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Schützenfest im Derletal: Deshalb will kaum ein Schütze den Vogel abschießen

Schützenfest im Derletal : Deshalb will kaum ein Schütze den Vogel abschießen

Die Hubertusschützen tragen am Wochenende im Derletal ihr Schützenfest aus. Dass jemand dabei den Vogel abschießt, ist aber nicht sicher. Brudermeister Dieter Augustintschitsch weiß, was dahinter steckt.

Schon bei der Jubiläumsfeier des 1. FC Hardtberg war zu merken, dass sich die Menschen endlich wieder mit anderen treffen und austauschen wollen. Darauf freuen sich auch die Hubertusschützen, die nach drei Jahren Corona-Pause wieder ein Schützenfest an ihrem Vereinshaus im Derletal ausrichten. Gespannt ist man dabei natürlich vor allem darauf, ob sich wieder jemand findet, der bereit ist den Königsvogel herunterzuschießen.

Bei der Schützenliesel und den Jugendlichen macht sich der zweite Brudermeister Dieter Augustintschitsch keine Sorgen: „Da sind immer ein paar, die schießen.“ Aber das wichtige Königsamt ist nicht mehr so begehrt wie früher, sagt er, der es immerhin schon dreimal innehatte und sich deshalb Kaiser nennen darf – so wie vier andere seit 2000. Man kann gespannt sein.

Dass heute nur noch wenige den Vogel abschießen wollen, hat auch damit zu tun, dass die Vereinsmitglieder immer älter werden und keine Lust mehr auf den Aufwand haben, den das Amt mit sich bringt. Beliebt ist immer noch der Titel, wenn im selben Jahr auch das Weinfest im Ort stattfindet, weil der König dann beim Weinfest-Umzug dabei ist.

Am Samstag werden die Majestäten empfangen

Am Samstag geht es um 13.30 Uhr los: Dann tritt die Bruderschaft an, um ihre Majestäten zu empfangen. Danach startet das Schießen um die Schüler-/Jugendprinzwürde, im Anschluss wird die Schützenliesel ausgeschossen. Der Wettbewerb wird um 17 Uhr von der Königsvesper unterbrochen, dann geht es um den Königstitel, und das kann dauern.

Nachdem man hoffentlich auf einen neuen König angestoßen hat, geht es am Sonntag weiter: Die Bruderschaft tritt um 11 Uhr an, gefolgt vom Ehrenkönigsschießen auf den Hochstand. Nachmittags werden die Gastbruderschaften aus Lengsdorf, Brenig und Nettekoven begrüßt.

Die Vertreter der Duisdorfer Ortsvereine schießen am 10-Meter-Stand im Keller, die Gastkönige auf den Hochstand. Gegen 17 Uhr werden die bisherigen Majestäten der 1911 gegründeten Hubertusschützen verabschiedet und neue gekrönt, den Abschluss macht das Bürgerkönigsschießen.

Irgendwann im Lauf des Schützenfestes knallen auch die Bonner Böllerschützen. Die Polizei wisse Bescheid, sagt Vereinsschriftführer Bodo Siegert. Und es wäre eine Überlegung, auch im angrenzenden Freibad deswegen Bescheid zu geben.

Neuer Schießstand ist fast fertig

Das Fest bietet auch Gelegenheit, sich den noch nicht fertiggestellten 25-Meter-Schießsstand anzuschauen. Bekanntlich lief dieser am 14. Juli letzten Jahres voller Wasser, die Schäden waren enorm. Durch Spendenbereitschaft und Zuschüsse bekam der Verein die benötigten 60.000 Euro wieder herein und stellte zuerst den 10-Meter-Stand wieder her. Den Rest hofft man bis zum Start der nächsten Schießsportsaison wieder herrichten zu können. Das Problem: Wegen der Preissteigerung haben sich die Kosten laut Augustintschitsch um nahezu 10.000 Euro erhöht. Aber auch dieses Geld wird man zusammenbekommen.

Dann kann endlich wieder der Schießsport praktiziert werden, der so lange pausieren musste. „2019 haben wir uns für die Landesmeisterschaft qualifiziert“, erzählt Augustintschitsch. Aber aus der Fahrt nach Dortmund wurde nichts, der Wettbewerb wurde wegen Corona gestrichen. Das ist das, womit man die Jugend für einen solchen Verein noch begeistern kann: Schießen als Wettkampf unter natürlich kontrollierten Bedingungen. Immerhin fünf Jugendliche hat man in den eigenen Reihen. Mit einem Schützenfest könne man die nicht mehr locken, so der zweite Brudermeister. Immerhin seien das alles keine Kinder von Schützenbrüdern, so Siegert, sondern „Fremd-DNA“.