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Neustart mit Sommertheater: Das Theater im Keller geht vor die Tür

Neustart mit Sommertheater : Das Theater im Keller geht vor die Tür

Das Theater im Keller (TiK) geht vor die Türe – zwei volkstümliche Einakter von Anton Tschechow werden unter freiem Himmel aufgeführt

Der Neustart des Theater im Keller (TiK) lässt nun ein Spielen unter freiem Himmel wahr werden, was sich das rund 30-köpfige Ensemble schon mehrfach gewünscht hatte. Schließlich hatte man schon vor einigen Jahren beste Erfahrungen als Straßentheatergruppe bei der Duisdorfer Gewerbeschau gesammelt und „mit viel Spaß die Rochusstraße rauf und runter gespielt“, erinnert sich Theaterleiter Arnold Sitte. Noch Anfang des Jahres hatte er angedeutet, dass er sich in Corona-Zeiten ein Open-Air-Theater vor den Türen des TiK vorstellen könnte (der GA berichtete).

Nun wird nach acht Monaten coronabedingter Schließung das Freiluft-Spiel eine Lösung, um damit möglichst vielen Freundinnen und Freunden des etablierten Duisdorfer Amateurtheaters wieder einen vergnüglichen Abend bereiten zu können. Selbst eine Bewirtung wird in der Pause zwischen den zwei aufeinander folgenden volkstümlichen Einaktern von Anton Tschechow „Der Bär“ und „Der Heiratsantrag“ möglich sein. Sitte geht davon aus, dass mit diesem Angebot drei unterhaltsame samstägliche Sommerabende garantiert sein dürften. Erst Ende Juli und im August wird man dann wieder zu Aufführungen im Theatersaal des TiK spielen. „Nach den harten Corona-Lockdowns haben wir uns vorgenommen, unser Publikum mit einem volkstümlichen und etwas burlesken Auftakt wieder Appetit auf Theater zu machen“, so Sitte. Man spiele die beiden Stücke ganz linear und ohne zeitliche Anpassungen. „Ich denke, das Publikum ist intelligent genug, aktuelle Bezüge selber herzustellen“, lacht Sitte. „Das wird einfach richtig schönes Sommertheater.“ So eigne sich auch nicht jedes der von dem Ensemble einstudierten Stücke für eine Aufführung unter freiem Himmel, sagt der Theaterleiter, der seit 1996 die Geschicke des TiK lenkt und viele Stücke selber inszeniert. Um den Ausfall eines Ensemblemitglieds auszugleichen, wird der pensionierte Journalist auch als leicht cholerischer Vater in „Der Heiratsantrag“ zu sehen sein. „Da läuft so ziemlich alles schief, was schief laufen kann“, so Sitte. Ein Stück, in dem sich dezente Situationskomik mit einer satirischen Anspielung auf die verlogenen Sitten und die Spießigkeit des russischen Kleinadels vermischt, für den die Heirat wegen der aufwändigen Mitgiften vor allem eine Frage des Geldes anstatt der echten Liebe ist. Auch in dem Stück „Der Bär“, das Tschechow selbst als „Scherz“ bezeichnete, wird es um das Thema Geld und/oder Liebe gehen.

Mit der Möglichkeit, auf dem Hof vor dem Theater spielen zu können, bewährt sich die für Ortsunkundige etwas versteckte Lage des TiK im Keller des Berufskollegs an der Rochusstraße, da sich nicht nur der große, vom Verkehr abgeschirmte Schulhof bestens für eine Theateraufführung eignet, sondern auch der für das Kolleg zuständige Rhein-Sieg-Kreis dem Theater auf unkomplizierte Weise die Erlaubnis gab, ihn zu nutzen. So werden erst nach den drei Tschechow-Abenden die für den letzten Herbst erneut einstudierten und wegen des Lockdowns nicht mehr zur Aufführung gekommenen Stücke, „Love Letters“ von A. R. Gurney, „Kunst“ von Yasmina Reza und „Die Zoogeschichte“ von Edward Albee wieder in den Räumen des TiK zu sehen sein. „Das sind alles Stücke, die wir aufgrund von Bühnenbild und Requisiten sowie eines aufwändigen Bühnenlichts nicht so einfach nach draußen verlegen konnten, wie die beiden Tschechow-Einakter“, sagt Sitte. Jetzt zeichne es seine Theatertruppe aus, dass man sich nicht auf ein Genre festgelegt habe, sondern von Komödie über Krimi und Kabarett bis hin zu dramatischen Stücken wie „Die Zoogeschichte“, alles spielen könne. „Unabhängig davon“, sagt Sitte, „dass wir keine Profis sind, macht das auch die Besonderheit unseres Ensembles aus.“ Da in den nahezu eineinhalb spielfreien Corona-Jahren manch’ einer das Ensemble verlassen habe, freue man sich auch über Neuzugänge, die das Theaterspielen für sich entdecken wollen. „Besonders schön wäre es, wenn wir auch jüngere Menschen für unser Theater gewinnen könnten“, so Sitte.