 Monaten etwas Rost angesetzt. Das wird deutlich, wenn man mal bei einigen nachfragt. „Es gibt kein Training, keine Veranstaltungen, keine Zusammenkünfte“, fasst für die Radsportfreunde 1936 Bonn-Duisdorf Geschäftsführer Peter Gediga die Situation zusammen. Bei den Brauchtumsvereinen sieht es nicht besser aus.

Wie kommt man da wieder raus? Mit Ruhe und Geduld. „Es ist wichtig, dass wir uns als Vereine wiederfinden“, sagt Volker Stahl, zur Zeit noch erster Brudermeister der Sankt Hubertus Schützen. Und man müsse mit anderen zusammenrücken. Die Schützen haben damit schon angefangen, indem sie den Musikverein Duisdorf auf ihrem Grundstück im Derletal mit seinen Sitzgelegenheiten und sanitären Anlagen unter freiem Himmel üben lassen.

Austritte nehmen in Sportvereinen zu

Austritte mit Corona-Hintergrund gibt es vor allem im Sportbereich, etwa beim Turn- und Kraftsportverein 1906. „Kündigungen sind coronabedingt etwas gestiegen“, berichtet Pressewartin Susanne Mockenhaupt, „wobei es eher den Kinderturnbereich betrifft und die Eltern nach Corona, wenn es ihre private Situation zulässt, die Kinder wieder anmelden möchten.“ Über ein Online-Live-Angebot für Erwachsene hat man dagegen neue Mitglieder für den Gesundheitssport gewonnen. Bei den Radsportfreunden sind die Mitglieder geblieben, allerdings ist das ja auch eher eine Randsportart, sagt Gediga. Die Dimensionen sind sehr unterschiedlich: rund 80 Mitglieder beim RSF, ein Viertel davon aktive Sportler, der TKSV hat 1204 Mitglieder.

„Neuen Nachwuchs zu gewinnen, ist in dieser Zeit schwierig, da gerade für Kinder der persönliche Kontakt mit den Übungsleitern und vor allen Dingen mit den anderen Kindern besonders wichtig ist“, sagt Mockenhaupt. Die Mitglieder hat man mit Schnitzeljagd, Erzählspaziergängen und anderen Angeboten ganz gut bei Laune gehalten. In allen Sparten hofft man auf einen baldigen Neustart.

Existenzsorgen bei den Radsportfreunden

Sorgen um den Fortbestand muss sich der TKSV nicht machen. Beim RSF sind die Existenzsorgen schon da. „Die passiven Mitglieder werden immer älter, und ohne Training und Wettkämpfe wird die ansonsten trainingsintensive Randsportart Kunstradfahren nicht überleben können“, teilt Gediga mit. Um dranzubleiben, sei Präsentation wichtig, bevorzugt Open-Air. Dazu brauche man einen mobilen wetterfesten Outdoorsportboden, der aber teuer ist, gelagert und transportiert werden müsste.

Auch den Schießsportfreunden Lengsdorf fehlt es an Plattformen, sich zwecks Mitgliederwerbung zu präsentieren. Immerhin hat man laut dem Vorsitzenden Karl Scheffler eine junge Interessentin, die sich neu angemeldet hat, aber derzeit nicht schießen kann. Man sieht die Situation entspannt, wird sich aber mit der Zugehörigkeit zum Rheinischen Schützenbund auseinandersetzen müssen. „Denen gehen auch Einnahmen flöten“, erklärt Scheffler. „Die erhöhen uns jetzt die Beiträge.“ Das müsste der Verein an seine Mitglieder weitergeben. „Dann sind die weg.“

Bei Hubertusschützen bleiben Majestäten von 2019 im Amt

Bei den Hubertusschützen wartet man darauf, dass ein paar Interessenten mal reinschnuppern können. Die Majestäten von 2019 bleiben vorerst im Amt, immerhin das. Denn einen neuen Schützenkönig ausschießen – das wäre auch dieses Jahr nicht in Frage gekommen, wie so vieles andere. Etwa das 110-jährige Vereinsbestehen und 50 Jahre Schützenheim im Derletal. „Wir hätten das gerne im entsprechenden Rahmen gefeiert“, so Stahl.

Auch der Spielmannszug Rot-Weiß ’67 Duisdorf hat bei den Schützen für Proben angefragt, berichtet dessen Vorsitzender Otto Knott. „Alle hoffen, dass wir irgendwann wieder mit dem Training anfangen dürfen.“ Denn wenn es wieder Veranstaltungen gibt (siehe Infokasten), will man auch auftreten, und dafür muss wieder geübt werden. Und das konnte man jetzt seit dem letzten Sommer nicht mehr.

Das gilt auch für die Tanzgruppen der KG Lessenicher Sterne, bei der Knott Tollitätenbeauftragter ist. „Der Frust bei den Kindern ist teils groß“, sagt der Vorsitzende Ingo Elenz. „Aber sie haben uns allen die Stange gehalten.“ Sie wollen trainieren. Aber wo? Wenn sie im Juli wieder dürfen, dann wohl nicht in den Schulturnhallen, die zumindest während der Sommerferien vom 5. Juli bis 17. August geschlossen bleiben. Bei der Großen Dransdorfer Karnevalsgesellschaft wird wieder geübt, berichtet Präsident Willi Baukhage. Die KG Teddybären hofft, bald wieder zum Trainieren ins Lengsdorfer Vereinshaus zu dürfen. Hauptproblem ist für die zweite Vorsitzende Sandra Olzem die Kondition nach all der Zeit. „Für die Bühne wird einiges an Training nötig sein.“ Und die Neuzugänge vom letzten Jahr hatten zum Teil noch nie Auftritte. „Da müssen wir wieder bei Null anfangen.“