Ausstellung in Endenicher Trinitatiskirche EMA-Schüler setzen das Thema „Heimkehr“ künstlerisch um

Endenich · Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zeigen mehr als hundert Bilder, in denen sie sich facettenreich dem Thema Heimkehr widmen. Für manche ist es schwer auszudrücken, was das überhaupt ist: Heimat.

 Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses der Jahrgangsstufe Q1 mit ihrer Lehrerin Anne Ittmann-Wahl (l.).

Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses der Jahrgangsstufe Q1 mit ihrer Lehrerin Anne Ittmann-Wahl (l.).

Foto: Stefan Hermes

Heimkehr als Aufgabenstellung im Kunst-Leistungskurs (LK) am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA) führte zu sehr unterschiedlichen Aquarellgemälden von zwölf Schülerinnen und fünf Schülern der Jahrgangsstufe Q1. Zusammen mit der Q2 werden die zwischen sechzehn und achtzehn Jahre jungen Kunstschaffenden über hundert Bilder zum Thema im Kirchenraum der Evangelischen Trinitatisgemeinde ausstellen.

Zur Eröffnung am Sonntag dürften viele von ihnen anwesend sein, um den Besuchern nach dem Gottesdienst und einführenden Worten ihrer Schulleiterin (siehe Infokasten) zum Gespräch zur Verfügung zu stehen. „Es ist eine große Ehre für uns“, sagt Kunstlehrerin Anne Ittmann-Wahl vom Arbeitskreis Kunst und Kirche neben namhaften Künstlerinnen und Künstlern für eine von vier Jahresausstellungen der Trinitatiskirche ausgewählt worden zu sein.

Düstere und friedliche Bilder

„Ich kann nicht sagen, wo meine Heimat ist.“ Das Bild von Kareem (18) wurde zum Ausstellungsplakat.

„Ich kann nicht sagen, wo meine Heimat ist.“ Das Bild von Kareem (18) wurde zum Ausstellungsplakat.

Foto: Stefan Hermes

„Es wird aufregend werden, wenn wir erstmalig öffentlich zeigen können, was wir mit Heimkehr verbinden“, sagt Olivia (16), die sich für den Kunst-LK entschieden hat, da sie durch ihre Familie schon früh mit Kunst konfrontiert wurde. Ihr Bild zeigt gemäß der Aufgabenstellung, Heimkehr durch Landschaft und Menschen in einer DIN A2-großen Aquarellmalerei darzustellen, zwei Kinder, die in ihre vom Krieg zerstörte Stadt zurückkehren. „Wir leben in Zeiten“, sagt Olivia, „wo eine Rückkehr in die Heimat nicht immer nur von positiven Gefühlen begleitet wird.“

Im Gegensatz zu Olivias eher düsterer Interpretation des Themas, sagt Lilly (17), deren Bild ein sich umarmendes Paar in friedlicher Landschaft zeigt: „Mit meinem Bild möchte ich zeigen, dass Zuhause nicht nur ein Ort, sondern auch eine Person sein kann.“ In der Verbundenheit zu den Menschen könne man an vielen Orten auf der Welt zuhause sein, so Lilly.

Mit großer Offenheit spricht Oskar (18) über sein Bild, das nur auf den flüchtigen Blick in bunten Farben eine scheinbar heile Welt vorführt. Erst bei genauem Hinsehen lässt sich der an einem Baum aufgehängte Mensch sowie ein zweiter, sich in Richtung einer Kapelle schleppende Mann erkennen. „Ich fühle mich da, wo ich wohne, nicht wirklich zuhause“, sagt Oskar. Das Bild soll ausdrücken, dass er sich in einer Krise befindet. Über die bewusst als fröhlich zu bezeichnende Farbgebung möchte er den Anschein erwecken, dass es ein Zuhause sein könnte, in das man gerne zurückkehrt, doch sei es für ihn kein Ort, an dem er sich wohlfühlt. „Ich habe versucht“, sagt er, „meinen Zwiespalt auszudrücken.“

Ariana (16) stellt eine durch den Klimawandel verdorrte Landschaft einer blühenden gegenüber und zeigt im Vordergrund die Wiederbegegnung von zwei Frauen als Metapher für Geborgenheit und Heimat. Warum hat sie sich für den Kunst-LK entschieden? „Während Corona habe ich das Malen und Zeichnen für mich entdeckt“, sagt sie. Es mache ihr im Gegensatz zu anderen Leistungskursen, einfach „total viel Spaß“. Und Kunst sei „für den Kopf nicht so anstrengend“, sagt sie und lacht dabei.

Mitschülerin Lilly hat den Kunst-LK belegt, weil sie sich gut vorstellen kann, nach dem Abitur Architektur zu studieren. „Die meisten wählen den Leistungskurs, der sie interessiert und Spaß macht“, sagt Beda (16) und fügt hinzu, dass es letztlich immer darum gehe, worin man die besten Noten schreiben könnte. „Die wenigsten“, so Beda, „wählen den Kunst-LK, weil sie denken, einmal ein erfolgreicher Künstler werden zu können.“ Brotlose Kunst? „Ja“, meint Beda, schließlich gebe es nur wenige, die alleine von ihrer Kunst leben könnten.

Der Großvater war Künstler in Syrien

Für Kareem (18), dessen Gemälde für das Ausstellungsplakat ausgesucht wurde, hat Kunst in seinem Leben immer eine große Rolle gespielt. Sein Opa, so erzählt er, sei in Syrien ein bekannter Künstler gewesen. „Seine Bilder habe ich nie richtig verstanden“, sagt Kareem, der nun auch in dem Kunst-LK den Anspruch verfolgt, einen besseren Zugang zur Kunst und insbesondere zum Werk seines Großvaters zu bekommen. „Kareems Bild drückt die Sehnsucht nach einem Zuhause besonderes deutlich aus“, so Ittmann-Wahl, für die das einer der Gründe war, sich zusammen mit ihren Fachkollegen für das Bild von Kareem als Ausstellungsplakat zu entscheiden.

Es zeigt einen Piraten, wie er – umgeben von Wellen und einem gefährlich erscheinenden Strudel – vom Ausguck eines Schiffes aus den Leuchtturm auf einer nahen Insel erblickt. „Der Farbkontrast ist einfach grandios gewählt“, so Ittmann-Wahl. „Was Heimat für mich ist und bedeutet, kann ich nicht sagen“, sagt Kareem nachdenklich. 2017 kam er mit seiner Familie aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland. Sein Bild möchte er positiv verstanden wissen. Die gefährlichen Strudel habe er hinter sich gelassen und mit der Insel ein rettendes Ufer in Sicht.

„Es wird eine grandiose Ausstellung der beiden Jahrgangsstufen“, sagt Wittmann-Wahl. Man sollte „definitiv kommen, um zu sehen, welchen Blick die Jugendlichen auf unsere Welt haben.“

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