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Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen

Tag des Deutschen Butterbrotes : Das haben die Bonner in ihren Brotdosen

Wie sonst auch lassen sich heute wieder Tausende Bonner und Bonnerinnen in der Pause ihre selbst geschmierten Brote schmecken - es ist der Tag des Butterbrotes. Was haben Schulkinder, Polizistin, Bankangestellte, Apothekerin und Müllfahrer in ihrer Brotdose?

Das selbstgeschmierte Butterbrot, die Stulle, die Kniffte hatte eigentlich über Jahrzehnte an Wertschätzung verloren, wurde sogar zu einem Sinnbild des Biederen, wenn nicht gar Spießigen. Der Arbeitskollege, der unverdrossen jeden Tag einen Stapel Brote ins Büro mitbrachte, bekam dazu noch Witzeleien serviert. Im Nachhinein müsste man sich bei ihm entschuldigen. Denn das Butterbrot ist wieder da – nur viel schöner. Zwar häufig ohne Butter, dafür aber einfallsreich belegt und dekoriert. Initiiert wurde der Tag des Deutschen Butterbrotes 1999 von der Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA). Der Tag war eine Kampagne für deutsche Agrarprodukt wie Brot und Butter. Die in Bonn ansässige CMA wurde 2009 aufgelöst, aber der Tag ist im Kalender geblieben. Der GA hat Bonnern in die Brotdose geschaut.

Marcus Wichterich

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Benjamin Westhoff

Am liebsten isst Marcus Wichterich sein Brot an der Haeschmaar auf dem Brüser Berg. „Die Straße ist direkt am Wald, das ist ein schöner Ort“, sagt der 53-Jährige, der für Bonnorange alles fährt, was Räder hat. Zusammen mit den Kollegen ist er im ganzen Stadtbezirk Hardtberg unterwegs, Pause machen sie da, wo es gerade passt. An diesem Tag gibt es für Wichterich Käse und gekochten Schinken. Als Sohn eines Metzgers freut er sich besonders, wenn er Wurst auf dem Brot hat. Die Brote schmiert ihm seine Frau. „Sie packt mir oft einen Zettel dazu, auf dem steht: Ich liebe dich“, sagt Wichterich.

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Benjamin Westhoff

Andrea Habeth-Weller

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Benjamin Westhoff

An manchen Tagen bringt sich Andrea Habeth-Weller ein kleines Dessert mit zur Arbeit in die Duisdorfer Sparkassenfiliale. Diesmal ist es ein Stück Zitronenkuchen. „Ich mag sie einfach gerne“, sagt die 53-Jährige auf die Frage, warum sie Brote schmiert. Am liebsten isst sie Fleischwurst auf ihrem Körnerbrot. Was für ihren Geschmack gar nicht geht: Erdnussbutter. Und Gouda, der sei nur zum Überbacken okay. Das erste Brot lässt sie sich meistens um 9 Uhr schmecken, das zweite gegen 13 Uhr, das muss dann reichen bis zum Feierabend. Für den Notfall gibt es da aber noch diese Tüte mit Haribo in der Schreibtischschublade.

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Benjamin Westhoff

Britta Göb

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

An einen Kriminalfall, bei dem es um Butterbrote ging, erinnert sich Polizistin Britta Göb nicht. Dafür aber an den Torten-Disput, zu dem sie in eine Bäckerei gerufen wurde. Sie musste zwischen dem Bäcker und einer Kundin schlichten, die eine bestellte Torte nicht rechtzeitig abgeholt hatte. Ob sie während des Dienstes Zeit hat, ihre mitgebrachten Brote zu essen, weiß die Beamtin der Wache Duisdorf nie. Aber eins ist sicher: Ihr Lieblingsbelag ist Fleischwurst. „Salami, Schinken, Käse, Nutella oder Marmelade gehen aber auch“, sagt die 38-Jährige. Manchmal gibt es statt Broten auch einen Salat.

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

Leandro

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

Stolz präsentiert Leandro den Inhalt seiner Brotdose. Toastbrot mit Salami, Apfelschnitze und sogar eine Portion saure Gurken. Weil er es mag. Ohnehin gibt es wenig, was ihm kategorisch nicht in die Dose kommt. Aber es gibt natürlich die Lieblingshappen. Die Eltern, die bei den meisten Kindern die Dosen bestücken, werden das vermutlich berücksichtigen. Schokoaufstrich kommt nicht aufs Brot. „Nutella gibt es nicht oft. Ist das nicht ungesund?“, diskutieren die Schüler. Die Klasse 4b hatte das Thema gerade im Unterricht. „Zu viel Zucker und Palmöl.“ Das Problem fasst ein Mitschüler zusammen: „Für Palmöl wird der Regenwald ausgerottet.“

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

Luisa Lurch

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Foto: Meike Böschemeyer

Beim Brot setzt Luisa Lurch auf Abwechslung. „Meistens ist es allerdings ein Käsebrot“, sagt die 23-Jährige, die in der Engel-Apotheke in Duisdorf arbeitet. „Ich esse aber auch Leberwurst.“ Das Käsebrot garniert sie gerne mit Salat, Tomate und Gurke. Sie schmiert sich Brote, weil sie die selbstgemachten oft leckerer findet als die vom Bäcker. „Da weiß man auch, was drauf ist, und dass es frisch ist“, sagt sie. „Außerdem spart man was.“ Bei der Brotdose setzt sie auf ein schlichtes Modell. Das war in ihrer Schulzeit anders, da hatte sie eine Dose mit Robben drauf – passend zum Tornister.

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

Miriam

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

Das Auge isst mit, das hat Miriam längst begriffen. Jeden Tag füllt sie ihre Pausendose selbst. Und sie macht das sorgfältig. Ein Arrangement mit Salatblatt und Nektarinenstückchen. Auch eine Serviette legt sie dazu. Vielleicht wird sie später mal Foodstylistin. „Kochen kann ich auch“, sagt die Zehnjährige. Schnell stellt sich heraus, dass ihre Vorliebe für Kartoffelpüree und Fischstäbchen von den anderen geteilt wird. Klassenlehrerin Stephanie Tödt ist „eher der Müslityp“ und hat daher auch keine Brotdose, die sie vorzeigen kann. Wenn Brot, dann bewusst als Mahlzeit, sagt sie.

Tag des Deutschen Butterbrotes: Das haben die Bonner in ihren Brotdosen
Foto: Meike Böschemeyer

Backwaren im Wert von 4,5 Milliarden Euro

Industriebetriebe in Nordrhein-Westfalen haben im vergangen Jahr Brot, Brötchen, Kuchen und Kekse im Wert von 4,5 Milliarden Euro hergestellt. Diese Zahlen veröffentlichte das Statistische Landesamt anlässlich des Tages des Deutschen Butterbrotes. Die Statistik bezieht sich aber nur auf Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten. Kleinere Unternehmen blieben unberücksichtigt, sodass der Wert noch deutlich höher liegt. Der Absatzwert des Jahres 2021 war damit um 2,3 Prozent höher als noch 2020.

Die Betriebe in NRW produzierten im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Tonnen Brot und Brötchen mit einem Wert von 2,6 Milliarden Euro – ein kleines Plus im Vergleich zu 2020. Die Produktion von Keksen, Lebkuchen und Waffeln hingegen ging um 13 Prozent zurück und lag bei 102 000 Tonnen.

Besonders viel gebacken wird in NRW in den Regionen um Münster und Düsseldorf. In den beiden Regierungsbezirken wurde jeweils rund ein Viertel der 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Betriebe im Bundesland schneiden auch im Deutschland-Vergleich sehr gut ab. Ihr Ergebnis machte rund 25 Prozent des deutschen Gesamtwertes der produzierten Backwaren aus, der bei knapp 19 Milliarden lag.