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Bonn: Projekt „Blühender Brüser Berg“ ist gescheitert

Mehr als Tulpen und Narzissen : Initiatorin erklärt Projekt „Blühender Brüser Berg“ für gescheitert

Für Sabine Kraska ist ihre Idee von einem „Blühenden Brüser Berg“ unter ökologischen und sozialen Aspekten gescheitert. Die 64-Jährige widmet sich nun einem neuen Projekt und sieht erste Erfolge.

Als Sabine Kraska (64) zu Anfang des Jahres 2019 von Neuwied auf den Brüser Berg zog, war sie begeistert von dem, was sie dort antraf. Heute ist sie enttäuscht. Ihre Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Nach zehn Jahren in der Provinz habe sie sich auf ein Leben mit städtisch geprägten modernen Menschen gefreut und glaubte auf dem Brüser Berg eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft anzutreffen, die sie an ihrem letzten Wohnort vermisste. Wo sie früher einen großen Garten hegte und pflegte, konnte sie sich fortan nur noch um die Pflanzen auf ihrem etwa vier Quadratmeter kleinen Balkon im Siedlungsbau an der Newtonstraße kümmern. Doch Kraska entdeckte schnell die Borsigalle als ihren neuen Vorgarten.

Im Gegensatz zu manchen Anwohnern erfreute sich die Neubürgerin an dem Wildwuchs in den begrünten Bereichen, welcher Flora und Fauna in der ansonsten versiegelten Fußgängerzone wieder Raum und Zuflucht verschaffte. Da die gelernte Buchhändlerin lediglich Blühendes für Bienen und Insekten vermisste, nahm sie Kontakt mit dem Bonner Grünflächenamt auf, wo sie sich die Erlaubnis einholte, selber initiativ zu werden und für Blühendes zu sorgen. Mithilfe des Nachbarschaftszentrums und einigen fleißigen Helferinnen und Helfern gelang es Kraska dann im Frühjahr, 800 Blumenzwiebeln über die Allee zu verteilen.

Der Anfang des Projekts „Blühender Brüser Berg“ war gemacht. Mit dem Aufruf, man müsse keine Angst vor dem Gärtnern haben, versprach sie allen Mitmachenden mit der Verschönerung des eigenen Lebensumfelds, vielleicht ein neues und befriedigendes Hobby zu entdecken. Das komme zudem der Natur zugute und sei dazu geeignet, das nachbarschaftliche Miteinander der Kulturen zu fördern.

In diverser Fachliteratur machte sie sich sachkundig, welche Pflanzungen ökologisch sinnvoll sein würden. „Doch das Projekt entglitt mir“, sagt Kraska heute. Zunächst blockierte – für Kraska vollkommen unverständlich - die Corona-Pandemie jegliche Aktivität. „Warum sollte man nicht mit Maske und Abstand Stauden und Gewächse pflanzen können“, sagt sie und nennt als Beispiel den Gemeinschaftsgarten am Meßdorfer Feld, der in Corona-Zeiten durch viele gärtnernde Studenten „auf Vordermann“ gebracht worden sei. „Was man mindestens noch hätte machen können“, so die enttäuschte Neubürgerin, „wäre eine Internetgruppe gewesen, in der man sich hätte austauschen und planen können.“ Doch sie fand keine Mitmachenden mehr.

Auch mit den nun sichtbar gewordenen Ergebnissen der bisherigen Pflanzaktion war Kraska nicht zufrieden. Sie sei angetreten, um ökologisch Sinnvolles anzuschieben und letztlich sei so etwas entstanden, wie „Unser Dorf soll schöner werden“. „Ich hatte nie vor, nur Tulpen und Narzissen zu pflanzen“, ärgert sich Kraska.

Ihre ursprünglich beabsichtigte, an ökologischen Grundsätzen orientierte und sozial ausgerichtete Gemeinschaftsaktion sei gescheitert. Seit dieser Erkenntnis hat sie nun im Alleingang eine offizielle Patenschaft für eine grüne Insel auf der Borsigallee von der Stadt übernommen, die sie zum „Internationalen Naturgarten Brüser Berg“ erklärt hat. „Immer öfter sitzen Frauen mit Kopftuch auf den Bänken und suchen das Gespräch mit mir“, sagt sie erfreut. Man biete ihr an, Wasser für die Pflanzen zu holen und der auch der Blumenhändler von gegenüber sei „sehr hilfsbereit und einfach ganz toll“.