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Kirchenmusik in Bonn: Cäcilienchor ist der letzte Chor in Lengsdorf

Kirchenmusik in Bonn : Cäcilienchor ist der letzte Chor in Lengsdorf

Der Cäcilienchor in Lengsdorf wurde 1896 gegründet. Für die Mitglieder ist das Ensemble auch eine Lebensgemeinschaft. Der Chor ist inzwischen die letzte Sangesgruppe in Lengsdorf.

Und jetzt stellen wir uns den Pinguin vor und danach den Schneeball“, sagt Chorleiter Sebastian Chmel am Dienstagabend. Mit der Aufwärmübung bereitet er die Sängerinnen und Sänger des Cäcilienchors auf die Probe vor.

Die Mitglieder des gemischten Chors machen die ungewöhnlichen Lockerungs- und Atemübungen mit, denn die positive Wirkung bestätigt Chmels Ansatz: Die Übungen aus dem Qigong funktionieren mal mit, mal ohne Klang. „Unser Chor ist eine etwas andere Art von Chor“, sagt Michael Strauven, seit einigen Jahren Mitglied, und schwärmt.

Gegründet wurde der Cäcilienchor St. Peter 1896 als zunächst rein männlicher Kirchenchor und einer von gleich mehreren Chören in Duisdorf und Lengsdorf. Während des Zweiten Weltkriegs wurden dann auch Frauen aufgenommen, da es sonst an Stimmen gemangelt hätte. Aktuell besteht der Chor aus etwa 30 aktiven Sängerinnen und Sängern. Darunter sind 21 Frauen und neun Männer. Als Chmel den Chor 1996 übernahm, gab man ihm zunächst keine große Chance, denn von den drei Chören, die es zu diesem Zeitpunkt in dieser Ecke Bonns gab, vermutete man, dass gerade der Kirchenchor bald aufgeben würde. Stattdessen gaben dort in der vergangenen Zeit sowohl der andere gemischte Chor als auch der Liederkranz auf – nur den Cäcilienchor gibt es noch.

Chmel ist an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg als Honorarprofessor für Physik und Messtechnik tätig. Im Zweitberuf ist er Musiker, und das mit großem Erfolg – und Einfühlungsvermögen für seinen Chor. Das zeigt sich eben auch in ungewöhnlichen Übungen zu Beginn der Probe: „Man merkt richtig, dass man alles hinter sich lässt“, sagt Chormitglied Stephanie Eichhorn. Und dennoch ist jede einzelne Probe anstrengend und fordert den Laiensängerinnen und -sängern einiges ab, denn das Pensum von 15 Konzerten pro Jahr muss gestemmt werden. Dazu gehören Auftritte bei Gottesdiensten, eigene Chorkonzerte sowie Konzerte außerhalb, die immer häufiger angefragt werden. Sogar nach Paris reist der Chor regelmäßig alle zwei Jahre.

Die Konzertprogramme des Chores werden häufig über einen längeren Zeitraum hinweg ausgearbeitet. Daran beteiligen sich alle Mitglieder des Chores. „Manchmal braucht es auch Jahre, bis man sich an ein Thema herantraut“, erzählt Chmel. So sei es zum Beispiel beim letzten Konzert zum Thema Maria gewesen, deren Bedeutung von verschiedenen Seiten beleuchtet werden sollte, durchaus auch kritisch.

Die inhaltliche Arbeit gehört dazu wie die intensive Arbeit am Klang. Was für die Mitglieder aber das Besondere ausmacht, ist noch ein anderer Aspekt. Nämlich der Chor als Lebensgemeinschaft, der in sich gewachsen und auch im Ort verwurzelt ist. Die Mitglieder werden, sagen sie, auch in Zeiten mitgenommen, in denen es ihnen mal nicht so gut geht, es das ein oder andere Problem gibt. Der Chor weist übrigens grundsätzlich keine neuen Mitglieder ab. Das stellt Chmel vor eine besondere Herausforderung. „Hinsichtlich der Fähigkeiten ist der Chor sehr heterogen“, sagt er. „Das heißt natürlich auch, dass die stärkeren und sichereren Stimmen die anderen mitnehmen müssen“.

Aber das stellt für die Mitglieder in dem sozial eingestellten Chor offenbar kein Problem dar. Es macht sich offensichtlich bezahlt, denn Nachwuchsprobleme kenne der Cäcilienchor Lengsdorf eher nicht – ein Ende der erfolgreichen Arbeit des Chores ist nicht in Sicht.