Geschichte und Struktur des Brüser Bergs Der Balkon von Bonn

BRÜSER BERG · Klaus Kosack ist ein Zahlenmensch: Der Diplom-Geograf leitete über 30 Jahre lang die Statistikstelle der Stadt Bonn und Tabellen und Diagramme sind seine Welt: Dass er deren Inhalte dazu noch spannend erläutern und interpretieren kann, hat sich offenbar herumgesprochen - sein Vortrag zur Entwicklung des Brüser Bergs im Nachbarschaftszentrum hatte am Dienstagnachmittag jedenfalls so viele Interessenten angelockt, dass nicht alle in den Vortragssaal passten und manche unverrichteter Dinge wieder gehen mussten.

Auf dem Reißbrett geplant: Bonns jüngster Ortsteil, der Brüser Berg, sollte als "Satellitenstadt" 30 000 Einwohner aufnehmen. FOTO: LANNERT

Auf dem Reißbrett geplant: Bonns jüngster Ortsteil, der Brüser Berg, sollte als "Satellitenstadt" 30 000 Einwohner aufnehmen. FOTO: LANNERT

Foto: Volker Lannert

"Viele Bürger und Bürgerinnen wohnen zum Teil schon jahrelang auf dem Brüser Berg, wissen aber über diesen Stadtteil recht wenig", begrüßte Kosack die Besucher. "Mein Vortrag soll dazu beitragen, dass Sie etwas mehr über die Entwicklung, die Struktur und die Besonderheiten Ihrer Wahlheimat erfahren." Von "A" wie Altersstruktur bis "Z" wie Zuwanderung reichte das Themenspektrum seines Vortrags, und insbesondere der demografische Wandel schien viele seiner meist älteren Zuhörer besonders zu interessieren.

Der Ortsteil Brüser Berg entstand ab dem Jahr 1974 im Stadtbezirk Hardtberg. Wegen der Nähe zum Verteidigungsministerium auf der Hardthöhe war der Anteil von Bundesbediensteten an der Bevölkerung zumindest in den ersten Jahren hoch - heute leben dort neben vielen inzwischen pensionierten Beamten auch viele Migranten - um die 8000 Bewohner hat der Ortsteil aktuell. "Zunächst wuchs der Brüser Berg erwartungsgemäß stärker als die Gesamtstadt", erläuterte Kosack ein Tortendiagramm mit den Zahlen der Bevölkerungsentwicklung seit 1974.

"In den vergangenen 20 Jahren - also seit dem Umzug der Regierung nach Berlin - nahm diese Tendenz aber leicht ab." Mit mehreren Folien zur Altersentwicklung, jeweils für den Brüser Berg und das gesamte Stadtgebiet, illustrierte Kosack den mittlerweile eingetretenen demografischen Wandel: "Wir beobachten Änderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung einerseits nach Alter - der Seniorenanteil nimmt zu, der der Jüngeren wird abnehmen - und andererseits nach Herkunft: Der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund nimmt zu."

Die Bautätigkeit in dem auf dem Reißbrett geplanten Ortsteil hat ihren Höhepunkt offenbar überschritten, unterlag aber in den 40 Jahren seit Gründung des Ortsteils immer deutlichen Schwankungen. Im Zentrum des Stadtteils überwiegt der Geschosswohnungsbau, während der Rand von Einfamilien- und Reihenhäusern geprägt ist. Die meisten Bauten wurden in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren errichtet, als im Anschluss an einen Architektenwettbewerb das neue Stadtteilzentrum mit evangelischem und katholischem Gemeindezentrum, den zwei zugehörigen Kirchen, Kindergarten, Jugendzentrum und einer Bücherei entstand.

Nach einer Stunde mit unzähligen Informationen - vom Angebot an Jugendeinrichtungen über die häufigsten Sprachen der Zuwanderer bis zu den Wahlergebnissen - hatten die Besucher noch Gelegenheit, Fragen an den Referenten zu richten. Der Brüser Berg an sich sei übrigens kein sozialer Brennpunkt, erläuterte Kosack auf entsprechende Fragen aus dem Publikum. Probleme gebe es allerdings in dem Gebiet rings um das Stadtteilzentrum.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort