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Weihnachtsaktion für Bedürftige: Geschenke für Familie mit fünf Kindern

Weihnachtsaktion für Bedürftige : Geschenke für Familie mit fünf Kindern

Nadine Hörster hat eine Spendenaktion für bedürftige Familie in die Wege geleitet. Sie ist auch als Lebensmittelretterin unterwegs.

Nadine Hörster aus Dransdorf kennt eine solche Familie. Diese möchte anonym bleiben, ein direktes Gespräch mit dem GA-Reporter war deswegen nicht möglich. Zu groß ist die Scham vor der eigenen Situation. Doch Hörster kann von ihr erzählen. Es handelt sich um eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern zwischen drei und zwölf Jahren, das sechste wird bald geboren. Die finanzielle Lage ist extrem angespannt, Geschenke eigentlich nicht machbar. Dann fand Hörster jedoch einen Weg, den Kindern eine Weihnachtsüberraschung zu bereiten.

Kontakt über den Verein Foodsharing

Den Kontakt zur Familie bekam Hörster über den Verein Foodsharing, bei dem die Redaktionsassistentin seit dem Sommer dieses Jahres aktiv ist. Dort rettet Hörster mit anderen Aktiven Lebensmittel vor dem Wegwerfen (siehe „Die Initiative“). „Im Herbst hat mir dann eine Mitretterin von einer finanzschwachen Familie in Dransdorf berichtet. Die Frage war, ob man die nicht mit Lebensmitteln versorgen könnte“, erzählt die ehrenamtliche Lebensmittelretterin. Gesagt, getan – fortan kam die Familie über Hörster an Lebensmittel. „Sonst wäre es für sie am Ende des Monats schwer, an genug Essen zu kommen“, so Hörster weiter.

Je mehr Blätter von den Bäumen fielen, desto näher rückte auch das Weihnachtsfest. „Da kam mir die Idee, der Familie etwas Gutes zu tun“, berichtet die Redaktionsassistentin. Zunächst fragte sie die Mutter der Kinder, über was diese sich den freuen würden. „Ich musste ja wissen, womit sie gerne spielen, damit ich mich daran orientieren konnte.“ Der Mutter habe die Idee sofort gefallen, sie habe sich gefreut. Dann startete Hörster einen Aufruf über Facebook in der Gruppe „Free Your Stuff Bonn“. Dabei handelt es sich um eine öffentliche Gruppe, in der Menschen Dinge zum Verschenken anbieten. Viele meldeten sich zurück, erkundigten sich nach dem Alter und den Wünschen der Kinder. Schließlich fuhr sie durch die Stadt und sammelte die Spenden ein.

Beim Besuch des GA-Reporters (natürlich mit Abstand und FFP2-Maske) türmen sich die Sachen in Hörsters gemütlicher Küche, in der ab und an auch Hörsters Katzen vorbeischauen. Eine bunte Mischung aus Gesellschaftsspielen, Büchern, und Playmobil und Spielzeug ist zusammengekommen. „Ich werde natürlich versuchen, allen Kindern gleich viel zu schenken“, sagt Hörster. „Und falls etwas übrig bleibt, frage ich andere Leute, ob noch Bedarf besteht.“ Natürlich werde alles noch weihnachtlich verpackt, verspricht Hörster. „Jedes Kind bekommt seinen eigenen Karton.“

Schöne Überraschung für alle Kinder

Die Kinder der Familie erwartet wegen Hörster Engagement nun eine schöne Überraschung am Heiligen Abend. Es ist eine Freude in einem durch die Corona-Pandemie noch schwerer gewordenen Leben. „Durch Corona hat sich der Alltag der Familie verändert, gerade weil die Betreuung der Kinder zeitweise schwierig war“, berichtet die Lebensmittelretterin. Manchmal sei es für die Mutter jedoch auch eine Erleichterung gewesen, ihre Kinder daheim behalten zu können. „Natürlich ist es für eine Hochschwangere zurzeit auch schwierig, irgendwo hinzukommen“, so Hörster weiter. Dazu habe auch die Tafel zurzeit coronabedingt weniger Ausgabekapazitäten. Aus diesen beiden Gründen sei das Foodsharing-Angebot momentan eine große Hilfe.

Die Geschenkaktion hat jedoch nicht nur zur Folge, dass es für die fünf Kinder ein freudiges Weihnachtsfest wird. Auch finden dadurch Dinge, die sonst vielleicht auf Dachböden oder in Kellern verstaubt oder auf dem Müll gelandet wären, eine zweite Verwendung. Dies passt gut zu Hörsters sonstigem Engagement bei Foodsharing. „Wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Dem wollte ich entgegentreten und habe deswegen beschlossen, bei Foodsharing anzufangen.“

In ihrer Freizeit klappert die Redaktionsassistentin nun Supermärkte ab, die mit dem Verein kooperieren. Dort holen sie und ihre Mitstreiter jeden Tag aussortierte Lebensmittel ab. „Es wird jeden Tag gerettet, ich kann mir jedoch selbst einteilen, wann ich Zeit habe“, berichtet Hörster. Alle machen dies ehrenamtlich und in ihrer Freizeit. Als Beispiel für gerettete Lebensmittel nennt sie die in der Weihnachtszeit in Deutschland so beliebten Mandarinen. „Sobald eine Frucht schimmelig ist, wird oft das ganze Netz aussortiert“, beklagt sie.

Ihrer Meinung nach könnten die Endverbraucher gegen das aktuelle System jedoch wenig unternehmen. „Das Umdenken muss in den Supermärkten anfangen.“ Schließlich könnten die Menschen dort nur das einkaufen, was ihnen angeboten werde. Das Ziel müsse es also zunächst sein, kleinere Portionen anzubieten, damit auch privat nicht so viel weggeschmissen werde. Um dann ein erhöhtes Aufkommen an Verpackungsmüll zu verhindern, müssten mehr Produkte lose und unverpackt angeboten werden. Dadurch könnten sich die Kunden dann ihre Portionen sogar individuell zusammenstellen.

Doch gerade in der aktuellen Situation kann man sich auch als Privatperson an Hörster durchaus ein Beispiel nehmen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sicher haben viele nicht mehr alle Geschenke zusammenbekommen. Vielleicht sollte man einfach mal in seinem Umfeld nachfragen? Diesen Tipp gibt Hörster allen, die dieses Jahr keine Geschenke mehr bekommen haben, aber auch für die nächsten Jahre: „Es gibt so viele Leute, die etwas zu verschenken haben. Meistens sind da sehr gute und gepflegte Sachen dabei.“ So könne man auch den Symp­tomen der Wegwerfgesellschaft entgegentreten.