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Hilfsprojekt auf den Philippinen: Corona-Alltag in einer Dorfklinik am Ende der Welt

Hilfsprojekt auf den Philippinen : Corona-Alltag in einer Dorfklinik am Ende der Welt

Die Röttgenerin Sabine Korth leitet im philippinischen Bugko die medizinische Station. Derzeit kann sie den Ort wegen Corona-Einschränkungen nicht verlassen. Ihre Eltern berichten, wie es der Tocher und ihnen in diesen Zeiten geht.

So viel Kontakt wie im vergangenen Jahr hatten Anna und Bernhard Korth nie mit ihrer Tochter Sabine. „Wann immer sie Strom und Internet hat“, berichten sie, „haben wir mit Sabine über WhatsApp Kontakt.“ Die sitzt auf den Philippinen fest, an den alljährlichen Weihnachtsbesuch war natürlich nicht zu denken, denn die Haupt- und Flughafenstadt Manila ist als der größte Corona-Hotspot der Inselgruppe abgesperrt, und es wäre alles auch viel zu umständlich gewesen. Aber es ist ja nicht so, dass Sabine Korth dort nichts zu tun hätte. Sie leitet seit Jahren die Klinik im Dorf Bugko auf der Insel Nord-Samar. Auch in Pandemie-Zeiten müssen dort Einheimische medizinisch versorgt werden.

Bugko liegt zwar mitten im Nirgendwo, aber wenn es das Virus bis zum Südpol geschafft hat, muss man sich nicht wundern, dass es auch dorthin gelangt ist. Allerdings erst im Oktober, wie sie im letzten ihrer regelmäßigen Briefe an die Mitglieder des Vereins Mabuhay - Hilfe zum Leben schreibt. Den Verein haben ihre Eltern gegründet, um Sabine Korths Arbeit zu unterstützen. Normalerweise hätte sie auf der jährlichen Mitgliederversammlung in der Vorweihnachtszeit über Ereignisse des Jahres berichtet. Das fiel aus. „Aber Sabine steht in den Startlöchern“, sagen ihre Eltern. „Sobald es Corona zulässt, will sie kommen.“

Und wie geht es ihnen dabei? Weihnachten und Silvester seien traurig gewesen ohne Sabine. Natürlich sind sie besorgt, aber solange sich ihre Tochter nicht über ihr Satelliten-Nottelefon melde, sei wohl trotz Corona und den ewigen Wetterkatastrophen wie Starkregen, Taifune und Erdbeben kein Grund zur Panik. „Ich glaube, sie leidet mehr als wir“, sagt Anna Korth. Denn das Dorf ist abgesperrt, keiner kommt ohne  trifftigen Grund an den Militärkontrollen vorbei, das schreckt viele Patienten aus dem Umland ab. Außerdem das schlechte Wetter, erklären die Korths. „Da werden die Tage natürlich lang.“

Eltern gründen Verein zur Unterstützung ihrer Tochter

Bedauerlich sei, dass man jetzt zwar eine funktionierende OP-Einheit für Augenoperationen hat, sie aber ungenutzt bleibt, weil die Fachleute aus dem Ausland nicht kommen können. Das Röntgengerät der Klinik sei kaputt, zwar habe der Hersteller zugesichert, ein neues zu spenden, aber auch das lässt Corona-bedingt auf sich warten. Und die Regierung der Philippinen mache der Klinik das Leben schwer, weil sie für das Analyse-Labor jetzt zwei Laboranten fordert, bislang aber nur einer da ist. Aber, erzählen die Korths, „die Mitarbeiter sind gesund, es ist nichts passiert“.

Sabine Korth hat mit ihrem Team aus Franziskaner-Schwestern und einheimischen Freiwilligen bei der letzten Sturmkatastrophe Hilfe für Nachbarregionen geliefert, sie koordiniert nach jeder Überschwemmung in Bugko den Wiederaufbau des eigenen landwirtschaftlichen Anbaus, führt nach Möglichkeit verschiedene Programme zu Ernährung, Zahnprophylaxe und Hygiene weiter. Auch wenn weniger Patienten kommen, wird wenig Zeit zum Däumchendrehen sein. Die Nase voll habe seine Tochter noch lange nicht, sagt der Orthopäde im Ruhestand, Bernhard Korth. „Sie kommt gerne nach Bonn, aber ihre Arbeit dort ist ihre Berufung und ihr Lebensinhalt.“