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Serie: Verschwundene Wahrzeichen: Die Geschichte der Dransdorfer Burg geht Jahrhunderte zurück

Serie: Verschwundene Wahrzeichen : Die Geschichte der Dransdorfer Burg geht Jahrhunderte zurück

Seit Jahrhunderten steht eine kleine Burg in Dransdorf. Begründet wurde sie im Jahr 1139 in einem der ältesten Bonner Stadtteile.

„Dieses in Obstbäumen eingeruhte Dransdorf mit seinen winkeligen Dorfstraßen, dieses vor den Toren Bonns träumende Dorf­idyll mit seinen vorgelagerten Wiesen ist der stimmungsvolle Rahmen zur Burg“, hieß es vor bald hundert Jahren (1921) in der Deutschen Reichszeitung, die von 1871 bis 1934 in Bonn erschien. Heute müssten historisch interessierte Ortsunkundige schon etwas länger nach dem zweistöckigen, eher schmucklosen Bau suchen, dessen „stimmungsvoller Rahmen“ heute weniger durch Obstbäume und Wiesen, sondern vielmehr durch Feuerwehrhaus, Kettelerschule und eine viel befahrene Siemensstraße geprägt ist. Jahre später wurde die Burg zur 850-Jahr-Feier Dransdorfs (1989) mit einer Ortschronik gefeiert, in deren Grußworten unter anderem die damalige Stadtverordnete Margret Merk von der Dransdorfer Burg als einem „kulturellen Zeugnis der Vergangenheit“ und einem festen „Bestandteil des geselligen Lebens in der Gegenwart“ schreibt. Die Dransdorfer Burg möge mit ihren starken Mauern ein Symbol für den eigenständigen Stadtteil Dransdorf bleiben, wünschte Merk für die Zukunft.

Die Familie stellte damals einige Ratsherren und Bürgermeister von Köln

Die erste Erwähnung von Dransdorf geht auf die Urkunde des Kölner Erzbischofs Arnold I. zurück, in der er 1139 eine Güterschenkung durch geistliche und weltliche Herren bestätigen ließ, unter denen sich auch ein Cuno de Travinstorp befand. Es darf angenommen werden, dass der Name des Bonner Stadtteils auf den kurkölnischen Dienstmann Travinstorp zurückzuführen ist. Aus gleichem Geschlecht ließ Wincricus von Travinstorp bereits ein Jahr zuvor die erste Burg im heutigen Dransdorf bauen, zu der damals zahlreiche Ländereien und Weingärten gehörten.

„Wincricus hatte sich nach einem guten Bauplatz für sein Wohnhaus umgesehen“, heißt es in der Broschüre „Dransdorf gestern und heute“, in der der Ortsfestausschuss von Dransdorf in kindgerechter Sprache die Geschichte Dransdorfs für die Kinder der Kettelerschule erklärt.

Travinstorp habe sich den Ort für den Bau der Burg an der Stelle ausgesucht, wo der Dransdorfer Bach seinen Wassergraben füllen und im späteren Verlauf ein Mühlrad antreiben konnte. „Von den mehreren Dutzend Ortschaften, die heute die Stadt Bonn bilden“, schreibt Manfred van Rey in einem Aufsatz zum Fest von 850 Jahren Dransdorfer Burg, „gehörten bis zum Beginn unseres Jahrhunderts allein Dransdorf und Graurheindorf immer schon zum Territorium der Stadt Bonn.“

Immer Mittelpunkt des Dorfes

Auch wenn es heute nur noch schwer auszumachen ist, war die Dransdorfer Burg immer der Mittelpunkt des Dorfes. Doch von der ersten Burg der de Travinstorps ist heute nichts mehr zu sehen. Nur noch einige schwere Basaltsteine im Fundament des Kellers dürften aus der Gründungszeit stammen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzer der Burg mehrfach. Urkundlich erwähnt sind 1482 der Bonner Schöffe Albrecht von Zweiffel und 1664 die Kölner Familie von Lyskirchen. Im späten 17. Jahrhundert übernahm dann die Familie Junkersdorf die Burg. Durch die Heirat mit Agatha von Junkersdorf ging die Burg 1716 in den Besitz von Franz von Groote über.

Nachdem die Burg durch einen Blitzeinschlag vollkommen niederbrannte, ließ von Groote sie Anfang des 18. Jahrhunderts so aufbauen, wie sie heute noch zu sehen ist: Mit Backsteinen und Walmdach. Über dem Eingang findet sich auch noch ein inzwischen verwittertes Familienwappen der von Grootes und Junkersdorfs. Als Carl von Groote 1860 ohne Nachkommen starb, wurde der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds neuer Besitzer der Dransdorfer Burg, die 1954 mit einem Gelände von 400 Morgen in den Besitz der Stadt Bonn überging.

Nach langer Zeit des Leerstands war 1970 in der Bonner Rundschau zu lesen, dass es noch weitere fünf Jahre dauern würde, bis die Burg wieder bezogen werden könnte. In „mindestens sechs Bauabschnitten“ sollte das inzwischen unter Denkmalschutz gestellte Gebäude renoviert werden. Die Beschwerden über einen zunehmenden Vandalismus müssen sich damals gehäuft haben. Fenster seien eingeworfen, und Türen aufgebrochen worden.

„Ist die Burg in fünf Jahren vielleicht bezugsfertig, soll ein Konservatorium oder die Musikschule der Stadt Bonn dort Unterkunft finden“, war damals in der Zeitung zu lesen. Doch nach einem – aus heutiger Sicht - überraschend vorzeitigen Abschluss der Renovierungsarbeiten konnte am 27. September 1973 die Zweigstelle der städtischen Musikschule in der Dransdorfer Burg eröffnet werden.