Ausstellung im Rathaus Hardtberg Das erleben Kita-Kinder als junge Künstler

Hardtberg. · Kita-Kinder versuchen sich als junge Künstler und erleben ihre erste eigene Ausstellung im Rathaus in Hardtberg.

Gaby Müller erklärt den Eltern bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus, wie die Kinder mit der Murmeltechnik schöne bunte <br/>Bilder angefertigt haben.

Gaby Müller erklärt den Eltern bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus, wie die Kinder mit der Murmeltechnik schöne bunte <br/>Bilder angefertigt haben.

Foto: Stefan Knopp

Vincent van Gogh, das war doch dieser Künstler, dessen Bilder zu Lebzeiten niemand kaufen wollte. Der sich im Streit mit einem Freund aus lauter Wut ein Ohrläppchen abschnitt und sich nachher mit bandagiertem Kopf vorm Spiegel selbst portraitierte. Die Kinder der Kita Im grünen Winkel mögen ihn trotzdem. „Weil er schöne Blumen gemalt hat“, erklärt Ziam (6). Zum Beispiel das Bild von den Sonnenblumen, das ein Geschenk für besagten Freund war. Von allen Künstlern, deren Werke Ziam nachgemalt hat, ist ihm van Gogh deshalb der Liebste.

Die Kita-Kinder haben in den vergangenen Wochen viele bekannte Künstler kennengelernt und sich kreativ sehr ins Zeug gelegt. Unter Anleitung der stellvertretenden Leiterin Gaby Müller, die auch Kunstpädagogin ist, haben sie ihre eigenen Versionen von bekannten Werken angefertigt, dabei verschiedene Mal- und Basteltechniken kennengelernt und genügend Material für eine ganze Ausstellung zusammenbekommen. Die kann man sich noch bis zum 19. Juni im Rathaus Hardtberg, Villemombler Straße 1, während der Öffnungszeiten anschauen.

Gemälde mit Naturdarstellungen

Im Erdgeschoss hängen in den Gängen Nachbildungen etwa von Heinrich Nauens „Herbstwald“. Die Kinder haben auf Papier unten orangenen Herbstboden und oben blauen Himmel gemalt und darauf Bäume aus dünner brauner Pappe aufgeklebt. Und sie haben etwas über den Krefelder Künstler gelernt: Den Herbst mochte er am liebsten. Gleich daneben hängen Schneemotive nach einem Bild von Hendrick Avercamp. Müller fragte bei der Vernissage ab, was die Kinder über ihn wissen: Er war taubstumm und drückte mit seinen Bildern schon als Kind aus, was er wollte. Und der Nachwuchs hat Bilder nach der Komplementärfarbenlehre angefertigt, nach der Franz Marc so gerne gemalt hat.

In Vitrinen vor dem Ratssaal findet man bunte Leporellos und daneben Figuren, die die Kinder nach Vorlage von Alberto Giacomelli gebastelt haben. Die Kinder haben sich gemerkt: „Er saß im Café und hat die Leute beobachtet. Dabei hat er gesehen, dass die sich gar nicht angeschaut haben“, erklärte ein Mädchen. Seine Menschen sind lang und dünn und stilisiert, das ließ sich gut aus Alufolie und anderen Materialien herstellen. Nebenan kann man sich die Gebilde ansehen, die die Kinder aus Maschendraht, Strohhalmen und vielen anderen Dingen angefertigt haben. Die Vorlage: die „Traum-Migof-Säule“ von Bernhard Schultze, der auch gerne mit allen möglichen Materialien geschaffen hat.

Erwachsene können in der Ausstellung viel lernen

In einem separaten Raum kann man sich Action Painting à la Jackson Pollock anschauen, für die die Kinder die Farbe mit Schwung auf die Leinwand klecksen durften. Und dort findet man auch die Sonnenblumen der Kinder nach van Goghs Malerei. Weiterhin haben die Kleinen mit in Farbe getauchten Murmeln, die sie in Schuhkartons auf Papier hin und her rollen ließen, bunte abstrakte Werke erschaffen und vieles mehr.

Auch Erwachsene können in der Ausstellung noch viel lernen. Die, erklärte Müller, soll den Kindern Selbstwertgefühl geben: Ihre Werke sind sehenswert. Und die Werkschau zeigt: Jeder kann Künstler werden. „Ein Künstler kann malen und mit Farben klecksen“, erklärte Ziam. Das ist vielleicht ein wenig vereinfacht, aber dafür muss man keine guten Schulnoten haben.