1. Bonn
  2. Hardtberg

Bonnerin Eva Maria Esch macht Improtheater: Das Kind in der Frau will spielen

Bonnerin Eva Maria Esch macht Improtheater : Das Kind in der Frau will spielen

Die Theaterpädagogin Eva-Maria Esch vom Brüser Berg hat ihren Spieltrieb nie aufgegeben. Sie lebt ihn aus mit ihrem Ensemble „les bon(n)mots“.

„Das ist schon eine gute Sache, mal andere Synapsen im Kopf zu trainieren, als immer nur das was man weiß, im Kreuzworträtsel einzutragen“, sagt Eva-Maria Esch (62). Sie schaut ihre Therapie-Handpuppe Lissi mit großen Augen an. Direkt daneben überragen zwei große Giraffen die Szenerie. Es ist sehr aufgeräumt bei Esch, die von sich sagt, eher das Chaos zu lieben. Seit vier Jahren wohnt sie auf dem Brüser Berg und dürfte im Sommer schon einigen ihrer neuen Nachbarn durch eine spontane, wie sie es nennt, „Garagen-Impro“ aufgefallen sein.

Mit einigen Mitgliedern ihres Vereins „les bon(n)mots“ hat sie das nun bereits 20 Jahre bestehende Improvisationstheater auf den Brüser Berg gebracht. Mangels geöffneter Spielstätten oder Veranstaltungen, auf denen die zehnköpfige Truppe spielfreudiger Menschen aus den verschiedensten Berufen auftreten konnten, fand man sich auf einem Garagenhof wieder und improvisierte nicht nur das Vorspielen mit „netten Worten“, wie sich das französische „bon mots“ übersetzen lässt, sondern gleich auch den ungewöhnlichen Spielort.

Esch fühlt sich wohl auf dem Brüser Berg. Etwa 15 Jahre lang hatte sie zuvor in der Bonner Altstadt gewohnt, „wo man nie den richtigen Anschluss findet, wenn man dort nicht geboren ist oder zu den Kneipengängern gehört“. Über ihr Tennisspielen und eine Freundin aus dem Tennisclub Grün-Weiß Brüser Berg fand sie ihr jetziges Haus an der Celsiusstraße, wo sie mit Lissi und den beiden Giraffen eingezogen ist.

Die Giraffen erzählen von ihrer Liebe zu Namibia, und die große Handpuppe stammt aus ihrer Ausbildungszeit als Spieltherapeutin und Theaterpädagogin. Bevor sich Esch nach berufsbegleitenden Lehrgängen so nennen durfte, hatte sie in Bonn schon ein Sprachenstudium als Übersetzerin für Chinesisch und Japanisch abgeschlossen und einige Jahre Selbstständigkeit hinter sich.

„Betriebsanleitungen und Geschäftskorrespondenz zu übersetzen, waren mir irgendwann zu langweilig“, sagt sie heute. Vielleicht sei es auch das kindliche Gemüt in ihr gewesen, was in dem nüchternen Berufsfeld zu kurz kam. Überzeugt davon, dass man nie verlernen sollte, auch Blödsinn machen zu können, folgte sie ihrem Spieltrieb und lernte in Unna bei ihrer Ausbildung zur Theaterpädagogin das Improvisationstheater kennen, das sie nun mit ihrem Verein in wöchentlichen Treffen trainiert sowie in Workshops mit unterschiedlichen Ausrichtungen auch lehrt.

20 Jahre ist es her, dass sie mit der Gründung von „les bon(n)mots“ aus der Not eine Tugend gemacht hatte. „Ich kam aus Unna zurück und wollte spielen“, erinnert sich Esch. Aber in Bonn habe es nur die Springmaus gegeben, aber nichts, wo sie hätte mitspielen können. „Und da ich ja nicht feige bin“, meint Esch und lacht, habe sie einfach selbst Workshops angeboten. Bis heute tut sie das im Kessenicher Margarete-Grundmann-Haus. Zwischendurch spielt sie mit dem harten Kern der Vereinsmitglieder gerne für den guten Zweck bei caritativen Veranstaltungen, tritt in Gefängnissen oder für Hospize auf und ist mit ihrer Truppe auch bei der Bonner Theaternacht dabei.

„Es fasziniert mich, dass Improtheater nie langweilig wird“, sagt Esch. Aus einer Fülle von Ratespielen, die von der Theatertruppe improvisiert dargeboten werden, nennt sie beispielhaft das Stück „Selbsthilfegruppe“, das sich gut nachspielen lässt: Von den vier Spielern ist einer der Therapeut. Nur er und das Publikum wissen, welches Problem seine drei Patienten haben, die nun auf die Bühne kommen und sich den Fragen des Therapeuten stellen. Nicht wissend, dass ihnen die Zuschauer beispielsweise das Problem zugedacht haben, nicht selbst ihre Schuhe zubinden zu können, kommt es zu witzigen und aberwitzigen Dialogen.

Esch erzählt und verkörpert dabei das, was sie selbst an der Improvisation so sehr schätzt: „Man muss offen sein“, sagt sie. Man müsse sich beim Spielen in ein Team einbringen können. Dürfe keine Rampensau sein, nicht im Vordergrund stehen wollen. Improvisationstheater bedeute ein sensibles aufeinander Zugehen der Spielerinnen und Spieler. „Das Spiel verändert immer auch etwas im Leben“, sagt sie. Die drei Grundregeln beim Improtheater seien, dass man lerne, Ja zu sagen, positiv zu sein und es einfach zu halten. „Wobei das englische ´keep it simple´ besser klingt“, fügt sie hinzu und schmunzelt. Auch in ihrem „zweiten Leben“, das sie seit mehr als 20 Jahren als Büroleiterin einer Kölner Rechtsanwaltskanzlei führt, dürften ihr diese Eigenschaften vielfach zugutekommen.

Weitere Infos und Termine zu Auftritten oder Workshops unter les-bonnmots.de.