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Bonn: Virologe Streeck stellt neues Buch vor - Affenpocken, Corona

Bonner Virologe stellt neues Buch vor : „Sind die Affenpocken gefährlich, Herr Streeck?“

Hendrick Streeck hat sein neues Buch in der Matthäikirche in Duisdorf vorgestellt. Die Gäste löcherten den Virologen mit Fragen zu aktuellen Gesundheitsthemen. Nur eines war kein Thema.

Zu Beginn hat Hendrik Streeck den mehr als 100 Anwesenden in der Matthäikirche im Stadtteil Duisdorf ein Geständnis zu machen. „Mir ist es etwas unangenehm, wie schlecht ich Bonn kenne“, gibt Streeck unumwunden zu. Dabei lebe er bereits seit Dezember 2019 hier. Erst vor zwei Monaten etwa habe er den großen Edeka auf dem Hardtberg entdeckt. „Aber den Kottenforst kenne ich sehr gut“, sagt er.

Doch das verziehen ihm die Besucherinnen und Besucher gerne, denn schließlich ist Streeck kein ausgebildeter Stadtführer, sondern einer der bekanntesten Virologen Deutschlands. So las er bei den „Montagsvorträgen“ der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg und des Evangelischen Forums Bonn Passagen aus seinem neuen Buch „Unser Immunsystem“ vor, in dem es um allerlei Wissenswertes über Bakterien und Viren geht, wie sie funktionieren und was sie in unserem Körper machen. Barbara Kliesch hat die Veranstaltung moderiert.

Hendrik Streeck stellt neues Buch vor - Zuhörer stellen Fragen zu Affenpocken

Die Besucher nutzen aber vor allem die Gelegenheit, Fragen an Streeck zu stellen. „Sind die Affenpocken gefährlich?“, wollte ein älterer Herr wissen. Streeck konnte gleich beruhigen. „Die Affenpocken sind nichts Neues. Wir kennen sie schon sehr lange. Sie wurden 1958 entdeckt.“ Kleinere Ausbrüche der Affenpocken habe es bereits 2003 in den USA und 2018 in Großbritannien gegeben. Zudem seien diejenigen, die noch gegen die echten Pocken geimpft wurden, geschützt. Die aktuelle Häufung des Virus überrasche zwar etwas, aber es sei nichts, womit man derzeit nicht umgehen könne.

Eine Frau will erfahren, warum Viren nicht durch Antibiotika behandelt werden können. „Im Unterschied zu Viren können Bakterien allein überleben“, sagt Streeck. Sie haben ihren eigenen Stoffwechsel, in den das Antibiotikum eingreifen kann. „Viren sind praktisch keine Lebewesen. Sie brauchen einen Wirt, die Zelle, um sich zu vermehren.“ Dadurch bieten sie kaum geeignete Angriffspunkte. Streeck nutzt auch die Gelegenheit, um klarzustellen, dass sowohl Bakterien als auch Viren nicht nur schlecht für unseren Körper sind. Evolutionär hätten sie uns schon Vorteile gebracht. So habe sich vor mehreren tausend Jahren durch eine Virusinfektion der Sauerstoffaustausch in der Plazenta verbessert. Ebenso sind die Mitochondrien, die Kraftwerke in unseren Zellen, ursprünglich erst durch Bakterien in unseren Körper gelangt.

Corona ist kein Thema bei der Buchvorstellung von Hendrik Streeck

Auch wenn es an diesem Abend viel um Viren und Bakterien ging, ist Streeck ein Wort nicht über die Lippen gekommen: Corona. So fragte ein Besucher nach: „Ich hatte erwartet, etwas zu Covid-19 zu hören. Haben Sie vielleicht deshalb nichts darüber erzählt, weil sie zu dem Thema gerade ein neues Buch schreiben?“ Dem Mann konnte Streeck gleich versichern, dass er aktuell nicht vorhabe, ein neues Buch zu schreiben. „Ich habe das Thema bewusst ausgespart, weil man da gar nicht so viel Neues erfahren kann.“

Zum Abschluss signierte Streeck noch für die Besucher sein neues Buch und sagte nicht ohne Stolz, dass es neben Italienisch, Russisch, Estnisch und Litauisch nun auch ins Koreanisch übersetzt wurde. „Ich hätte es aber noch gerne auf Englisch und Französisch“, schmunzelte Streeck.

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