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Bahnübergang am Weck-Werk: Die Schranken bleiben zu lange unten

Bahnübergang am Weck-Werk : Die Schranken bleiben zu lange unten

"Das Warten dauert den meisten zu lange: Drei Minuten, wenn nur ein Zug durchfährt. Tagsüber, wenn auch eine Bahn in der Gegenrichtung unterwegs ist, bis zu sechs Minuten", erläutert Alice Kronauer, Prokuristin der Weck-Glaswerke.

Seit einiger Zeit ist der Bahnübergang vor dem Unternehmen, durch dessen Firmengelände die Grenze zwischen Bonn-Duisdorf und Alfter verläuft, auch für den Straßenverkehr wieder geöffnet.

Um eine erste Bilanz zu ziehen und Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren, hatten die CDU-Verkehrspolitiker Bert Moll aus Bonn und Oliver Krauß aus Alfter am Samstagmorgen zu einem Bürgergespräch vor Ort eingeladen. Rund ein Dutzend Gäste kamen.

Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass der Bahnübergang eine wichtige Rolle für die Ableitung des Schwerlastverkehrs und bei der Entlastung der Wohngebiete in Duisdorf und Oedekoven spielt. Darüber hinaus sei er bedeutsam für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Personennahverkehr.

[kein Linktext vorhanden]Optimierungsbedarf bestehe unter anderem bei den Schrankenschließzeiten, die in der komplexen Schaltung der Signalanlage begründet seien, so Moll. Da setzt er sich mit Krauß dafür ein, durch zusätzliche Signale und Relais Verbesserungen zu erzielen. Natürlich sei es gut, dass der Übergang dank der neuen Verkehrsführung wieder für den Verkehr geöffnet werden konnte, so die Verkehrspolitiker.

Dennoch gebe es einiges mehr zu verbessern. Neben den Schließzeiten beispielsweise Maßnahmen für Fußgänger und Fahrradfahrer sowie die Anbindung der Häuser im Neubaugebiet "An der Burg Medinghoven". Außerdem erwartet Moll von der Stadt ein Konzept, um den Verkehrsfluss um die Almabrücke herum zu optimieren.

"Oberste Priorität hat allerdings für die Stadt Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis - aber auch für uns persönlich - weiterhin der Erhalt des Übergangs", betonten die CDU-Politiker. Dessen Zukunft ist nämlich alles andere als sicher: Die Bahn geht nämlich weiterhin davon aus, dass die Gemeinde Alfter und der Landesbetrieb Straßen NRW mit ihr im Jahr 2004 eine wirksame Kreuzungsvereinbarung geschlossen hätten, auf deren Basis der Übergang geschlossen und durch den Bau einer Überführung für Fußgänger und Radfahrer ersetzt werden soll.

Das sehen Moll und Krauß genau wie die Kommunalpolitiker der SPD anders: "Für uns gilt weiterhin, dass die Schließung des Bahnübergangs verhindert werden muss. Wir bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Kreuzungsvereinbarung, weil Bonn nicht beteiligt war. Hier muss die Verwaltung jetzt aktiv werden", so Dominik Loosen von der SPD-Bezirksfraktion in einer Pressemitteilung. Daher habe man jetzt beantragt, zu klären, ob die rechtliche Bewertung der DB Netz AG zur Kreuzungsvereinbarung zutreffend sei, und welchen Einfluss die Stadt Bonn nehmen könne, um im laufenden Planfeststellungsverfahren die Beteiligung der Öffentlichkeit sicherzustellen.

"Für uns als Industriebetrieb ist der Übergang äußerst wichtig, um die problemlose Belieferung des Werkes sicherzustellen", sagte Kronauer. "Wir wollen ja außerdem auch die Anwohner so wenig wie möglich mit dem Lieferverkehr belasten."

Unterstützung erhält sie dabei auch von der Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK): "Wir haben hier vor Ort zwei Unternehmen, die auf den Bahnübergang angewiesen sind", sagte Professor Stephan Wimmers. Der Geschäftsführer für die Bereiche Industrie, Handel und Verkehr machte deutlich, dass die zusätzliche Belastung der Wohngebiete mit Schwerlastverkehr nach einer Schließung schon während des vergangenen Umbaus des Bahnübergangs deutlich geworden sei.