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Coronakrise: Bonner Friseure warten auf Anweisung

Coronakrise : Bonner Friseure warten auf Anweisung

Auf eine klare Anweisung der Behörde, ob sie während der Coronakrise doch noch schließen müssen, warten derzeit viele Friseure in Bonn. Zahlreiche Kunden bleiben bereits weg.

„Bis gestern hatten wir noch mit Handschuhen und Atemmasken gearbeitet“, sagt Friseur Omar Khalil vom Haarstudio Arabela am Schickshof. Nun sind die wenigen Schutzmittel ausgegangen. Aber man habe ja noch Desinfektionsmittel und Eau de Cologne. Das müsse reichen. Fünf Mitarbeiter sitzen am Freitagvormittag in seinem Laden und warten auf Kunden. Seit der Öffnung vor zwei Stunden, waren vier Kunden im Geschäft.

„Viel zu wenig, um durchzuhalten“, sagt Khalil. Seine Schwägerin, Inhaberin und Friseurmeisterin Susan Shahabuddin, hat ihr Geschäft seit Wochenbeginn nicht mehr betreten. „Das war ihr zu gefährlich“, sagt Khalil. Schließlich müsse sie ihre alten Eltern versorgen. Auch ihr Schwager denkt darüber nach, bald zu schließen. Die Kosten für Miete und Mitarbeiter seien zu hoch, um mit geringen Einnahmen bezahlt werden zu können. Eine Kündigung träfe einen seiner Mitarbeiter besonders hart. Er habe gerade erst geheiratet. Das Paar hat einen Kredit von 8000 Euro aufgenommen, um sich eine Wohnung einzurichten. „Keine Ahnung, wovon er seine Raten bezahlen soll, wenn wir schließen müssen.“

Schulen und Kitas, Kneipen, Discos, Kinos, Theater, Geschäfte, Fitnessstudios – alles, was nicht „systemrelevant“ ist, hat inzwischen auch in Duisdorf geschlossen. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sollen die Menschen ihre Sozialkontakte auf ein notwendiges Minimum reduzieren. Lediglich Versorgungseinrichtungen sind geöffnet. Neben Supermärkten, Apotheken, Ärzten, Drogerien oder Banken gehören bis jetzt auch noch Friseure dazu.

„So lange die auf haben, gehe ich auch hin“, sagt eine Kundin, die soeben frisch frisiert das Friseurgeschäft von Gabriele Lunau auf der Rochusstraße verlässt. „Hilft ja nix“, sagt die Kundin. Sie müsse ja auch einkaufen oder zum Arzt gehen. Und die Haare könne sie sich ja schließlich nicht selber machen. „Die Regierung hat das so beschlossen, also haben wir auch auf“, sagt Friseurin Lunau. Recht ist ihr das nicht. Aber sie möchte nicht die einzige sein, die ihren Laden schließt. So, wie Lunau sehen das auch viele ihrer Kollegen: Man wartet auf eine klare Anweisung. Bis dahin wird auch Lunau immer einen Frisierplatz zwischen ihren Kunden frei lassen. Dass sie selber den Mindestabstand zu ihren Kunden nicht einhalten kann, sieht sie als unabänderlich an. „Ist halt so“, zuckt sie resigniert mit den Schultern.

Özkan Kayhan von Barber Time will noch den Samstag abwarten. Wenn sich bis dahin das Geschäft nicht bessert, macht er erst einmal zu. „Ich kann verstehen, dass sich die Leute die Haare machen müssen“, sagt dagegen Norbert Schulze und stuft sein Handwerk als notwendige Grundversorgung ein. „Wenn das nicht so wäre“, folgert der Friseurmeister, der seit 19 Jahren an der Rochusstraße seine Stammkunden empfängt, „dann dürften wir ja wohl unsere Geschäfte auch nicht öffnen.“ Für viele seiner Kundinnen sei es wichtig, dass in solchen Zeiten wenigstens die Haare in Ordnung seien.

So ganz verstehen, könne Schulze das allerdings nicht, denn schließlich gebe es Wichtigeres, als sich mal die Haare nicht machen zu können. So fände es auch Schulze besser, „alle machten zu und blieben zuhause.“