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Corona-Pandemie: Bonnerin sitzt auf Kreuzfahrtschiff MS Albatros fest

Corona-Pandemie : 81-jährige Bonnerin sitzt auf Kreuzfahrtschiff fest

Wegen der Corona-Pandemie sitzt eine 81-jährige Bonnerin derzeit auf dem Kreuzfahrtschiff MS Albatros vor Somalia fest. Den Passagieren auf dem Schiff des Bonner Unternehmens Phoenix Reisen gehe es aber den Umständen entsprechend gut.

Aus einer herausfordernden Situation immer das möglichst Positive zu ziehen, ist eine Kunst. Und wie bei jeder Kunst gibt es Menschen, die sie beherrschen. Christiane Neiken ist eine von ihnen. Die Bonnerin vom Brüser Berg wartet zurzeit auf die Rückkehr ihrer 81-jährigen Mutter Christa und ihrer Schwester Dagmar von einer mehrwöchigen Reise auf der MS Albatros, ein Kreuzfahrtschiff des Unternehmens Phoenix Reisen GmbH Bonn.

Die Rückreise verschiebt sich um einige Zeit, denn wegen der aktuellen Corona-Pandemie wird die Reise mit der MS Albatros nicht rechtzeitig beendet. Zurzeit sind die rund 820 Passagiere auf hoher See unter Quarantäne und liegen vor Somalia fest – „Piratengebiet“, wie Christiane Neiken weiß. Dennoch ist ihr Optimismus, bei aller Sorge, ungebremst: „Vielleicht rettet die Quarantäne meiner Mutter das Leben“, sagt sie. Niemand an Bord sei bislang infiziert. Als Neikens Schwester sie über die verspätete Rückkehr informierte, habe die Bonnerin ihren Familienmitgliedern vor allem eines geraten: „Genießt die Zeit.“ Gerade vor dem Hintergrund der rasanten Ausbreitung des Coronavirus sei es „vielleicht sogar ganz gut, ein paar Tage mehr auf dem Schiff zu verbringen“. Natürlich freut sich Neiken auch auf die Rückkehr ihrer Liebsten: „Ich wünsche mir, dass sie bald wiederkommen.“

Reisende und Mitarbeiter trotzdem gut gestimmt

Das wird aber noch dauern, da zurzeit keine Rückflüge möglich sind. Benjamin Krumpen, Geschäftsführer von Phoenix Reisen, lässt wissen: „Aktuell haben wir die Bestätigung, dass die Albatros am 2. April in Frankreich anlegen kann.“ Der Veranstalter wird den Reisenden anbieten, ihre Reise bis Bremerhaven zu verlängern. Dorthin sollte das Schiff ohnehin fahren.

Die Stimmung auf der MS Albatros sei Krumpe zufolge gut: „Die Crew und die Reiseleiter sind sehr positiv gestimmt.“ Die Situation schweiße Reisende und Mitarbeiter sogar zusammen. „Man macht Sachen, die man sonst nicht macht“, erzählt der Geschäftsführer. So würden Videos für die Reisenden gedreht, die Crew könne ihnen auch mal die Küche zeigen. „Manche fragen sogar, ob sie beim Kartoffelnschälen mithelfen können“, sagt Krumpen und schmunzelt. Lebensmittelknappheit gebe es übrigens nicht, in Singapur seien für die Albatros genügend Vorräte eingelagert worden.

Derzeit wartet die 81-jährige Mutter von Christiane Neiken auf die Weiterfahrt – und damit auf die Rückkehr nach Bonn. Foto: privat

„Ich sehe meine Familie in Sicherheit und vertraue der Reisegesellschaft“, sagt Christiane Neiken und lobt den Umgang von Phoenix Reisen mit der herausfordernden Situation. „Vielleicht machen sich die Menschen auf dem Schiff sogar eher Sorgen um uns?“, fragt sich die Bonnerin, die im Landwirtschaftsministerium arbeitet. Krumpen sieht das ähnlich: „Die kriegen gar nicht richtig mit, was hier passiert und sind aus allen Wolken gefallen.“

Wenn die Familie zurückkehrt, wartet auf Neikens Schwester gleich die nächste große Herausforderung: Die Krankenschwester arbeitet an der Berliner Charité und werde gerade dringend gebraucht. „Natürlich bin ich sehr stolz auf sie, aber ich habe auch Sorge“, sagt Neiken. Sie mache sich „Gedanken, was meine Schwester an der Front erwartet“. Eigentlich hätte sie schon am 27. März wieder arbeiten sollen – aber wie so viele Pläne durchkreuzt Corona auch diesen.