1. Bonn
  2. Hardtberg

130 Jahre im Bonner Heizungsbau tätig: Familienunternehmen Bliersbach überstand zwei Insolvenzen

130 Jahre im Bonner Heizungsbau tätig : Familienunternehmen Bliersbach überstand zwei Insolvenzen

Der Familienbetrieb Bliersbach aus Dransdorf feiert dieses Jahr 130-jähriges Bestehen. In dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen, die zweimal fast im Ruin endeten. Die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern.

Als kleines Familienunternehmen wurde die Firma Bliersbach 1891 in Köln gegründet. Schon damals mit den Fachgebieten Heizung, Sanitär und Elektrotechnik. Ursprünglich startete der Betrieb unter dem Namen „Bliersbach und Söhne“. Nach einer Insolvenzphase 1954 wurde am Botanischen Garten in Bonn eine neue Niederlassung eröffnet. Erste Großaufträge der Bonner Monteure waren Heizungs- und Sanitärarbeiten in den Uni-Kliniken und in der Pädagogischen Hochschule.

Den wirtschaftlichen Erfolg der Firma prägte damals die langjährige Geschäftsführerin Christel Moers mit Betriebsleiter Mattias Link, dessen Enkel das Unternehmen heute führt. Auftraggeber waren inzwischen neben privaten auch zunehmend öffentliche Bauträger. Als Berlin Bundeshauptstadt wurde, folgte für die Bonner Firma allerdings ein wirtschaftlicher Einbruch, denn die Bauwirtschaft in der Bundesstadt wurde im Zuge des politischen Wechsels in Mitleidenschaft gezogen.

Schlechte Zahlungsmoral von Behörden und Verwaltung

„Obwohl wir auch Großaufträge gleichbleibend sorgsam und zuverlässig ausführten, gerieten die Aufträge sukzessiv in eine Schieflage“, äußerte sich der damalige Geschäftsführer Hans-Dieter Delahayé zur schlechten Konjunktur. Das Unternehmen blieb lange auf unbezahlten Rechnungen sitzen, auch Bund und Kommunen zahlten nur schleppend, heißt es in der Firmenchronik. 2003 resultierte aus diesen Einbrüchen eine weitere Insolvenz, doch ein Neubeginn schien in Sicht.

„Das war bislang die größte Herausforderung für uns“, sagt der heutige Geschäftsführender Gesellschafter Michael Link, der in dieser Zeit mithalf, das Unternehmen mittels einer Auffanggesellschaft aus der Krise zu bringen. Nach 130-jährigem Bestehen ist Link zufrieden mit der Entwicklung seines Familienbetriebs. 4.500 Wartungsverträge mit bestehenden Kunden und regelmäßiger Neuzuwachs aus der Region machen den Standort Bonn für ihn krisensicher. „Uns ist wichtig, bei den technologischen Entwicklungen immer auf dem neuesten Stand zu sein“, betont er. Dazu gehöre auch, Mitarbeiter und Führungspersonal regelmäßig zu schulen.

Mehr Aufträge, weniger Azubis

Seit mehr als einem Jahr sind Atemschutz und Desinfektionsmittel bei den Kundenterminen ein Muss. Zweimal in der Woche lässt Link seine Mitarbeiter testen. „Die Schutzmaßnahmen waren anfangs aufwändig und wir konnten dadurch weniger Kunden am Tag abwickeln“, sagt der Geschäftsführer. Inzwischen sei man routinierter und die Auftragslage dabei gestiegen. „Kunden investieren zurzeit gerne in ihr Zuhause. In den Wellnessbereich und in Heizungsmodernisierung.“ Weniger gut laufe dagegen die Rekrutierung von neuem Personal. Typisch für die Branche, wie der Geschäftsführer findet.

„Der Markt ist ungesättigt und die Konkurrenz ziemlich groß“, so Link. Sieben Lehrlinge beschäftigt sein Betrieb aktuell, ein Großteil von ihnen werde dem Unternehmen nach der Ausbildung erhalten bleiben. Link, der selbst gelernter Handwerksmeister im Installateur- und Heizungsbau ist, verbrachte die Schulfreien häufig im Familienbetrieb und machte es seinem Vater und Großvater gleich. Heute, mit 51 Jahren, hat er auch seine beiden Söhne für den Beruf begeistern können. In ein paar Jahren sollen Benedikt und Sebastian die Familientradition weiterführen.