Ausstellung Duisdorf zwischen Landwirtschaft und Ministeriumssitz

DUISDORF · Eine Fotoausstellung mit Bildern von Ewald Geilen zeigt Duisdorf im 19. und 20. Jahrhundert. Viele Motive halten den Alltag der Anwohner fest.

Hermann Nekes trieb keine Säue durchs Dorf, sondern Schafe von der Hardthöhe, die dort die Wiesen abgefressen hatten. Viele Schafe. Und keiner der Einwohner in Duisdorf kam damals auf die Idee, das Smartphone zu zücken, weil es das nun einmal im Jahre 1947 noch nicht gab. Aber einer war da, der den Moment festhielt. Und noch einer war da, der den Wert verstand, den solche Aufnahmen haben: Das war der vor drei Jahren im Alter von 86 Jahren verstorbene Heimatforscher Ewald Geilen.

Im Hardtberger Rathaus an der Villemombler Straße ist zurzeit eine ganze Reihe von Fotos zu sehen, die aus dem Fundus Geilens stammen. Das Stadtarchiv hat sie zu einer kleinen, feinen Retrospektive zusammengefasst und unter das Motto „Duisdorf damals“ gestellt. Der Besucher bekommt Entwicklungen zu sehen, die sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts im lange selbst verwalteten Amt Duisdorf zugetragen haben.

Ein Beispiel: die Ecke Altestraße und Bergstraße, die heute Grimmgasse heißt. Das Foto aus dem Jahr 1960 zeigt altes Fachwerk, eine Holzlaterne und einen Bretterzaun. Nach der Eingemeindung zur Stadt Bonn im Jahr 1969 wird die Ecke im Jahr 1980 umgestaltet. Moderne Häuser, klare Straßenführung, wo es vorher unübersichtlich war. Das Kleine, Ungelenke, das Inhomogene und Schiefe eines Ortes weicht einer städtischen Linienführung. Auch das „Hexenhäuschen“ in der Rochusstraße (damals Buschhovener Straße), die Aufnahme stammt aus den 1940er Jahren, steht längst nicht mehr an Ort und Stelle.

Ausstellung Duisdorf
7 Bilder

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Neben dem Rathaus zeigt ein Foto von 1953 die per Oberleitung mit Strom betrieben Buslinie 35, die das Bundeshaus-Gronau mit den Ortschaften Duisdorf und Lengsdorf verband. Der futuristisch anmutende Bus, Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einer Wahlkampfrede in Duisdorf: Den Strukturwandel zum modernen Ministeriumssitz führt die eine Seite der Ausstellung vor Augen. Die andere führt hinein in eine Welt der Manufakturen, der Bauernwirtschaft und der Rituale und Bräuche.

Die Rhenania Porzellanfabrik produziert bis in die 1950er Jahre Hotelgeschirr und Zierporzellan in einer Duisdorfer Fabrikhalle und brennt in mehreren Öfen. Wie oft auf alten Aufnahmen schauen die Duisdorfer seltsam bis befremdlich in die Kamera. Als Lederfabrikant Franz Josef Weiß, der Stifter des alten Franziskanerstifts in der nach ihm benannten Straße, im Jahre 1909 seinen 70. Geburtstag feiert, schaut der Mann mit dem langen Backenbart mit stoischer Miene am Fotoapparat vorbei.

Es war die Zeit der gestellten Fotos, in der man sich vor Häusern fotografieren ließ, bei der Gurkenernte, mit Pferd und Bediensteten vor der Burg Medinghoven, wie es auf dem Bauernhof der Familie Josef Böcker 1958 der Fall war. Den Menschen ist anzusehen, dass die Knipserei für sie noch etwas Besonderes war. So wie es für Ewald Geilen, den Heimatforscher, etwas besonderes war, den Alltag seiner Mitmenschen entweder selbst festzuhalten oder ihn zu sortieren und zu konservieren.

Wer einen Einblick in die Vergangenheit Duisdorfs bekommen will, kann die Ausstellung noch bis zum 11. Oktober besichtigen. Bei freiem Eintritt kann man sie zu den Öffnungszeiten anschauen: montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

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