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Bonner Abiturient steht im Finale eines US-Kunstwettbewerbs

Abiturient des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums : Hardtberger steht im Finale eines amerikanischen Kunstwettbewerbs

Patrick Jansen geht auf das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium. Er steht im Finale eines Kunstwettbewerbs der amerikanischen Chapman University. Wie hat er das geschafft?

Mehr als 70 Jahre ist es her, dass die Nazis Natan Gipsman auf einen Todesmarsch schickten. Schüler Patrick Jansen hat sich von der Geschichte des jüdischen KZ-Häftlings inspirieren lassen und eine Szene seines Lebens in einem Bild festgehalten. Damit ist er nun für einen Preis der Chapman University in Kalifornien nominiert.

Jansen geht in die 12. Klasse des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums, macht bald sein Abi und belegt auch das Fach Kunst. Seine Kunstlehrerin Elisabeth Oczkowski sorgt seit drei Jahren dafür, dass ihre Schüler am Holocaust Art & Writing Contest teilnehmen. Bei dem Wettbewerb der amerikanischen Uni sollen sie sich mit Zeitzeugenberichten von Holocaust-Überlebenden auseinandersetzen. In welcher Form, das ist ihnen überlassen: sie können zwischen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Film, Prosa oder Poesie wählen.

Interviews mit Holocaust-Überlebenden angeschaut

Nun steht Jansen im Finale des Wettbewerbs. Vor ihm ist das noch keinem seiner Mitschüler am Gymnasium gelungen. Für Jansen war direkt klar, dass er sich für Malerei entscheidet. „Schreiben macht mir nicht so viel Spaß“, sagt der 18-Jährige am Telefon. Zur Vorbereitung seiner Arbeit schaute er sich Interviews mit verschiedenen Holocaust-Überlebenden an und entschied sich am Ende für Gipsman. „Den fand ich sympathisch“, sagt Jansen.

Gipsman stammt aus Polen. Aus einem anderen Arbeitslager sollte er ins KZ Groß-Rosen verlegt werden, das etwa 60 Kilometer von Breslau entfernt lag. Von 1940 bis 1945 waren dort etwa 130 000 Menschen inhaftiert, die Nazis ermordeten 40 000 von ihnen. Die Deutschen trieben die Häftlinge auf dem Weg ins Lager an, wer nicht mehr konnte, wurde erschossen. So erinnert sich Gipsman im Interview, das auch auf der Videoplattform Youtube zu sehen ist.

Farbe Grün setzt deutlichen farblichen Akzent

Jansen hat eine Szene von diesem Marsch mit Ölfarben gemalt. Im Vordergrund zeigt es einen erschöpften Gipsman. Ein Freund hilft ihm wieder auf die Beine. Beide stehen neben einem Baum, der Blätter trägt. Ihr Grün setzt einen deutlichen farblichen Akzent. Der Hintergrund ist grau, die Bäume dort kahl. Ein deutscher Soldat, der dort steht, hält ein Gewehr. „Ich hatte erst überlegt, ob ich die Trennung von seiner Mutter male“, sagt Jansen. Aber dann entschied er sich dagegen. „Ich fand, dass diese Szene mehr Hoffnung und Verbundenheit rüberbringt.“ In diesem Jahr steht der Wettbewerb nämlich unter dem Motto: Stärke teilen, Menschlichkeit erhalten.

„Weil ihm sein Freund geholfen hat, hat Gipsman neue Hoffnung geschöpft“, sagt Jansen. Auf dem Marsch gelang Gipsman in einem unbeobachteten Moment die Flucht. Er suchte Arbeit auf Bauernhöfen und wurde von den Bewohnern versteckt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er in die USA aus. „Man wundert sich, wie jemand so viel Leid ertragen konnte“, sagt Jansen.

Das Bild, das den Titel „Death March“ trägt, schickte Jansens Lehrerin in die USA. Dort entscheidet eine Jury darüber, welche Einsendung die beste ist. Am 12. März gibt sie ihre Entscheidung bekannt. Der Gewinner jeder Kategorie bekommt 400 Dollar, für Platz zwei gibt es 200 Dollar. Glaubt er, dass er eine Chance hat zu gewinnen? Jansen sagt: „Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.“