Fahradcheck an Bonner Schulen Viele Bonner Kinder haben kein Fahrrad

Endenich/Tannenbusch · Das Endenicher Ehepaar Schwarze-Zander möchte mit seinem neuen Verein Kindern und Jugendlichen das Fahrradfahren ermöglichen und dem Nachwuchs beibringen, selbst Reparaturen vorzunehmen.

 So lang ist ein Fahrradschlauch: Grundschülerin Jolina hilft Carolynne Schwarze-Zander, ihr Fahrrad zu reparieren.

So lang ist ein Fahrradschlauch: Grundschülerin Jolina hilft Carolynne Schwarze-Zander, ihr Fahrrad zu reparieren.

Foto: Stefan Knopp

Noch nie hatte Jolina den Reifenschlauch eines Fahrrades in der Hand. „Guckt mal, wie lang der ist“, kommentiert die Elfjährige. Der Schlauch gehört zu ihrem rosa-weißen Rad und ist ziemlich verschlissen. Das Problem: Der Reifenmantel saß nicht richtig, der Schlauch war stellenweise eingeklemmt, und immer wieder entwich Luft. Carolynne Schwarze-Zander fummelt ihn komplett vom Rad, setzt anschließend einen neuen ein. Und Jolina, die gerne bastelt und repariert, hilft ihr bei der Arbeit.

Nicht alle Kinder der Carl-Schurz-Gemeinschaftsgrundschule in Tannenbusch werkelten bei dem Treffen so tatkräftig mit, als Schwarze-Zander und einige andere Erwachsene sich etliche Drahtesel vornahmen und sie verkehrstauglich machten. Sie und ihr Mann Thomas, beide bei den Parents for Future aktiv, haben den Verein JeKiFa gegründet. Ausgeschrieben bedeutet die Abkürzung: Jedem Kind ein Fahrrad. Das ist ihr Ziel in Zeiten, in denen diese Art der Fortbewegung immer wichtiger wird. „Der Verein wurde gegründet, um Kinder anzuleiten, Fahrräder zu reparieren“, erklärt sie. Dafür haben die Initiatoren im vergangenen Jahr eine Fahrrad-Reparatur-Aktion am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium durchgeführt und jüngst den dritten Platz beim Bonner Klimapreis gemacht (der GA berichtete). Außerdem will der Verein Kindern und Jugendlichen, die kein Rad haben, eins zur Verfügung stellen, wofür ständig Gebrauchträder gesammelt werden.

Verkehrserziehung nur mit funktionstüchtigem Rad

An der Grundschule sind die Lehrerinnen Plamena Lanzerath und Susanne Bußkamp für die Verkehrserziehung zuständig. Sie hatten einen Fahrrad-Kontrolltermin für die 76 Viertklässler der Schule durchgeführt. „35 hatten ein Rad dabei, aber nur acht waren verkehrstauglich“, so Lanzerath. Und die übrigen 41 Kinder hatten gar kein Fahrrad mitgebracht. Die meisten würden zwar Fahrradfahren können, aber die Verkehrsschilder nicht kennen, die für sie wichtig sind. Dafür braucht man die Verkehrserziehung, aber ohne funktionierendes Rad macht das wenig Sinn.

Es kam ein Kontakt mit dem Verein JeKiFa zustande, und der organisierte mit dem Bonner ADFC eine Reparatur samstags auf dem Schulhof. Gerissene Bremszüge, platte Reifen, defekte Scheinwerfer, solche Schäden konnten auf dem Schulhof weitgehend in Ordnung gebracht werden. Bei einem Rad war die Gangschaltung am Hinterrad abgerissen. Dafür musste ein spezielles Ersatzteil vom Bike-House der Bonner Caritas besorgt werden.

Viele Kinder haben keinen Helm

Der elfjährige Konstantin findet es gut, dass sich mal jemand sein Fahrrad anschaut. Der Ständer ist locker, das Verbindungskabel zum Rücklicht durchtrennt. Was das Wichtigste am funktionierenden Fahrrad ist? „Das Licht, die Klingel, der Helm und die Bremsen“, zählt er auf. Nicht jedes Kind hat einen Fahrradhelm, stellt Schwarze-Zander fest. Sie möchte Helme und Fahrräder für die Familien zur Verfügung stellen, die sich das nicht leisten können.

Eine Sammelstelle hat der Verein bereits, dafür nutzt er einen Übersee-Container an der Müllverbrennungsanlage in Endenich. Reparaturen erledigen die Mitglieder sonst in der Werkstatt der Allgemeinen Studierendenvertretung. Ziel ist auch, Reparatur-AGs anzubieten. Am EMA soll in diesem Jahr eine AG starten, und auch für die Carl-Schurz-Schule könnten sich die Lehrerinnen das vorstellen.

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