Offene Gartenpforte in Bonn Bonner öffnen das Tor zu ihrem Garten in Dransdorf

Dransdorf · Monika Göhlich hat mit ihrem Mann Michael Wiehen die frühere Obstbaumwiese hinter dem Haus zu einem schlauchförmigen Garten mit Teich und Trockenmauer umgestaltet. Sie öffnen ihre Türen an zwei Wochenenden zur Offenen Gartenpforte. Das beliebte städtische Projekt war in diesem Jahr schwer zu finanzieren.

 Monika Göhlich hat mit ihrem Mann Michael Wiehen die frühere Obstbaumwiese zu einem abwechslungsreichen Garten mit Teich und Trockenmauer umgestaltet.

Monika Göhlich hat mit ihrem Mann Michael Wiehen die frühere Obstbaumwiese zu einem abwechslungsreichen Garten mit Teich und Trockenmauer umgestaltet.

Foto: Stefan Knopp

Es ist für Hobbygärtner wie ein Ritterschlag, wenn sich in ihrem Garten Tiere wohlfühlen, die selten geworden sind. Für Monika Göhlich und Michael Wiehen war es eine große Überraschung, als sie einen ihrer Vogelnistkästen reinigen wollten und ihnen daraus ein kleines Nagetier entwischte, grau, mit buschigem Schwanz. Sie installierten eine Wildkamera und schickten die Aufnahmen von dem Tier zur Bestimmung an Experten. Das Ergebnis: In dem schmucken Garten in Dransdorf lebt seit Jahren der Gartenschläfer, dessen Bestand laut BUND stark abgenommen hat.

Das nachtaktive Tier mit der schwarzen „Zorro“-Färbung um die Augen wird man wohl nicht zu sehen bekommen, wenn das Paar seinen Garten im Rahmen der Offenen Gartenpforte öffnet. Zum ersten Mal machen die beiden mit: An drei der vier Wochenenden (siehe Infokasten) kann man aber besichtigen, was die beiden in den vergangenen zehn Jahren aus dem früheren Garten gemacht haben – nur den Juli-Termin lassen sie aus.

Hochbeete und Gewächshäuser

Göhlich und Wieher wohnen in dem Haus in der Alfterer Straße 61 zur Miete. Vor zehn Jahren sind sie dort eingezogen. „Damals standen hier nur die Obstbäume von den Eltern des Vermieters auf einer Wiese“, erzählt die Archäologin und Kunsthandwerkerin. Die Bäume stehen noch, aber von der Wiese ist nicht viel geblieben. Stück für Stück legten sie Beete an: Unter den Bäumen wachsen jetzt Blumen, die den Halbschatten lieben. Für Kalk liebende und hitzeresistente Blumen wie den Garten-Zierlauch wurde ein Beet mit Kies gemulcht. Weiter hinten durch, vorbei am noch unbepflanzten Nutzgarten wachsen an einem sonnigen Fleck, erhöht und mit einer Trockenmauer eingerahmt, Steingartenpflanzen wie das Felsen-Steinkraut, das jetzt blüht.

Am Ende des gut 80 Meter langen schlauchförmigen Gartens hat das Paar in der Coronazeit einen Teich angelegt. „Wir haben Molche darin und den Frosch Heinrich III.“ Die ersten beiden Heinriche hat sich wohl der Reiher geholt, mutmaßt Göhlich. Außerdem umschwirren viele Libellen, auch große, den Teich, ihre Larven halten die Amphibienpopulation in Schach. Nein, Fische wollen sie darin nicht haben, sie würden die anderen Bewohner fressen. Im Teich wachsen effiziente Sauerstoffproduzenten, kleine Solar-Springbrunneninseln sorgen für etwas Bewegung im Teich.

Auch unmittelbar neben der Terrasse ist ein quadratisches Gewässer angelegt. Das, so Göhlich, war aber vorher schon da, in der Mitte war ein Springbrunnen, den sie abgebaut haben. Ansonsten stehen im Garten Hochbeete und kleine Gewächshäuser, in den Bäumen hängen Nistkästen, an einer Mauer eine „Spatzenwohnung“, in der die geselligen Vögel eine Art WG bilden könnten – hätte nicht auch dort der Gartenschläfer eins seiner vielen Quartiere bezogen. Und überall im Garten sieht man unterschiedlich große Kunstwerke und Dekorationen, von der hölzernen Raupe, die an einem der Apfelbäume hängt, über den tönernen asiatischen Drachen, der sich durch ein Stück Rasen schlängelt, bis hin zu Gebilden renommierter Künstler.

Das Paar gestaltet fröhlich weiter. Auf sandigen Flächen haben sie Wildblumen ausgesät, eine Mischung einheimischer regionaler Pflanzen, das war ihnen wichtig. Vor allem wollen sie Blumen mit offenen Blütenkelchen, an die die Insekten herankommen, also keine gefüllten Blüten wie manche gezüchteten Rosen. Auch eine Steinpyramide ist in Arbeit, „für unsere tierischen Mitbewohner“.

Stadt: Viele neue Gärten im Programm

Die Offene Gartenpforte kennen die beiden schon lange. „Wir haben uns früher selber oft Gärten angeschaut“, sagt Göhlich. Selber mitmachen wollten sie immer mal, jetzt ist es also soweit. Dieter Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtgrün beim Amt für Umwelt und Stadtgrün, hat sich den Garten auch schon angeschaut. „Es ist schön, dass wir dieses Jahr viele neue Gärten dabei haben“, sagt er. Daneben machen aber auch wieder viele Alteingesessene mit. Fuchs organisiert mit einem Team die Offene Gartenpforte, die ihm zufolge nach Corona wieder mehr Beteiligung hat.

Die Aktion, die die Stadt Bonn seit 2006 durchführt und die auf einer Idee aus England basiert, stand in diesem Jahr auf der Kippe. „Es war finanziell problematisch“, sagt Fuchs. Denn dafür wird Personal benötigt, das sich um alles kümmert. Hinzu kam, dass die Stiftung Schloss Dyck, die bislang die Gartenpforte im nördlichen Rheinland organisiert hat, aus personellen Gründen nicht weitermacht. Dafür wurde aber mit der „Straße der Gartenkunst“ ein neuer Partner gefunden.

Das bedeutet, dass die Offene Gartenpforte erstmal gesichert ist. Ähnliche Projekte gibt es auch in anderen Teilen Deutschlands. Auch in einem Bereich des Ruhrgebietes soll so etwas laut Fuchs aufgezogen werden – Bonn hilft dabei beratend mit. Aber erstmal freuen sich Fuchs und seine Organisatoren Britta Cramer und Petra Luhmer auf die Bonner Gartenpforte und laden alle Gartenfreunde ein, bei den Teilnehmern vorbeizuschauen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort