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Sozialstation in Bonn: Ein Leben für die Kontaktbrücke

Sozialstation in Bonn : Ein Leben für die Kontaktbrücke

Psychosoziale Betreuung, gemeinsame Spaziergänge oder Einkaufshilfe: Nach dreißig Jahren im Dienst hängt Beate Hartmann ihren Job als Leiterin vom Verein Kontaktbrücke 64 e.V. im April an den Nagel. Was ihr die Arbeit bedeutet hat und worauf sie sich jetzt freut.

Die ganzheitliche Betreuung ihrer Klienten stand für Beate Hartmann immer an erster Stelle. Nach dreißig Jahren im Dienst, hört sie Ende April als Leiterin der Kontaktbrücke 64 e.V. auf. „Ihr Baby“ sieht Hartmann auch für die Zukunft gut aufgestellt. In Gelsenkirchen geboren, absolvierte Hartmann 1976 in Bonn ihr Krankenpflegeexamen. Anschließend arbeitete die Krankenschwester in verschiedenen Kliniken. Schon damals habe sie die Pflege mit kritischen Augen betrachtet, erzählt Hartmann. „Die Tätigkeitsorientierte Pflege, die den Menschen in seiner Individualität nicht berücksichtigt und nicht als Ganzheit mit auch seelischen und geisteigen Bedürfnissen betrachtet, wollte ich nicht weiterleben. Das System entsprach nicht meiner Vorstellung, wie man mit Hilfebedürftigen und kranken Menschen umgeht.“

1985 sattelte Hartman in die Privat häusliche Pflege und Betreuung über. „Die Arbeit im Privathaushalt, hat meine Sichtweise gefestigt“, erinnert sie sich. 1986 wurde Hartmann dann das erste Mal auf die Kontaktbrücke aufmerksam. Ein Zusammenschluss aus Studenten, mit dem Ziel, der zunehmenden Diskriminierung alter, behinderter und psychisch kranker Menschen entgegenzuwirken. „Der respektvolle Umgang mit alten Menschen sowie das Engagement und das Verantwortungsbewusstsein haben mich überzeugt“, so Hartmann, die daraufhin in dem Verein als Krankenschwester arbeitete.

Freude am Beruf wiedergefunden

Psychosoziale Betreuung, wie Vorlesen, gemeinsamen Spaziergänge, Einkaufshilfe und die Begleitung zu Behörden und Ärzten gehörten zu ihren Aufgaben. „Durch die Kontaktbrücke habe ich meine Freude am Beruf wieder gefunden“, erinnert sich Hartmann. Zum selben Zeitpunkt wurde die Kontaktbrücke dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angegliedert. „Mit der eingeführten Pflegeversicherung blieben dann die Anfragen nach Betreuungen aus. Die Studenten wendeten sich nach und nach ihrer Berufsfindung zu“, berichtet Hartmann. Sie sorgte sich, dass es den Verein bald nicht mehr geben könnte.

Hoffnung kam aber auf, als der Verein 1992 einen Preis der Teufen Stiftung überreicht bekam. „Im selben Jahr wurden wir von der Stadt Bonn als Sozialstation anerkannt.“ Das habe auch zu einer weiteren Professionalisierung geführt. Krankenkassen- und Pflegekassenverträge schlossen sich und weitere Mitarbeiter mussten nun gefunden werden. 1995 nahm die Kontaktbrücke die Psychiatrische Krankenpflege und 2004 das ambulant betreute Wohnen mit in ihr Leistungsangebot auf. „So wurde ich seit 1992 zur Leiterin der Kontaktbrücke“, sagt Hartmann.

Auch am Schreibtisch setzte sie sich weiter für ein ganzheitliches Pflege- und Betreuungskonzept ein. Einfach sei das nicht, weil man immer gegen die politischen Verhältnisse ankämpfen müsse. „Es muss sich etwas an der Bezahlung der Pflegekräfte ändern. Auch bleibt viel zu wenig Zeit für die Pflege selbst“, mahnt Hartmann. Ein Faktor sei vor allem der überzogene Dokumentationszwang, so die Leiterin. „Jede einzelne Tätigkeit muss dokumentiert werden. Das stört das Selbstverständnis der Pflegekräfte.“ Die Erleichterung, die hier von der Politik angekündigt wurde, sei bisher nicht eingetreten, kritisiert Hartmann. „Am Ende werden die Pflegekräfte aus ihrem Beruf getrieben.“ Die Kontaktbrücke sei aber gut aufgestellt, versichert Hartmann. „Wir haben sehr engagierte Mitarbeiter sowie Fachkräfte und ein umfangreiches Leistungsprofil.“

Auch ihre Nachfolge ist schon geklärt: Marian Marco-Bloch wird neue Leiterin. „Ich freue mich sehr darüber. Mit Frau Marco-Bloch ist die Kontaktbrücke in guten Händen“, so Hartmann, die sich bei allen Wegefährten und Partnern für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung bedankt. Wie in der Anfangszeit, will sie jetzt wieder vermehrt Menschen betreuen. „Darauf freue ich mich und auf mein neues Privatleben.“