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„Gloria-Experiment“ von Bonner Schulchor: Digitales Chorprojekt rettet Jahreskonzert

„Gloria-Experiment“ von Bonner Schulchor : Digitales Chorprojekt rettet Jahreskonzert

Das Gloria-Experiment vom Schulchor des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums tröstet über das ausgefallene Jahreskonzert hinweg. Die Sänger haben von zu Hause begeistert mitgearbeitet.

Wochenlang hatte sich der rund 140-köpfige Chor aus Schülerinnen, Schülern und Ehemaligen des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums (CvO) auf sein Frühjahrskonzert „This is us! – Beethoven und Freunde“ vorbereitet. Gerade verbrachte man noch ein gemeinsames Probenwochenende miteinander, als klar wurde, dass durch die sich ausbreitende Corona-Pandemie das vor Ostern geplante Konzert ins Wasser fallen würde. „Wir waren gerade auf dem Höhepunkt unserer Proberei. Bereit, aufzutreten“, erinnert sich Chorleiter Markus Grünter. Im Gegensatz zu den vorhergehenden „großen“ Konzerten sollten in diesem Jahr anlässlich des Beethovenjahres mehrere kleinere Stücke zur Aufführung kommen.

In einer E-Mail an die Chormitglieder bedauerte Grünter den Ausfall des Konzertes und gab den tröstenden Hinweis, dass man nun viele schöne Gesangsinitiativen im Internet sehen könne. „Ich hatte nicht die Traute zu fragen, ob wir nicht selber so etwas machen sollten“, so Grünter heute. Doch diese Idee kam dann postwendend von Schülern, die vorschlugen, das Konzert doch via Internet stattfinden zu lassen. Der Musiklehrer und Chorleiter wandte sich umgehend an seinen Kollegen Thomas Schieder, der nicht nur Mathematik, Physik und Informatik am CvO unterrichtet, „sondern auch ein begnadeter Musiker ist“, so Grünter.

„Und der sprang auch mit Enthusiasmus sofort an“, freute sich Grünter, der von sich selber sagt, dass er den „Blues“ hatte und sich in einem „Loch“ befand. Doch die Begeisterung seines Kollegen wirkte ansteckend. Zwei Stunden später schickte ihm Schieder ein Beispielvideo, in dem er sich vierstimmig mit der Trompete selber aufgenommen hatte, um zu zeigen, wie so etwas auch mit dem Chor zu machen sei. Da man sich nicht treffen konnte, fanden die weiteren Überlegungen und Versuche virtuell statt.

„Dann erreichte uns voller Euphorie und Vorfreude der Aufruf unseres Chorleiters mitzumachen und dazu eine dreiseitige Anleitung, die sich schwieriger las, als sie dann im Nachhinein umzusetzen war“, erinnert sich Schülermutter Eva Knips. Ihr war bewusst, was Chor und Konzert für Grünter bedeuteten: „Der Chor ist sein Baby“, schrieb sie dem GA. Und da in der Gloria-Komposition des Musiklehrers „mindestens so viel Grünter wie Beethoven“ steckte, müsse wohl auch sein Kollege Thomas Schieder so schnell von der Idee des Gloria-Experiments überzeugt gewesen sein, vermutete Knips.

Schon vor vielen Jahren hatte Grünter Beethovens Klaviersonate Nr. 1 (op.2 Nr.1) für den Chor bearbeitet und sich rechtlich schützen lassen. Somit konnte er als Rechteinhaber das Stück problemlos ins Internet stellen. „Es war ein cooles Projekt, etwas ganz Neues, was wir so in der Schule ja noch nie gemacht haben“, freute sich Schüler Florian Wiesemann dazu.

Gerade in dieser Zeit sei es ein schönes Symbol gewesen, das Gloria zu singen und damit etwas Hoffnung zu verbreiten, ergänzte seine Schulkameradin Franziska Bünger. Doch die Teilnahme an dem Projekt sei schon eine kleine Herausforderung gewesen, merkte Gisela Gödderz an. Zuerst habe man die Technik beherrschen müssen und dann habe man sich noch überwinden müssen, sich zu filmen und einen Solo-Gesang aufzunehmen. „Ich singe ja im Chor, weil ich nicht alleine singen mag“, so ihre Einstellung.

Alle Chormitglieder bekamen von Schieder und Grünter neben einer Anleitung den Link zu der Schul-Cloud, über die während der Corona-Krise die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern möglich ist. Dort konnte man sich eine Midi-Datei mit der Klaviersonate und einem computergenerierten Gesang herunterladen. Während dann die Chormitglieder über Kopfhörer eine Referenzstimme hörten, konnten sie dazu ihren eigenen Gesang in gleichem Takt mit Bild und Ton per Handy aufnehmen und – nach vielen Versuchen – an den „technischen Leiter“ Schieder versenden.

Doch auch nach drei Tagen gab es noch keine Rückmeldung. „Beinahe wäre das Projekt aufgegeben worden, doch kurz vor der Deadline konnten wir uns vor Einsendungen kaum mehr retten und unser Computer geriet an seine Leistungsgrenze“, so Schieder. Für das Rendern der letzten Vier-Minuten-Fassung benötigte der Computer des Informatikers mehr als 30 Minuten. Als dann jedoch die Mail mit dem Link zum fertigen Video kam, waren nicht nur die Chormitglieder begeistert.

„Die ganze Mühe und die große Überwindung haben sich gelohnt. Es ist ein sehr schönes Experiment geworden“, lobte Anna Goicoechea dem GA gegenüber das Video. Und Irina Gill fasste zusammen, „dass das Video in diesen schweren Tagen bestimmt das ein oder andere Lächeln hervorzaubert.“

Das Gloria-Experiment ist unter www.cvo-bonn.de auf der Homepage des Gymnasiums zu sehen.