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Heilsbachstraße in Duisdorf: Ein Anlieger klagt gegen die Fahrradstraße

Heilsbachstraße in Duisdorf : Ein Anlieger klagt gegen die Fahrradstraße

Eine Fahrradstraße mitten im Gewerbegebiet – geht das? Für Peter Ottersbach ist die Regelung in der Heilsbachstraße ein Unding. Schon vor einem Jahr war er im Clinch mit der Stadt, nun hat er auch eine Anwaltskanzlei eingeschaltet.

„Man muss schon sehr viel Glück haben, wenn man innerhalb einer Woche mal einen Fahrradfahrer sieht“, sagt Ottersbach, der an der Straße Büros vermietet. So sei die Grundvoraussetzung für die Einrichtung einer solchen Fahrradstraße gar nicht gegeben, argumentiert er. Seine Anwälte würden entsprechend die Rechtmäßigkeit anzweifeln. Bis heute vermisse man Stellungnahmen der Stadt. Ottersbach hat am Verwaltungsgericht Köln Klage erhoben. Die Stadt bestätigt, dass es ein Verfahren gebe.

„Das gibt es wohl nur einmal in Deutschland, dass ein Gewerbegebiet nur über eine Fahrradstraße erreichbar ist“, sagt Ottersbach. Dort werde Geld verdient, und da ging es nicht, dass sich alle anderen Verkehrsteilnehmer den Radfahrern unterzuordnen hätten. Ihm gehe es dabei um Haftungsfragen bei Unfällen. Es passe zudem nicht zu einem Gewerbegebiet, dass Radler „nebeneinander fahren und einen Plausch halten“.

Seitenradargerät zählt Fahrräder und Autos

Ottersbach vermietet selbst Räume an eine Buchbinderei und Druckerei. Die Malteser hätten dort Einsatzfahrzeuge, zum Dachdecker müssten Lastwagen. Seiner Meinung nach dürften die eigentlich gar nicht in einer Fahrradstraße unterwegs sein. Dem widersprechen allerdings Stadt und auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Bonn/Rhein-Sieg (ADFC). Dessen Sprecher Werner Böttcher sagt, dass Lkw halt auf die Rechte der Radfahrer zu achten hätten. Das gelte aber woanders auch. Böttcher sieht die Fahrradstraße – im Gegensatz zu Ottersbach – auch als wichtige Zufahrt zur Derletal- und Margot-Barnard-Realschule. „Es könnten aber auch Mitarbeiter der Firmen mit dem Rad zur Arbeit kommen“, sagt Böttcher, der in der Heilsbachstraße eine wichtige Anbindung nach Medinghoven und zur B 56 (Rochusstraße) sieht. „Ich bezweifele, dass es da wenige Radfahrer gibt.“

Die Stadt will es nun genau wissen und hat derzeit ein flammneues Seitenradargerät an einem Mast aufgehängt, das die Autos und Fahrräder zählt. Das kann es nur in einer Richtung, so dass es schon für zwei Wochen auf der anderen Straßenseite hing, teilt Andrea Schulte vom Presseamt mit. „Je mehr Fahrradstraßen wir haben und je länger es sie gibt, desto stärker rücken sie ins Bewusstsein der Leute“, meint Böttcher. Kritik von Anwohnern, die es in Bonn immer wieder mal gebe, kann er nicht verstehen: „Es ist eine kostenlose Verkehrsberuhigung.“

Schüler zum Radfahren ermutigen

Der ADFC ist der festen Überzeugung, dass noch mehr Aufklärung nötig sei. Bei der Führerscheinprüfung komme die Fahrradstraße nicht einmal vor, sagt Böttcher. Auch Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand denkt, dass die Regeln noch viel zu wenig bekannt seien. Sie will sich bei der Stadt dafür einsetzen, dass es vielleicht eine Bürgerinformation oder einen Aktionstag gibt. Sie lobt, dass es an den Schulen bereits viele Angebote zum Thema Verkehr gibt.

Lehrer des Helmholtz-Gymnasiums sind froh, dass sie vor der Schule eine Fahrradstraße haben. Die funktioniere gut. Kollegen im Schulzentrum an der Gaußstraße haben da schlechtere Erfahrungen gemacht. Zum einen sei die Beschilderung von Büschen verdeckt, zum anderen wären selbst Eltern da oftmals in ihren Autos zu schnell unterwegs. „Man muss die Kinder ja nicht bis ins Klassenzimmer fahren“, sagt Böttcher dazu. Er rät, die Schüler zum Radfahren zu ermutigen, sie dabei auch zu begleiten.

Eine Übersicht der Fahrradstraßen in Bonn gibt es über www.ga.de/fahrradstraßen.