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Bonn: Männliche Lehrkräfte sind im Hardtberg unterrepräsentiert

An manchen Schulen unterrichten nur Frauen : Männliche Lehrkräfte sind im Hardtberg unterrepräsentiert

Laut Statistischem Landesamt sind an Schulen in NRW nicht mal 30 Prozent der Lehrer Männer, an Grundschulen weniger als zehn Prozent. Liegt es am Gehalt oder weil der Beruf inzwischen bei vielen anscheinend als unmännlich gilt? Eine Antwortsuche an Schulen im Hardtberg.

Erinnern Sie sich an den Film „Die Feuerzangenbowle“? Die Handlung spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, Heinz Rühmanns Figur Hans Pfeiffer treibt das Lehrerkollegium zur Weißglut – alles Männer. Oder die „Lümmel aus der ersten Reihe“-Filme aus den 1960er- und 70er-Jahren: überwiegend männliches Lehrpersonal. Der Verhältnis kippte in den 1980ern, und heute? Information und Technik NRW als Statistisches Landesamt verkündete jüngst, dass nur 29,3 Prozent der 195 515 hauptamtlichen und hauptberuflichen Lehrkräfte an Schulen im Land im Schuljahr 2020/21 männlich war. Nicht ganz ein Drittel. An den Grundschulen lag der Männeranteil sogar nur bei 9,9 Prozent.

Auch an den Schulen im Hardtberg spiegelt sich das wieder, wie man mit Blick auf die Namenslisten auf den Schul-Internetseiten schnell erkennen kann: Das Verhältnis Männer zu Frauen im Kollegium der weiterführenden Schulen – zwei Gymnasien, zwei Realschulen und eine Hauptschule – inklusive Referendare bewegt sich zwischen rund 24 Prozent am Hardtberg- und rund 37 Prozent am Helmholtz-Gymnasium. Auch die Grundschulen werden dem Landesschnitt gerecht, wobei die Finkenhofschule und die Astrid-Lindgren-Sprachförderschule sogar gänzlich ohne männliche Lehrer auskommen müssen.

Schulleiterin Ursula Timmermann von der Astrid-Lindgren-Schule bedauert das Fehlen von männlichen Kollegen, „gerade wenn es um Rollenverständnis und Gendern geht“. Es gab Männer im Kollegium, „aber nach und nach sind sie uns abhanden gekommen“. Und nachgefolgt seien bisher nur Frauen. Mit der Besonderheit der Sprachförderung habe das weniger zu tun, meint Timmermann. Obwohl: Männer seien im Bereich Förderschulen eher bei den Schwerpunkten Körpermotorik, geistige Entwicklung und sozial-emotionale Unterstützung zu finden.

Warum arbeiten weniger Männer als Lehrkräfte?

Liegt der Männermangel vielleicht Gehalt? Timmermann kann dazu nichts sagen, aber faktisch verdient ein Gymnasiallehrer mehr als ein Kollege an der Grundschule. Stefan Werker, noch bis Schuljahresende Leiter der Gemeinschaftsgrundschule Medinghoven, ist überzeugt, dass das Gehaltsgefälle ein Grund für den Mangel an männlichen Pädagogen an Grundschulen ist. Zudem sei der Beruf des Grundschullehrers vom Ruf her „entmännlicht“, sagt Werker. Er habe von vornherein auf Grundschullehramt studiert und war einziger männlicher Grundschulleiter im Hardtberg – und einer von wenigen in Bonn. Werker plädiert dafür, dass junge Männer, die Lehramt studieren wollten, sich auch mal eine Grundschule anschauen sollen.

„Männliche Bezugspersonen in der Grundschule sind schon eine wichtige Sache“, sagt Werker. Seine Kollegen an den Gymnasien stimmen ihm zu. „Als Identifikationsfiguren für Schüler wären Männer gut“, ist Günther Schlag, Leiter des Hardtberg-Gymnasiums, überzeugt. Er hätte gerne mehr männliche Kollegen an seiner Schule. Ebenso Dorothea von Hoerschelmann vom Helmholtz-Gymnasium. Doch auf den Bewerbungslisten stünden kaum Männer, worüber sie sich wundert. „Das ist ein Beruf für alle.“ Aber die Stellen würden nach Qualifikation besetzt, so Schlag. „Darauf haben wir keinen Einfluss.“ Man müsste schon an den Schulen ansetzen, meint Schlag: „Im Grunde müsste man dafür stärker werben, dass Männer Lehrer werden.“

Die Margot-Barnard-Realschule liegt mit rund 33 Prozent Männeranteil etwas über dem Schnitt, aber Leiterin Ingrid Schickers-Poth reicht das nicht aus. Sie versuche weiterhin, männliche Lehrkräfte an die Schule zu holen, sagt sie. „Unsere Jungen brauchen männliche Vorbilder.“ Offensichtlich haben ihre Bemühungen Erfolg: Mit Alexander Ems, 31, und André Deilen, 32, hat sie jüngst zwei neue Lehrer gefunden. Ems hatte als Schüler Probleme vor allem mit autoritären Lehrern am Gymnasium, wechselte dann auf die Realschule und machte dort so gute Erfahrungen, dass er sich für das Lehramt in der Sekundarstufe I entschied. „Hier steht der Mensch mehr im Fokus.“ An der Realschule gehe es primär um Beziehungen, erst danach um das Fachliche, meint Ems.

Die Hürden für Quereinsteiger sind hoch

Deilen ist Quereinsteiger und deshalb erstmal nur Vertretungslehrer. Die Hürden im Seiteneinstiegsprogramm seien sehr hoch, bedauert der studierte Sportmanager. „Mir war es wichtig, etwas mit sinnstiftendem Element zu machen.“ Als hilfsbereiter Mensch, der gerne mit Gruppen und Kindern arbeitet fand er eine große Schnittmenge zwischen seinem früheren Berater- und Marketingberuf und dem Lehren an der Realschule. Ihn reize außerdem die soziale Vielfalt im Kollegium.

Schnickers-Poth möchte mehr davon, am liebsten für jede Klasse einen männlichen und einen weiblichen Mentor. Auch an den Grundschulen müssten mehr Männer unterrichten. Sie ist überzeugt, das Gehaltsgefälle sei schuld am Missverhältnis, und stellt die Formel auf: „Je höher, desto Mann. Man muss wirklich am Image des Lehrerberufs arbeiten.“