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Bundespräsident ehrt den Lengsdorfer Christoph Schada mit der Bundesverdienstmedaille

Hohe Auszeichnung für Bonner : Christoph Schada bekommt Bundesverdienstmedaille überreicht

Der Bonner Oberbürgermeister überreicht dem Lengsdorfer Christoph Schada die Verdienstmedaille des Bundespräsidenten.

Aus dem Staunen kam Christoph Schada von Borzyskowski auch beim wiederholten Lesen des Briefes nicht heraus, der so unscheinbar mit den anderen im Kasten gelegen hatte. Darin wurde ihm kundgetan, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleihe ihm die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“.

Die Nachricht kam zur Lengsdorfer Kirmes. „Eine Zeit, die ohnehin wie eine Achterbahnfahrt ist, mit Höhen und Tiefen, weil das eine klappt und anderes dafür wiederum nicht“, erinnert sich Schada. Als sie schließlich verdaut war, machte sich eine „innere Freude breit.“ Warum das Schreiben aus Berlin zwei Monate nach Bonn brauchte, darüber schweigt das Protokoll. Schada jedenfalls wollte die frohe Kunde nicht sofort in die Welt posaunen, sondern zunächst klammheimlich seine Freude daran haben. Allerdings wusste er nicht, dass es in der Sache weitere Geheimnisträger gab. Zum Beispiel seine Frau, Stephanie Bulang-Matern - und den einen oder anderen Freund.

Jetzt ist es offiziell. Am Donnerstag erhielt Schada im Gobelinsaal des Alten Rathauses in Bonn Urkunde und Verdienstmedaille namens des Bundespräsidenten von Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Der hatte als gebürtiger Lengsdorfer ein besonderes Vergnügen daran, einen Akteur aus seinem Dorf auszuzeichnen. Schada war mit einer großen Lengsdorfer Gefolgschaft gekommen. Bei Sridharans Laudatio lauschte er mit ungewohnt ernster Miene. Was ihm selbstverständlicher Alltag ist, bekommt in Form einer Laudatio offenbar ein ganz anderes Gewicht.

Vielseitiges Engagement gewürdigt

Wenn er eine Berufsbezeichnung erfinden sollte, die auf Schadas vielseitiges Engagement passen würde, wäre es der Tausendsassa, so Sridharan. Mit 16 Jahren wurde Schada 1984 der jüngste Notenwart in der Geschichte des Lengsdorfer Männergesangvereins. „Ich wollte da, wo ich wohne, mitreden und mitgestalten“, erläutert der Lengsdorfer Jung. Er war Mitbegründer der Initiative Lengsdorfer Vereinshaus, aus dem später der Trägerverein hervorging und ist Miterbauer des Vereinshauses. Seit 20 Jahren führt er den Ortsfestausschuss, seit elf Jahren den Heimat- und Verschönerungsverein. Kein Verein in der Umgebung, in dem er nicht Mitglied wäre.

Seit 20 Jahren ist Schada für die CDU in der Hardtberger Bezirksvertretung. Besonders hob Sridharan seine Hilfsbereitschaft hervor. „Du lässt niemanden hängen.“ Lengsdorf sei ohne Schada nicht vorstellbar. „Du bist und bleibst der Ortsbürgermeister“, betonte Sridharan mit Augenzwinkern, denn diese Position wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung vor 50 Jahren abgeschafft. Wer sich an die Zeiten erinnert, weiß, dass der Ortsbürgermeister üblicherweise eine Institution war, die das Dorf zusammenhielt. Unter dem beifälligen Nicken der Gäste erklärte Sridharan: „Wir sind froh, dich bei uns in Lengsdorf zu haben.“

Ehrenamt ist wie ein zweiter Job

Der feierliche Moment, die Verdienstmedaille anzuheften, war nur von einem kurzen Tuscheln unterbrochen. Scherzhaft beklagte Schada, dass sein nagelneuer Anzug nun zwei Einstich-Löcher hätte. „Jetzt wird es emotional“, kündigte er seine Dankesrede an. Wer ein Taschentuch dabei hatte, konnte es gut brauchen - nicht zuletzt er selbst. „Manche wissen gar nicht, dass ich einen Beruf habe.“ Schada arbeitet beim Landesbetrieb Straßen NRW. Das Ehrenamt sei sein zweiter Job, das allerdings immer mehr Aufwand erfordere. „Die Bürokratie lässt grüßen. Und dann muss man sich als Verein noch vorm Finanzamt nackig machen.“

Immer sei sein Ziel gewesen, Menschen fürs Brauchtum zu gewinnen. „Ein Ehrenamt ist Gemeinschaftswerk. Und ein Vorsitzender nur so gut wie sein Vorstand.“ Das Schada’sche Programm fürs Ehrenamt sieht so aus: Erst kommt Lengsdorf, dann der Stadtbezirk und dann ganz Bonn. Bei aller Verbundenheit - bis auf die Geburt im Marienhospital 1968 hat er den Ort nie verlassen - lehne er aber Scheuklappenpolitik ab. Sein Steckenpferd ist die Heimat- und Brauchtumspflege, sein privates Hobby der Karneval. 1999 wurde er aktives Mitglied der Bonner Ehrengarde. Für ihn sei ein Traum in Erfüllung gegangen, als er in der Session 2011/12 Bonner Prinz wurde mit dem Motto: „Bonn du bess ming Stadt.“

In der Zeit lernte er seine Frau Stephanie Bulang-Matern kennen. Die öffentliche Liebeserklärung an sie rührte das Publikum zu Tränen: „Du bist mein größter Ordensschatz.“Die Liste der ehrenamtlichen Aktivitäten ginge noch weiter. Schada betont: „Ich bin kein Vereinsmeier, sondern ein Vereinsmensch.“ Sein früherer Mentor, der Lengsdorfer Bürgermeister Adam Leyendecker habe ihn ermahnt, er solle keinen Dank erwarten. Daher sei die für ihn überraschende Würdigung mit der Verdienstmedaille eine besondere Ehre. Christoph Schada von Borzyskoswki resümierte mit dem Zitat einer Liedzeile von Udo Jürgens: „Ich würd’ es wieder tun.“ Und das Leben geht weiter. Als nächstes stehen Auftritte als Nikolaus an.