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Bonn-Hardtberg: Tierarztmobil hilft Tieren von Senioren

Kostenlose Untersuchungen : Tierarztmobil hilft Tieren von Bonner Senioren

Seit November ist das Tierarztmobil in Bonn unterwegs. Veterinärmedizinerin Claudia Gomez untersucht kostenlos Haustiere von Senioren, die diese Leistungen sonst nicht bezahlen könnten.

Ob es Baby und Minky gut geht, wird sich gleich herausstellen. Noch wartet Judith Altenrath zusammen mit ihrer Betreuerin Theresa Schönstein und ihren beiden Katzen vor dem Tierarztmobil, das seit November des vergangenen Jahres jeden Dienstag vor dem Gemeindezentrum St. Edith Stein auf dem Brüser Berg Halt macht. „Die Katzen waren schon oft meine Lebensretter“, sagt Altenrath, die erst seit wenigen Monaten aus der Obdachlosigkeit heraus eine eigene Wohnung beziehen konnte.

„Ich weiß nicht, ob ich heute hier stehen würde, wenn ich nicht immer für meine beiden Katzen hätte da sein müssen“, sagt sie. Schönstein hat für sie die Adresse des Tierarztmobils im Internet gefunden. Hier soll sich Altenrath ihrer Sorge entledigen können, dass den Katzen irgendetwas fehlen könnte. Einen Tierarztbesuch hat es für sie noch nicht gegeben. „Mit Blutuntersuchung und Impfungen ist man bei zwei Katzen schnell 200 Euro los“, weiß die Betreuerin. Im Tierarztmobil sind Untersuchung und Behandlung bis hin zu kleineren Operationen für Bedürftige kostenlos.

„Oft sind die Tiere mit den Menschen alt geworden“, sagt Tierärztin Claudia Gomez, die seit November mit dem Tierarztmobil des Europäischen Tier- und Naturschutz-Vereins (ETN) durch Bonn fährt und kostenlos Tiere von bedürftigen Senioren behandelt. Das deutschlandweit einzigartige Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Bonner Amt für Soziales und Wohnen entstanden, von dem es auch finanziell unterstützt wird. Dort weiß man, was ein Tier für alte und einsam lebende Menschen bedeuten kann: „Wer ein Tier bei sich hat, fühlt sich weniger einsam, wird gebraucht und bewegt sich oft mehr“, fasst Anja Ramos das gesundheitsfördernde Miteinander von Mensch und Tier zusammen.

Tiermedizin studiert und promoviert

Die Leiterin des Bonner Amts für Soziales und Wohnen weiß zudem, dass Tiere Geld kosten. Geld, was auch in Bonn manchen alten Menschen fehlt. Deshalb sei man froh, mit dem ETN-Tierarztmobil bei fehlenden finanziellen Mitteln den Tierliebhabern eine notwendige tierärztliche Behandlung für die meist vierbeinigen Mitbewohner bereitstellen zu können.

„Es kommen viele alte Leute zu uns“, sagt Tierärztin Gomez mit leicht südamerikanischem Akzent. Es ist der aus Bucaramanga in Kolumbien stammenden Ärztin anzusehen, was sie später auch in Worte fasst: „Ich liebe meine Arbeit, ich liebe den direkten Kontakt zu den Menschen, und ich liebe es, etwas Gutes zu tun.“

Während sie erzählt, dass sie 1997 nach Berlin kam, um dort Tiermedizin zu studieren und in Leipzig über „Vitamin A bei Carnivoren“ (Fleischfresser) promovierte, weil sie zunächst in der Forschung arbeiten wollte, nimmt sie mit einem sicheren Griff Minky aus dem Tragekäfig und setzt sie auf die Behandlungsliege des zum Tierarztmobil umgebauten Ambulanzfahrzeugs. Sorgenvolle Blicke der „Tiermutter“ Altenrath verfolgen jeden ihrer Handgriffe. „Ein bisschen zu viel Fett hat Minky auf den Rippen“, sagt Gomez in ihre Richtung und scherzt, dass es ja vielleicht nur an den zu viel gefutterten Weihnachtsplätzchen liegen könnte. Gomez tastet und horcht die Katze ab, sieht sich Augen und Gebiss an, misst Fieber und verabreicht ihr eine Impfung.„Es geht ihr wunderbar“, sind die für Altenrath erlösenden Worte der Ärztin. „Das sind mir immer die liebsten Ergebnisse“, sagt Gomez.

Tiere sind Teil der Familie

Oft habe sie auch schwierigere Fälle auf dem Tisch, an dem ihr Elke Wolf assistiert. „Da gibt es von der Allergie bis zur Epilepsie alles“, sagt sie. Die meisten Tiere kämen ungeimpft zu ihr, weil den Besitzern oft einfach das Geld dazu fehle. Häufig erkenne man die Mangelernährung der Tiere an ihren Hautkrankheiten. Aber es kämen auch Knochenbrüche und internistische Erkrankungen. „Da können dann die Medikamente schnell sehr teuer werden“, so Gomez. „Für jemanden, der Hartz IV bezieht, sind 60 Euro für ein Medikament kaum zu bezahlen.“ Aber die Tiere würden alt und brauchten dann auch immer mehr Versorgung. „Die Tiere sind immer auch ein Teil der Familie, das versorgt sein will.“

Gomez kennt es aus ihrer Familie. Und sie weiß, wie glücklich Tierbesitzer sind, wenn sie ihnen das notwendige Medikament durch den Verein, der sich durch Spenden finanziert, kostenlos geben kann. In schwierigen Einzelfällen sind sogar Hausbesuche möglich.

Ansonsten wechselt das Tierarztmobil täglich seinen Standort, um die Anfahrtswege für die meist älteren Tierbesitzer zu verkürzen. Im Moment stehen neben dem Brüser Berg auch Auerberg und Mehlem auf der Tourliste. In Kürze wird voraussichtlich auch Lannesdorf angefahren.