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Kunstprojekt: Duisdorfer malen mit Licht

Kunstprojekt : Duisdorfer malen mit Licht

Lissy und Dirk Matthiesen aus Duisdorf wollten am Sonntag die Lichtinstallation eines anderen Künstlers um ihre eigene Arbeit erweitern. Und waren erstaunt, was sie dann an der Kapelle in Oedekoven vorfanden.

Eigentlich wollten Lissy und Dirk Matthiesen die Installation des Künstlers um ein eigenes Kunstwerk erweitern. Dann stellten sie fest, dass ihnen schon jemand zuvorgekommen war. Was die beiden Duisdorfer machen, nennen sie „Lightpaintings“, dabei zeichnen sie mit Licht und halten es mit der Kamera fest. Am Sonntagabend wollten sie sich die Kapelle in Oedekoven anschauen, die derzeit von Rafael Buttlies in Szene gesetzt wird und deren Innenraum abends in verschiedenen Farben erstrahlt. „Wir wollten von außen noch einen Akzent setzten“, sagt Lissy Matthiesen am Telefon.

Als sie in Oedekoven ankamen, entdeckten sie, dass noch eine weitere Künstlerin dort aktiv geworden war: Neben der Kapelle hatte Irmgard Maria Jansen-Otto eine Skulptur aus Schnee errichtet. „Wir kennen uns aus verschiedenen Künstlertreffs“, sagt Lissy Matthiesen. „Aber dass sie ausgerechnet am Sonntag dort eine Skulptur geschaffen hat, war Zufall.“ Nun vereint das Foto, das die Matthiesens aufgenommen haben, nicht zwei, sondern drei Kunstwerke.

Das Ehepaar bringt in VHS-Kursen auch anderen Leuten bei, wie sie mit Licht malen können. Im vergangen Jahr hätten sie nicht einen Kurs geben können, berichtet Lissy Matthiesen. „Das fehlt uns sehr, genau wie Ausstellungen.“ Das Schöne sei doch gerade, bei Veranstaltungen die Reaktionen der Besucher zu sehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Gerade ist leider nur ein digitaler Austausch möglich“, sagt Lissy Matthiesen.

Auch deswegen sei die Aktion in Oedekoven so schön gewesen: Immer wieder seien Menschen vorbeigekommen und hätten zugeschaut, wie das Lichtgemälde entsteht. „Die Leute haben staunend beobachtet, wie mein Mann mit einem leuchtenden Stab Formen in die Luft malt“, sagt Lissy Matthiesen. Der ein oder andere durften dann auch mal das fertige Kunstwerk auf dem Display der Kamera anschauen.

Die Schöpferin der Schneeskulptur wohnt direkt neben der Kapelle. „Seit ich 60 bin, mache ich Kunst – dauerhaft und ständig“, sagt Irmgard Maria Jansen-Otto, die vorher als Floristin gearbeitet hat. Dabei verbinde sie Schreiben, Malen und Musizieren. „Die Schneeskulpturen haben schon länger Tradition“, sagt die 65-Jährige. „Ich habe kürzlich noch ein Foto von vor 30 Jahren gefunden.“ In der Region klappe es natürlich nicht so oft, mit Schnee zu arbeiten.

Die Inspiration zur aktuellen Skulptur stammt aus einem Corona-Gedicht, das sie neulich geschrieben hat. Deswegen trägt die Figur auch eine Maske. Nur einen Namen hatte sie nicht für ihr Kunstwerk. Dann kam am Sonntag ein kleiner Junge vorbei und wollte wissen, ob die Frau einen Namen hat. Jansen-Otto verneinte und fragte zurück, ob er einen Vorschlag habe. Seitdem heißt die Dame aus Schnee „Maria“.

Die scheint nicht nur bei Passanten gut anzukommen. „Ich habe heute gesehen, wie ein Busfahrer gehalten hat, um ein Foto zu machen“, sagt Jansen-Otto. Macht es der Künstlerin etwas aus, dass ihre Figur in den nächsten Tagen wohl dahin schmilzt? „Ich mache schon lange Straßenmalerei“, sagt sie. „Daher bin ich es gewohnt, dass Kunst vergänglich ist.“

Die Lichtinstallation ist noch bis Sonntag, 31. Januar, in der Kapelle in Oedekoven zu sehen. Ein paar Arbeiten stellen Lissy und Dirk Matthiesen derzeit bei Optik Kafarnik in der Rochusstraße 207 aus.