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Hardtberg: Kinderheim „Maria im Walde“ im Kottenforst trotzt Corona

Kinder und Jugendliche werden kreativ : Kinderheim „Maria im Walde“ im Kottenforst trotzt Corona

Durch das Coronavirus müssen die Kinder und Jugendlichen im Kinderheim „Maria im Walde“ mit vielen Einschränkungen leben. Sie machen sich Sorgen um andere, aber auch um ihre Zukunft. In dieser misslichen Lage werden sie erfinderisch.

„Unsere Arbeit ging von Anfang an weiter, wenn auch ein wenig anders“, stellt Andrea Wilke mit Blick auf die bisherige Corona-Zeit fest. Die Co-Geschäftsführerin der gemeinnützigen Maria im Walde-Gesellschaft ist voll des Lobes und Dankes für die Unterstützung, die ihrer Kinder-, Jugend- und Familienhilfe seit Beginn der Corona-Restriktionen zuteil wurde.

Als Schulen und Kitas ihren Kindern und Jugendlichen den Zutritt versagten, hieß es im Kinderheim durchhalten. „Wohngruppen in einem Kinderheim können nicht einfach schließen und Kinder und Jugendliche nach Hause schicken, weil viele von ihnen keins haben“, so Wilke. Auch für die Kinder, Jugendlichen und Familien, die von Maria im Walde ambulant aufgesucht oder in Tagesgruppen betreut werden, ließ sich der Hilfebedarf nicht reduzieren. Teilweise wurde er durch Corona noch gesteigert.

Noch keine Kinder mit Corona-Infektion

„Wir hatten glücklicherweise noch kein betreutes Kind oder Jugendlichen mit einer Corona-Infektion, aber immer wieder Verdachtsfälle“, fasst Wilke die Situation für die fünf Bonner Standorte der Einrichtung zusammen. Zu Beginn der Pandemie habe man viele Fragen gehabt. Nichts von dem, was an Empfehlungen herausgegeben wurde, habe auf die konkrete Situation des Kinderheimes im Kottenforst gepasst. Zunächst habe kaum jemand gewusst, wie man sich verhalten sollte. Doch schon bald sei eine so große Informationsflut auf die Verantwortlichen zugekommen, dass man mehr Antworten als Fragen bekam.

Schon frühzeitig habe man Notfallfallpläne gemacht, Schutzausrüstungen im großen Umfang gekauft und Quarantäneszenarien durchdacht. Die rund 100 Kinder und Jugendlichen des Kinderheims im Kottenforst seien bis zur teilweisen Wiederöffnung von Schulen und Kitas die ganze Zeit in der Einrichtung geblieben. Mit großem Aufwand habe man dafür gesorgt, dass die Betreuten per Skype den sichtbaren Kontakt zu ihren Eltern oder Verwandten halten konnten. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei es eine große Herausforderung gewesen, kreativ mit der Situation umzugehen und damit einem drohenden Lagerkoller mit immer neuen Ideen zu begegnen.

Mit Begeisterung üben sich Geschäftsführerin Andrea Wilke und Bereichsleiter Kai Lixfeld an der von Kindern gebauten Klangmaschine. Foto: Hermes

Kinder und Jugendliche werden erfinderisch

Mit sichtlicher Begeisterung stellt Maria im Walde-Bereichsleiter Kai Lixfeld mit der „Kling-Klang-Maschine“ ein Beispiel dieser Ideen vor, das nach seiner Fertigstellung nun im Foyer des Kinderheims zu bespielen und zu bestaunen ist. Das Ergebnis eines musikpädagogischen Projekts von den beiden Wohngruppen „Benjamin“ und „Geschwisterhaus“. Die Kinder und Jugendlichen hätten ohne die coranabedingten Einschränkungen ihre Osterferien in der Eifel an einem See oder im Wald verbracht und konnten nun weder das Haus verlassen, noch ihre Eltern oder Freunde treffen. So entstand mit großem Eifer in zweiwöchiger Arbeit aus Alltagsgegenständen wie Schüsseln und Töpfen, Fahrradfelgen und Ölfässern eine in Europaletten eingepasste „Klangmaschine“, die von mehreren „Musikern“ gleichzeitig bespielt werden und dabei überraschend vielfältige Töne zu Gehör bringt.

Es habe sie überrascht, sagt Christine Brosche, Koordinatorin für pädagogische Sonderdienste von Maria im Walde, mit welcher Aufmerksamkeit die Kinder wahrgenommen hätten, dass die Corona-Beschränkungen der Umwelt gut täten. „Viele Menschen fahren jetzt Fahrrad und kein Auto mehr“, zitiert sie die Kinder. Jugendliche hätten festgestellt, dass für sie Druck und Stress weggefallen seien. In allen Altersgruppen sei man besorgt darüber, dass Corona „die Menschen krank macht oder sterben lässt.“ Vor allem ältere Jugendliche hätten Angst, keine Arbeit mehr zu haben und Geldsorgen zu bekommen.

Mitarbeiter gehen sensibel mit den Kindern und Jugendlichen um

„Unsere Fachkräfte leisten mit großer Motivation, Kreativität und Engagement wirklich unglaublich viel in dieser Zeit“, freut sich Wilke. Ihre Mitarbeiter trösteten die Kinder und Jugendlichen, die wegen der Kontakteinschränkungen ihre Familien und Freunde schmerzlich vermissten.

Sie erklärten kindgerecht was Corona ist, nähten Stoffmasken, übten Abstand und Hygienemaßnahmen und singen zweimal Happy Birthday beim Händewaschen. Sie mussten erklären, warum man nicht in die Ferien fahren durfte, Streitigkeiten und Konflikte klären, mit den Kindern für die Schule üben, damit sie nicht abgehängt würden und seien rund um die Uhr für die Betreuten da. Wilke betont, „die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe – nicht nur in Maria im Walde – leisten einen großartigen Job und haben genauso wie viele andere Berufsgruppen, die öffentlich stärker wahrgenommen werden, ein großes Dankeschön verdient.“

Neben dem großen Engagement innerhalb der Einrichtung, sei es vor allem auch hilfreich gewesen, so Wilke, „dass es in Bonn eine sehr gute Kultur des gemeinsamen Austausches zwischen dem Bonner Jugendamt und den Trägern der freien Jugendhilfe gibt und dort schon sehr früh in gemeinsamer Verantwortung Absprachen und Lösungen gefunden wurden.“ Die Geschäftsführerin vermutet, dass man noch für eine lange Zeit mit der Corona-Krise wird leben müssen. Doch sie ist auch zuversichtlich, dass die momentanen Lockerungen ein Stück Normalität zurückbringen und wieder Platz für andere Themen machen.