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Brüser Berg - Bonn-Hardtberg: Unternehmer in Sorge wegen drohendem Leerstand in der Fußgängerzone

Geschäftszeile auf dem Brüser Berg : Unternehmer in Sorge um die Fußgängerzone auf dem Hardtberg

Für Unternehmer ist die Fußgängerzone auf dem Brüser Berg ein schwieriges Pflaster. Es fehlt an Geschäften, die Kunden anziehen. Die bleiben nun auch wegen Corona weg. Die Geschäftsleute hoffen, dass die Zeile nicht weiter an Attraktivität verliert.

„Ich werde wohl der letzte Mohikaner sein“, sagt Bernhard Schmuck, der seit dem Wegzug von Achim Burchert zum Vorsitzenden des Unternehmerverbunds Brüser Berg (UVBB) gewählt wurde. Zusammen mit seinem Stellvertreter Frank von Dobschinski wird sich Schmuck nun weiterhin dafür einsetzen wollen, dass die Borsigallee durch leerstehende Ladenlokale nicht an Attraktivität verliert. „Es bleibt schwierig“, so Immobilienmakler Schmuck, der als „Mann vom Fach“ nicht glücklich darüber ist, dass inzwischen Ladenlokale von Unternehmen bezogen wurden, die sich mit zugeklebten Schaufenstern vor den eigentlich dort vorgesehen Einblicken verbergen. Das trage nicht zur Belebung bei, so Schmuck.

Viel habe sich seit dem letzten Jahr nicht verändert, sagt er. Karola Kirchgeorg habe ihren Tabak- und Zeitschriftenhandel aus Altersgründen an Ara Azadian abgegeben und helfe jedoch noch an zwei Tagen in der Woche im Geschäft aus. Damit sind auch die langjährigen Beziehungen zu ihrer Kundschaft nicht abrupt beendet. Mit Smoke-Nation ist ein Geschäft für Shisha-Bedarf genauso neu hinzugekommen wie ein Friseur und ein Nagelstudio. „Ein Bekleidungs- und ein Schuhgeschäft sowie ein Drogeriemarkt fehlen uns hier oben immer noch“, beklagt Schmuck. Er ist jedoch Realist genug, um zu wissen, dass sich durch die Nähe zum  großen Vollversorger, Discounter und Drogeriemarkt am nahen Basketsring die Investion für weitere Anbieter an der Borsigallee nicht rechnen würde.

Der rote Stern wird in der Adventszeit den sonst üblichen Weihnachtsschmuck des Unternehmerverbunds ersetzen. „Zu mehr fehlt in diesem Jahr das Geld“, so Bernhard Schmuck. Foto: Stefan Hermes

Elektro- und Fahrradladen sind bereits seit Jahren nicht mehr in der Fußgängerzone anzutreffen. „Die Leute fahren entweder mit dem Auto zum Einkauf oder bestellen ihre Waren im Internet“, so Schmuck. Was übrigbliebe, seien eben beispielsweise Friseure und Kosmetikstudios.

Jeweils vier Stück gibt es davon auf kaum 200 Metern der gepflasterten Fußgängerzone. Deren Geschäfte funktionierten nicht digital. Auch die beiden dort zu findenden Optiker können selbst zu Corona-Zeiten nicht über mangelnde Kundschaft klagen, so Schmuck. Ganz anders dagegen Achim Fischer, der vor sechs Jahren das Ladenlokal kaufte, in dem sich sein Blumengeschäft befindet. „Jetzt läuft gar nichts mehr“, sagt er. „Maritim und Parkrestaurant Rheinaue: alles zu.“ 600 Tischdekorationen für Silvester seien schon abgesagt, so Fischer. Ebenso der Streitkräfteball und alle Weihnachtsfeiern, die Fischer mit seinen Blumenarrangements ausstattete. Seine Mitarbeiterin ist in Kurzarbeit und Fischer selbst macht inmitten seines bunten und durch geschickte Gestaltung auch opulent wirkenden Blumenangebots eine gute Miene zum bösen Spiel: „Corona hat uns alle hart getroffen“, sagt er. Jetzt warte man sehnlichst auf den Impfstoff, so dass alles wieder normal weitergehen könne.

Für „Frau Antje“, anders möchte sie in der Zeitung nicht genannt werden, hat sich an ihrem ehrenamtlichen Einsatz im Bereich des Bücherschranks nichts geändert. „Ich entsorge hier täglich den Müll, den die Schulkinder, die auf ihren Bus warten, achtlos wegwerfen“, so die Anwohnerin, die soeben die verschmutzten Scheiben des Bücherschranks wieder durchsichtig macht.