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Ehrenamtlicher Besuchsdienst an Bonner Kliniken: Gefragt ist Lebenserfahrung

Ehrenamtlicher Besuchsdienst an Bonner Kliniken : Gefragt ist Lebenserfahrung

Der ehrenamtliche Besuchsdienst am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg ist derzeit ausgesetzt. Rund 150 Helfer kümmern sich normalerweise um die Patienten.

Das Besuchsverbot für Angehörige von Patienten, das die Krankenhäuser coronabedingt verhängen müssen, ist besonders während der Weihnachtstage bitter. Verschiedene Helios-Kliniken haben deshalb Patienten-Tablets angeschafft, auch die in Bonn, wie Pressesprecherin Christina Fuhrmann mitteilt. Das Angebot kann ihr zufolge auf einigen Stationen wie der Geriatrie oder der Intensivstation genutzt werden, um wenigstens kurzzeitig mal Kontakt zu Familienmitgliedern aufzunehmen. Es ist natürlich nur ein schwacher Ersatz für das direkte Gespräch, sei es mit Angehörigen oder mit dem ehrenamtlichen Besuchsdienst.

Unter normalen Umständen stehen rund 150 Menschen zur Verfügung, die jede Woche ein paar Stunden ihrer Zeit dafür hergeben, einfach mal für die Patienten da zu sein. „Das sind oft Leute, die der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen“, erklärt Ingeborg Roegele, die diese Ehrenamtler koordiniert. Dass dafür eine hauptamtliche Stelle als konstanter Ansprechpartner geschaffen wurde, sei ungewöhnlich. „Nur so gelingt es, so eine Gruppe zu führen.“

Daneben geht es ihr zufolge den Ehrenamtlern auch um die sozialen Kontakte, auch untereinander, um eine geregelte Wochenstruktur im eigenen Ruhestand und um eine sinnvolle Tätigkeit im Alter. Viele sind schon seit Jahrzehnten dabei – es gebe sogar eine Ü40-Fraktion, so Roegele. Seit 43 Jahren Besuchsdienst, das ist schon etwas Besonderes. Und die Koordinatorin ist froh, dass diese Leute auch nach dem Trägerwechsel von den Maltesern zur Helios-Gruppe bleiben. „Keiner unserer Ehrenamtlichen ist gegangen.“ Und diese Routiniers werden auch gebraucht, denn es gehe bei den Besuchen oft genug auch darum, Ängste zu nehmen oder zumindest für eine Weile vergessen zu machen. „Generell brauchen wir junge Leute im Ehrenamt“, sagt Roegele. „Aber hier sind Leute mit Lebenserfahrung gefragt. Es ist schwierig, schon mit 20 Jahren im Besuchsdienst zu arbeiten.“

Als Dankeschön organisiert die Klinik für ihre ehrenamtlichen Helfer Tagesausflüge, eine Wochenreise, eine Nikolausfeier, Karneval und mehr. Momentan ist das alles nicht möglich. „Wir mussten im Rahmen unseres Hygienekonzeptes auch die ehrenamtlichen Besuche vorerst aussetzen. Denn es wäre den Angehörigen der Patienten gegenüber nicht zu rechtfertigen gewesen, warum die Ehrenamtler rein dürften, sie aber nicht.“ Hinzu kommt, dass aus dem oben genannten Grund viele der Besucher selbst zur Risikogruppe gehören.

Nun gehe es darum, die Gruppe quasi bei der Stange zu halten, erklärt Roegele. „Die Herausforderung ist jetzt, Kontakt zu halten, ohne sie zu sehen, und sie wieder ins Haus zu holen.“ Schon im ersten Lockdown im Frühling musste das Krankenhaus ohne seinen Besuchsdienst auskommen, das Seelsorgeteam um den indischen Pater Jaimon konnte das nur teilweise auffangen, berichtet sie. „Besonders finde ich, dass die Ehrenamtler sich untereinander gestützt haben. Sie haben sich zum Beispiel um Alleinstehende gekümmert.“ Anders gesagt, sie haben einen Besuchsdienst füreinander organisiert, da sich plötzlich einige in der gleichen Situation wie ihre Patienten wiederfanden. „Da entstehen Freundschaften, die auch über das Ehrenamt hinausgehen.“

Der Besuchsdienst sollte auch am Tag des Ehrenamtes, am 5. Dezember, vorgestellt werden. Dort hätte man, wäre dieser Termin nicht wie alles andere ausgefallen, auch die anderen Angebote kennenlernen können. Da gibt es eine Bücherei, Begleitung auf der zuletzt von Corona-Fällen gebeutelten Geriatrie und im Aufwachraum, eine Kleiderkammer, die Seelsorge, die jeden Sonntag Gottesdienste unter freiem Himmel feiert. Für Roegele ist besonders wichtig, „dass das Ehrenamt nicht das Hauptamt ersetzen darf“. Es solle „ein Mehr für die Patienten sein“.

Jetzt haben die Impfungen gegen Covid-19 begonnen, ein erster Schritt zu einer Normalität. Dann soll die Kontinuität im Besuchsdienst wieder hergestellt werden, das ist erstmal das Wichtigste, bevor man sich mit weiteren Ideen auseinandersetzen kann. Visionen hat Roegele durchaus. „Einen Lotsendienst fürs Haus würde ich mir wünschen.“ Das wären Menschen, die Patienten oder Besucher schon im Foyer an die Hand nehmen und ihnen das Krankenhaus nahe bringen, ihnen zum Beispiel auch zeigen, wie sie sich ins Klinik-WLAN einwählen können und dergleichen mehr. „Der Bedarf ist da, aber die Ehrenamtler dafür fehlen uns.“ Dann müsse das Krankenhaus ihrer Ansicht nach dringend digital aufrüsten. Und: „Ich wünsche mir immer, dass sich noch mehr für den Besuchsdienst melden. Und dass viele Menschen sehen, wie bereichernd das Ehrenamt sein kann.“

Wer Interesse hat und ein gewisses Maß an Lebenserfahrung mitbringt, kann sich im Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg melden: telefonisch unter ☎ 0228/6 48 11 33 62 oder per Mail an Ingeborg.Roegele@helios-gesundheit.de.