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Bonn: Kinos machen auf ihre Situation aufmerksam

Aktionen im Rex und der Neuen Filmbühne : Bonner Kinos machen auf ihre Situation aufmerksam

Am Rex-Lichtspielhaus in Bonn konnten sich Filmfans alte Filmplakate aus dem Archiv aussuchen. Das Kino in Endenich hat ebenso wie die Neue Filmbühne in Beuel mit Aktionen auf seine Situation in der Pandemie aufmerksam gemacht.

Szenenbilder aus „Shadow of the Vampire“, ein herrlich melancholischer Dracula-Film aus dem Jahr 2000. Daneben Plakate etwa zu „Romeo und Julia“ von 1997 oder – erstaunlich blutig für so einen Titel – Doris Dörries „Glück“ von 2012. Auf dem Boden Filmwerbung auf Haftfolie, die man ins Schaufenster kleben kann, von „Hitchcock“, ebenfalls von 2012. Solcherlei Schätze konnte man sich am Sonntagnachmittag im Rex-Kino abholen: Das Lichtspielhaus hat sein Plakat-Archiv ausgemistet und lud zum Stöbern und Mitnehmen ein.

Hintergrund war die bundesweite Aktion „Kino leuchtet. Für dich“, mit dem die Häuser darauf aufmerksam machen wollen, dass sie noch da sind und sich darauf freuen, dass es irgendwann wieder losgeht. Das Rex und die Neue Filmbühne in Beuel machten mit und erstrahlten abends von innen heraus in vielen Farben. Zusätzlich bot das Endenicher Programmkino seine Plakate an, überwiegend aus den 80er- und 90er-Jahren. Man wolle mal testen, wie das ankommt, sagte Theaterleiterin Brigitte Renemske, und dann die Aktion vielleicht auch mit Plakaten jüngerer Filme wiederholen.

Filmplakate zum Mitnehmen

„So schön es ist, dass man zu jedem Film Belegexemplare hat: Sie werden aber nicht mehr aufgeführt“, sagte sie. Da dachte man sich, man könne genauso gut das Publikum damit beglücken. Einige kamen auch, vielleicht 15 Personen insgesamt, aber das schöne Sonntagswetter brachte es auch mit sich, dass die Leute lieber lange Schlangen vor den Eisdielen als am Kinoeingang bildeten. Und wer hat heute schon Platz für Filmplakate?

Da würde sich schon ein Plätzchen finden, sagte Besucher Stefan Göritz. „An weißen Türen machen sie sich gut.“ Er hatte von der Aktion gehört und wollte mal schauen, nahm aber nichts vom Rex mit. Programmkinogänger sei er, sagte Göritz, und er könne es kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Auch Maja Ilijanic leidet darunter, dass die Kinos geschlossen sind, vor allem Rex und Filmbühne, für die sie auch den Kinopass hat. „Ich bin ein großer Kinofan und schaue normalerweise 40 bis 45 Filme im Jahr.“

Einnahmen aus dem Herbst und Winter fehlen

Dass das Interesse am Kinobesuch bei den Leuten nachlasse werde, glaubt sie nicht. „Es geht ja nicht nur ums Filmeschauen, sondern um das ganze Erlebnis.“ Das sei etwas ganz anderes, als auf dem Sofa daheim Filme auf Streamingdiensten zu schauen. „Ich glaube, nach Corona werden viel mehr Leute ins Kino gehen“, sagte sie.

Renemske hatte häufig Gelegenheit, mit Stammgästen zu plaudern und so den Kontakt zu halten. Kinobetreiber haben es nicht leicht: Seit November sind die Häuser wieder zu, diverse Filme wurden inzwischen auf Streamingdiensten gezeigt. Renemske war aber zuversichtlich, dass einige davon noch mal auf die Leinwand kommen, da ja auch nicht so viel Neues produziert wurde im vergangenen Jahr. 2020 habe man nicht viel eingenommen, da ja im Prinzip nur im September und Oktober Filme gezeigt werden konnten. „Herbst und Winter ist ja die Zeit, in der wir Geld einnehmen.“ Sie rechne nicht vor Ostern damit, dass überhaupt über Kinoöffnungen nachgedacht wird.