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Matthäikirche: Geborgen unter dem großen Himmelszelt

Matthäikirche : Geborgen unter dem großen Himmelszelt

Der Weg zu Gott verläuft nicht immer geradeaus. Mal ist er steinig, mal endet er in einer Sackgasse oder er nimmt ganz unerwartet einen Umweg. "Unsere Kirche ist ein Zelt, in dem jeder auf seinem Weg zu Gott einen sicheren und behüteten Platz findet", erklärt Pfarrer Wolfgang Harnisch in der evangelischen Matthäikirche und lenkt den Blick nach oben.

Die zeltartige Deckenkonstruktion des Gotteshauses an der Gutenbergstraße ist in warmen Rottönen ausgemalt. "Hier fühlt man sich gleich zu Hause und geborgen", ergänzt er. Das Zelt und der freistehende Glockenturm sind nicht zufällig als Architekturmerkmale für das Gebäude gewählt worden.

Beide, die nur wenige Meter entfernte katholische Sankt-Augustinus-Kirche und die Matthäikirche, sollten sich ergänzen: Beide haben einen ähnlichen, freistehenden Kampanile (Glockenturm) von 30 Metern Höhe. Und der Klang der Glocken ist auf einander abgestimmt. Während Sankt Augustinus an den Bug eines Schiffes erinnert, entschied man sich bei der Matthäikirche für das Abbild eines Zeltes. "Beides Symbole für den Weg des Menschen zu Gott", so Harnisch.

So wie Sankt Augustinus ist auch die Matthäikirche Mitte der 60er Jahre entstanden. Nachdem Bonn zur vorläufigen Bundeshauptstadt geworden war, zogen immer mehr Beamte mit ihren Familien aus dem ganzen Land an den Rhein. Viele Neubaugebiete entstanden in Bonn. Schulen, Kindergärten und auch die Kirchengemeinden mussten sich auf diese neue Situation einstellen. Mitte der 1960er Jahre entstand deshalb eine Vielzahl neuer Gotteshäuser in der Stadt.

Am 10. Januar 1964 wurde schließlich ein Wettbewerb für den Neubau der Matthäikirche ausgeschrieben. Mehr als 20 Architekten beteiligten sich daran. Den Zuschlag erhielt Baurat H.O. Vogel aus Trier. "Die Matthäikirche will nichts anderes sein als “gebauter„ Gottesdienst", beschrieb er damals seinen Entwurf. "Um die große Mahltafel scharrt sich die Gemeinde. Hell und klar sind die Wände des großen Raumes, leuchtend und farbenfroh der Baldachin der Decke."

Die große "Mahltafel" ist zweifelsohne der Blickfang in dem Gebäude. "Ich kenne keine Kirche in Bonn, die etwas Ähnliches zu bieten hat", schwärmt Pfarrer Harnisch stolz. "Unser Altar ist sicher unser größter Kirchenschatz." Rund sechs Meter lang, massiv und tonnenschwer ist er aus grauem Stein gearbeitet und bildet so einen imposanten Mittelpunkt. "Wenn wir uns beim Abendmahl in einem Kreis um den Altar versammeln, dann stehen hier sicher 60 Gläubige zusammen." Im gesamten Gotteshaus ist Platz für rund 500 Menschen.

Nur wenige Schritte weiter hat die Matthäikirche gleich noch eine Besonderheit zu bieten. Um an das Taufbecken zu gelangen, muss man eine Stufe hinunter nehmen, direkt in ein kleines Bassin. Der Boden ist mit blauen und roten Fliesen bedeckt. "Zur Taufe müssen wir alle hinuntersteigen. So, wie es die Christen vor uns jahrhundertelang getan haben. Die blauen Kacheln erinnern an das Wasser und die vereinzelten roten Steine symbolisieren den flammenden Geist", erklärt der Pfarrer.

Wolfgang Harnisch findet aber noch mehr Symbole in "seiner" Kirche. Die scheinbar einfachen, weiß getünchten Mauersteine haben kleine Löcher und sind damit offen und scheinbar durchlässig. "Nicht nur die Kirche, sondern die ganze Gemeinde ist aus symbolischen Steinen gebaut. Wir sind offen für alles und grenzen uns nicht nach außen ab." Rechts neben dem monumentalen Altar stellt ein großes abstraktes Wandgemälde den Evangelisten Matthäus dar. Gestiftet wurde es von den beiden Frauenkreisen des Pfarrbezirks. Zentraler Schmuck ist aber ein edles, schwebendes Kreuz.

"Eigentlich haben wir viele Kirchenschätze", überlegt Pfarrer Wolfgang Harnisch. "Denn unsere neue Bücherei gleich nebenan, in der die Außenmauer unserer Kirche sichtbar sind, ist ebenfalls ganz hervorragend gelungen."

Das ist die Matthäikirche

Der Bau der Matthäikirche ist auf 1966 datiert. Am 15. Mai 1966 wurde der Grundstein gelegt. Die Arbeiten gingen so gut voran, dass bereits im Sommer des gleichen Jahres der Rohbau stand. Am ersten Advent 1967 läuteten zwei große Glocken des späteren Vierergeläuts zum ersten Gottesdienst in der neuen Kirche. Vom Turm verkündeten die Bläser die Adventsbotschaft.

Zu diesem Ereignis war auch der damalige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Joachim Beckmann, in die Gutenbergstraße gekommen.