1. Bonn
  2. Hardtberg

Zentrale Abschlussprüfungen: Eltern protestieren gegen Entscheidung des Schulministeriums

Zentrale Abschlussprüfungen : Eltern protestieren gegen Entscheidung des Schulministeriums

Trotz erschwerter Bedingungen sollen im Mai zentrale Prüfungen stattfinden. Eltern sehen Chancengleichheit ihrer Zehntklässler in Gefahr.

94 Eltern von Zehntklässlern der Bertolt-Brecht-Gesamtschule fordern das NRW-Schulministerium auf, die im Mai anstehende Zentrale Abschlussprüfung (ZP) durch dezentrale Abschlussarbeiten zu ersetzen. Die Voraussetzungen für eine landesweite ZP seien nicht gegeben. Da die landesweiten Unterrichtsbedingungen in der Corona-Pandemie zu unterschiedlich sind, dürfe es – wie auch im vergangenen Schuljahr – keine zentralen Prüfungen in der 10. Klasse geben, sind die Eltern überzeugt. Mit den zentralen Prüfungen am Ende der Klasse 10 führte NRW im Schuljahr 2006/07 ein neues Abschlussverfahren für den mittleren Schulabschluss ein: Alle Schüler der 10. Klassen an Haupt-, Real- und Gesamtschulen schreiben seitdem zentrale Abschlussarbeiten. Ausnahme bildete das letzte Jahr, da auch das Ministerium zu der Überzeugung kam, dass kaum drei Monate nach Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr von einer Vergleichbarkeit der Leistungen an den Schulen von NRW auszugehen sei.

„Die Zehner-Abschlussjahrgänge des vergangenen Schuljahres 2019/20 mussten wegen der Corona-Pandemie keine ZP schreiben. Für den aktuellen Jahrgang 2020/21, der bereits ganze drei Schulhalbjahre unter Corona-Bedingungen lernen muss, soll das nicht mehr gelten“, schreiben die Eltern nun in einem offenen Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer. Für das am 14. April zur Debatte im Düsseldorfer Landtag anstehende Bildungssicherungsgesetzes 2021, dass auch für das aktuelle Schuljahr zentrale Prüfungen vorsieht, erklärt Gebauer: „Unseren Schülerinnen und Schülern sollen auch in diesem Jahr durch die Pandemie keine Nachteile für ihre Bildungs- und Berufswege entstehen.“

Eltern sehen die Qualifikation ihrer Kinder für die Oberstufe auf der Kippe

Doch genau das befürchten Silke Görres und Stefanie Schmitt, deren für die Elterninitiative abgefasster Einspruch von der Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (LEIS-NRW) mit der Aufforderung aufgegriffen wurde, das Schreiben an die Landtagsabgeordneten der jeweiligen Städte und Kreise zu versenden. „Da die Schüler bereits seit der neunten Klasse von den erschwerten Bedingungen betroffen sind“, so Schmitt, stehe für viele durch eine zentrale Prüfung ein Abschluss oder eine Qualifikation für die Oberstufe „auf der Kippe“. Dabei bestimmen die Prüfungen zu 50 Prozent die Abschlussnoten, die über einen weiteren Bildungsverlauf entscheiden. „Mit dem geplanten Gesetz wird Schülerinnen und Schülern nicht die Bildung gesichert, sondern vielmehr der weitere Bildungsweg blockiert“, lautet die drastische Formulierung der Landeselternschaft.

Die Argumentation aus dem Schulministerium, dass durch die Rückkehr zum Präsenzunterricht eine angemessene Prüfungsvorbereitung bis zum 19. Mai gewährleistet sei, ist auch den beiden engagierten Müttern nicht nachvollziehbar. „Ganz im Gegenteil“, sagen Görres und Schmitt: Die Teilung der Klassen und die gleichzeitige Zusammenlegung von Grund- und Erweiterungskursen erschwere den individuellen Umgang mit den Schülern und reduziere das pädagogische Angebot auf die Verteilung von Arbeitsblättern. „Es kann nicht sein, dass das Ministerium so tut, als bekämen die Kinder einen tollen Unterricht“, sagt Görres. Man müsse die durch eine ZP geschürten Versagens- und Zukunftsängste der Kinder ernst nehmen. Nur eine auf den tatsächlich erteilten Unterricht bezogene Prüfung sorge für eine Chancengleichheit der Zehntklässler in NRW.

Weitere Informationen unter www.leis-nrw.de/aktuelles/themen/details/Protestschreiben.html