Gute Ideen gegen Einsamkeit im Wohnblock Stadtteilverein Dransdorf hilft Menschen mit ihren Sorgen und Problemen

Dransdorf · Die finanzielle Unterstützung des Sozialamtes für den Stadtteilverein Dransdorf ist angesichts des großen Angebots gut investiertes Geld. Architektonisch ist die Wohnsiedlung an der Lenaustraße keine Meisterleistung, aber die Bewohner finden über den Stadtteilverein zusammen.

Wo sich einst Parkplätze unter den Hochhäusern befanden, sind jetzt die Räume des Stadtteilvereins untergebracht.

Wo sich einst Parkplätze unter den Hochhäusern befanden, sind jetzt die Räume des Stadtteilvereins untergebracht.

Foto: Stefan Hermes

„Die Leute haben nach Corona einen großen Redebedarf“, stellt Katharina Helmerking als Geschäftsführerin vom Stadteilverein Dransdorf fest. Seit 2020 leitet sie zusammen mit ihrer Stellvertreterin Ilona Arian die Gemeinwesenarbeit des Vereins. Das Amt für Soziales und Wohnen unterstützt die Arbeit mit rund 250.000 Euro. Wo während der Pandemiezeiten die Hilfe nur durch geöffnete Fenster stattfinden konnte, stehen nun wieder die Türen der Begegnungsstätte an der Lenaustraße offen für alle. „Hier kommt man unter Menschen“, sagt Beate Hein, die seit mehr als 40 Jahren in der unmittelbaren Nähe der Begegnungsstätte wohnt. Sie ist froh, ihr Alleinsein mit dem Besuch im Begegnungscafé unterbrechen zu können.

 Katharina Helmerking mit dem ehrenamtlichen Helfer Dirk Göddertz und Besucherinnen des Stadtteilvereins.

Katharina Helmerking mit dem ehrenamtlichen Helfer Dirk Göddertz und Besucherinnen des Stadtteilvereins.

Foto: Stefan Hermes

Auch Helmerking sieht eine der Aufgaben des Vereins darin, der altersbedingten, zunehmenden Vereinsamung der Menschen etwas entgegenzusetzen. Mit insgesamt neun Teilzeit-Beschäftigten gelingt es dem Stadtteilverein, ein breites Spektrum an kulturellen und sozialen Angeboten zu machen, die allesamt darauf abzielen, eine lebenswertes Wohnumfeld zu schaffen.

Im Jahr 2022 nahmen generationsübergreifend 9377 Interessierte an 975 Veranstaltungen der Begegnungsstätte teil. Tendenz steigend. Als offener Treffpunkt für Menschen aller Generationen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft und Religionszugehörigkeit haben sich die vielfältigen Angebote des Vereins, der vor rund 27 Jahren in dem Wohnblock an der Lenaustraße eingezogenen ist, längst bewährt. Damals hatte man die Siedlungsarchitektur als sozial unverträglich erkannt und durch bauliche Maßnahmen zu korrigieren versucht. Die Hochhäuser wurden um Stockwerke eingekürzt und die Luftgeschosse unter den Häusern mit Ladenlokalen und Büros ausgebaut. So entstanden auch die Räume für den Stadtteilverein.

50 Helfer im Einsatz

Neben dem vielseitig genutzten Saalbau des Vereins, seinen Kursräumen und Büros ist das Begegnungscafé in der Lenaustraße 14 Dreh- und Angelpunkt interkultureller Begegnungen von Jung und Alt, Kulturtreff, Bibliothek und Veranstaltungsort zugleich. Es sei schön zu sehen, freut sich Arian, „dass inzwischen Kinder aus allen Kulturen verkleidet zu unseren Karnevalsveranstaltungen kommen.“ Für sie ein äußeres Zeichen gelungener Integration.

„Hier wäscht eine Hand die andere“, sagt Dirk Göddertz. Der 54-jährige Nachbar der Begegnungsstätte gehört zu den rund 50 Helferinnen und Helfern, die sich ehrenamtlich für die Vereinsarbeit einsetzen. Göddertz ist regelmäßig bei der sehr nachgefragten Lebensmittelausgabe der Tafel zugegen, die einmal in der Woche bedürftige Dransdorfer versorgt. In der Begründung für die auch in diesem Jahr an den Verein ausgezahlten Fördergelder heißt es, dass die Anwohnerinnen und Anwohner „im Mittelpunkt des sozialen Handelns des Vereins“ stehen. Das Begegnungsangebot orientiere sich „an der großen Vielfalt an Lebenswelten und Hintergründen der Bewohnerschaft“, deren aktive Beteiligung zu einer verstärkten Identifikation mit dem Wohnquartier beitrage und zu ehrenamtlichem Engagement motiviere. Die Begegnungsstätte habe sich im Laufe der Jahre zu einer fest im Stadtteil etablierten Anlauf- und Beratungsstelle entwickelt.

Darüber hinaus unterstützt der Verein jedoch auch auf ganz praktische Weise mit seinen Kursangeboten. Kindern wird beispielsweise in altersentsprechender Schulung das nötige Knowhow vermittelt, um mit dem PC arbeiten zu können. Teilhabe an Bildung wird durch Hausaufgabenbetreuung und Förderkurse unterstützt. Für Erwachsene gibt es Computerkurse genauso, wie Sprach- und Konversationskurse, Bewerbungshilfe sowie Vorbereitungskurse für den Einbürgerungstest. Die seit fünfzehn Jahren in Dransdorf lebende Peruanerin Berta Plate (75) weiß trotz ihrer guten Deutschkenntnisse die Hilfe bei Behördenschreiben und -gängen zu schätzen.

Angebote für altere Menschen

Wer Unterstützung beim Umgang mit Behörden oder Institutionen benötigt, wem eine Wohnungskündigung droht oder die Schuldenlast zu groß wird, findet mit Rat und Tat Hilfe in der Sozialberatung (siehe Infokasten). In der Seniorenarbeit des Vereins werden gezielt Angebote für die Bedürfnisse älterer Menschen gemacht, die sie mit sozialen Begegnungen und Vernetzungen sowie durch Freizeitaktivitäten darin unterstützen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Der Begegnungsbereich des Stadtteilvereins bietet sowohl konstante und regelmäßige Veranstaltungen wie Sport- und Handarbeitskurse sowie Theater- und Museumsbesuche oder auch besondere Theateraufführungen (siehe Infokasten). „Mit einer Vielfalt an Kulturangeboten“, heißt es im Jahresbericht, „erschafft der Stadtteilverein eine kulturelle Infrastruktur, die Voraussetzung für breitere Wahrnehmung und Partizipation und schließlich gesellschaftliche Integration ist.“

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