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Corona-Aktion: Dransdorfer Feuerwehr überrascht den Nachwuchs

Corona-Aktion : Dransdorfer Feuerwehr überrascht den Nachwuchs

Die Jugendfeuerwehr der Dransdorfer Löscheinheit hat sich vor fast einem Jahr das letzte Mal getroffen. Die Jugendlichen warten darauf, dass sie endlich wieder zusammen üben können. Nun haben sie eine besondere Überraschung bekommen.

Als Jan Rieckmann entschloss, dass er zur Feuerwehr will, war er neun Jahre alt. „Wir sind oft an dem Gerätehaus in Dransdorf vorbeigekommen“, sagt der 15-Jährige am Telefon. „Und ich habe mich schon immer für Fahrzeuge interessiert.“ Also ging er eines Tages mit seinem Vater einfach mal dort vorbei. Die Feuerwehrleute seien gerade dabei gewesen, die Wagen von innen und außen zu reinigen. Mitmachen durfte er aber erst nach seinem zehnten Geburtstag. Und seitdem ist Rieckmann bei der Jugendfeuerwehr.

21 Leute zählt die Gruppe derzeit. Damit ist sie die zweitgrößte in Bonn, nach der in Buschdorf. „Es fehlen die regelmäßigen Treffen und die Übungen“, sagt Rieckmann. Denn seit fast einem Jahr haben sich die Jugendlichen nicht mehr gesehen. Sonst treffen sie sich immer freitags, um erst zu üben und später gemeinsam Abend zu essen. Bei den Treffen trainieren sie zum Beispiel, Menschen aus einem leerstehenden Gebäude zu retten. „Beim Abschied haben wir uns immer schon auf nächsten Freitag gefreut“, sagt Rieckmann.

Zu 84 Einsätzen mussten die Feuerwehrleute im vergangenen Jahr ausrücken

„Wir sind arg von Corona gebeutelt“, sagt Brandinspektor und Jugendwart Michael Dernen. Die Feuerwehrleute der Einheit würden nur noch ihre Einsätze fahren. Davon gab es im vergangenen Jahr 84. Verglichen mit anderen Einheiten sei das laut Dernen sehr viel, manche müssten nur zehnmal im Jahr ausrücken. In der zweiten Jahreshälfte 2020 habe es viele Containerbrände gegeben, außerdem Brandstiftungen in einem Schrebergarten. In diesem Jahr ist die Einheit bereits zu neun Einsätzen gerufen worden.

Die Feuerwehrleute seien zwar beschäftigt, aber in der Jungendarbeit laufe derzeit wenig, sagt Dernen. Kontakt halten sie zu den Jugendlichen hauptsächlich über eine Whatsapp-Gruppe. Die drängendste Frage: Wann geht es wieder los? Für alle Jugendlichen, die es nicht mehr abwarten können, haben sich Dernen und Löscheinheitsführer Jochem Weinstock etwas überlegt.

Überraschung im Feuerwehrhaus

Sie luden die Jugendlichen ins Feuerwehrhaus ein – allerdings nacheinander und mit Masken. Dort bekamen sie ein kleines Geschenk: ein paar Süßigkeiten und ein Mäppchen, das aus alten Feuerwehruniformen gefertigt wird. Dernen erzählt, einer seiner ersten Gedanken sei gewesen: „Wie groß die alle geworden sind. Die sind sicher aus ihren Uniformen rausgewachsen.“ Er gesteht aber ein, die Jugendlichen hätten möglicherweise nur wegen ihrer Corona-Matte größer gewirkt.

„Mit der Aktion wollten wir den Kindern zeigen, wir sind noch da“, sagt Dernen. Er hofft, dass sie der Feuerwehr die Stange halten. Andere Löscheinheiten würden derzeit online Unterricht anbieten. „Aber bei uns gibt es Kinder, die haben weder Computer noch Tablet. Die theoretischen Einheiten seien ohnehin nicht so spannend wie die praktischen: Bei denen etwa geübt wird, wie Menschen mit einer Drehleiter gerettet werden oder bei denen es an den Rhein geht, um mit dem Löschboot zu fahren.“

Nicht nur die Jugendarbeit ist weggefallen, auch der Kontakt zu den Menschen im Ort sei eingeschlafen, sagt Dernen. Er zählt auf: kein Dorffest, keine Kirmes, kein Tag der offenen Tür. „Wir wollen eigentlich ins Ortsgeschehen integriert sein“, sagt Dernen. „Wir sind alle froh, wenn wir wieder was machen können.“ Auch Rieckmann kann kaum abwarten, dass es wieder losgeht. Wenn er 17 ist, will er vom Nachwuchs zur eigentlichen Löscheinheit wechseln. Für ihn heißt es nun also wiedermal: warten.