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Workshop am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium: Graffiti im Zeichen der Zeit

Workshop am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium : Graffiti im Zeichen der Zeit

Innerhalb von zwei Wochen konzipierten und sprühten Schüler des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums neue Graffiti für ihre Schule. Dabei hatten sie Unterstützung von einem Profi.

Die Schüler des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums haben ein Faible für Graffiti. Schon mehrmals haben sich die Writer, so nennen sich die Sprayer in ihrem Jargon, mit Kunstwerken an den Wänden ihrer Schule verewigt. Und seit kurzem ist ein neues Werk dazu gekommen. Travelling Minds steht jetzt in leuchtend gelber Schrift an den Schulhofarkaden. Für die Erstellung des Bildes hatten sie sogar Hilfe von einem Profi.

„Die Grundidee war, ‚urbanes Reisen‘ mit Graffiti-Throw-ups zu verbinden“, sagt Kunstlehrerin Elisabeth Oczkowski. Throw-ups sind schnell gemalte Bilder, die nur mit einer raschen Schraffierung oder gar nicht ausgefüllt sind. „Travelling Minds“ solle überdies einen Bezug zum Schulleben herstellen. „Das in beide Richtungen lesbare ‚Travelling Minds – Minds Travelling‘ ist ein Symbol für ‚reisende Gedanken‘ und ‚bewegte Gemüter‘ einer Gemeinschaft“, erklärt die Kunstlehrerin das Graffiti. Für diese Gemeinschaft bilde der Zuwachs an Wissen und die persönliche Weiterentwicklung wichtige Bestandteile des Alltagslebens.

Graffiti sprühen hat an der Schule schon eine lange Tradition. Mehrere von ihnen zieren bereits die Wände des Gymnasiums, darunter etwa ein Alien und das Konterfei von Carl von Ossietzky, der Journalist und Schriftsteller war und Namensgeber der Schule ist. Seit drei Jahren gibt es nun auch Graffiti-AGs, in denen sich die Schüler ausprobieren können. „Jedes Jahr haben wir 50 bis 60 Anmeldungen für gerade mal 15 Plätze“, sagt Sebastian. Deshalb habe man sich dazu entschlossen eine zweite Gruppe für die Jüngeren zu gründen.

Reisen ist in der momentanen Situation kaum möglich. „Wir selbst können uns nicht weit fortbewegen, unsere Gedanken hingegen schon. So findet die Grundidee einen poetisch-künstlerischen Ausdruck für den Betrachter, der unter den Arkaden zwischen beiden Throw-ups steht und die Lesart, in welche Richtung er das Kunstwerk denken mag, selbst bestimmten kann“, so Oczkowski.

Das Projekt war eine recht spontane Idee. Innerhalb von zwei Wochen bereiteten die Jugendlichen das Graffiti vor. „Wir haben die klassische Graffiti-Schrift, also den Style, vorher im Unterricht der AG vorbereitet. Die Schülerinnen haben verschiedene Skizzen und Farbharmonien ausprobiert und sich für die aus ihrer Sicht jeweils beste entschieden.“ Zum Üben zeichneten sie zuerst in ein dickes Skizzenbuch.

Das Graffiti selbst haben die Schüler dann in sechseinhalb Stunden fertiggestellt. „Der Arbeitsprozess bestand darin, helle Outlines als Vorzeichnung an die Wand zu sprayen, Korrekturen vorzunehmen und den Background zu streichen“, so Oczkowski. „Erst dann folgten die Gestaltung der Fill-ins, Highlights im Vorder- und Hintergrund und der Outline. Zum Schluss wurden Schatten und Lichtreflexe ergänzt.“ Hilfe hatten die Schüler dabei vom Künstler Elmo van der Poel, der Absolvent der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter ist. „Er hat uns in der Vergrößerung der Einzelbuchstaben unterstützt und uns Tricks im Hinblick auf Schatten und Highlights gezeigt“, sagt Oczkowski. „Die Schülerinnen und Schüler hatten vorher zwar schon häufiger gesprüht, aber so ein Großprojekt in Form von Throw-ups war eine neue Herausforderung.“