1. Bonn
  2. Hardtberg

Grußkarte statt Plauderstündchen: Hardtberger Besuchsdienst vermisst persönlichen Kontakt

Grußkarte statt Plauderstündchen : Hardtberger Besuchsdienst vermisst persönlichen Kontakt

Der Besuchsdienst der Hardtberggemeinde kann seit einem Jahr wenig ausrichten. Mehr als eine Geburtstagskarte für Senioren in den Briefkasten zu stecken, geht wegen der Corona-Beschränkungen nicht. Barbara Schick, eine von 13 ehrenamtlichen Aktiven, berichtet, wie sehr alle den persönlichen Kontakt vermissen.

Die Hände gebunden sind dem Besuchsdienstkreis der evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg – wie anderen Besuchsdiensten auch. Ein wichtiger  Bestandteil sozialer Arbeit im Quartier ist wegen der Corona-Beschränkungen seit über einem Jahr gestrichen. Dabei haben Besuchsdienste schon vor Corona berichtet, wie einsam viele alleinstehende alte Menschen sich fühlen. Die Pandemie hat die Situation verschärft. Das macht auch den Ehrenamtlichen zu schaffen, denn sie können nur wenig dagegen unternehmen, beklagt beispielsweise Barbara Schick.  

Außer ihr sind zwölf Gemeindemitglieder aktiv. Der Dienst besteht schon seit mindestens zwei Jahrzehnten und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gemeindemitglieder zu den Geburtstagen ab dem 75. Lebensjahr zu besuchen. Große Geschenke gibt es nicht: eine Grußkarte und ein Geschichtenbändchen. Viel wichtiger ist das Plauderstündchen, ein wenig Zeit zu schenken. „Seit über einem Jahr kann es nur einen kurzen Moment der Übergabe an der Haustüre geben oder der Gruß wird in den Briefkasten geworfen“, sagt Schick.

Ohne herzliche Begrüßung

Dabei hat sie die persönlichen Besuche, die sie seit 15 Jahren macht, immer als etwas Besonderes empfunden. Oft ist sie mit der Begrüßung: „Ach wie schön, dass Sie kommen. Ich habe schon auf Sie gewartet“, empfangen und hereingebeten worden. Im Wohnzimmer wurde sie an die Kaffeetafel mit selbst gebackenem Kuchen eingeladen. „Erst dann kam ich dazu, meine Glückwünsche anzubringen. Anschließend begann eine Stunde mit Plaudereien, Erinnerungen und Familiengeschichten.“ Das vermissen Barbara Schick und ihr Mann Friedhelm, der ebenfalls im Besuchsdienst aktiv ist, sehr. Allerdings gab es auch Begegnungen, die weniger angenehm verliefen. „Ich wurde auch schon mal an der Haustür abgewimmelt oder unfreundlich behandelt. „Das nehme ich nie persönlich. Damit umzugehen, haben wir Ehrenamtlichen bei einer Fortbildung gelernt.“

Bis zu sechs Besuche im Monat – auch im Altenheim – stehen in der Regel auf Barbara Schicks Liste. Nicht selten sei sie die einzige Gratulantin zum Geburtstag gewesen. „Manchmal waren es aber auch die Angehörigen von Bettlägerigen oder an Demenz Erkrankten, die sich über ein Gespräch freuen“, berichtet die 72-Jährige. Ein kontaktloser Besuchsdienst - damit hätte sie nie im Leben gerechnet.

Persönliches Gespräch fehlt

„Manchmal klingele ich doch an der Haustür. Dann ist die Freude jedes Mal groß, und wir können wenigstens draußen einige Worte wechseln.“ Sie freut sich auf bessere Zeiten, zumal auch der Kontakt innerhalb der Ehrenamtlichen-Gruppe auf das Telefon beschränkt ist. Zum Glück muss sich das Ehepaar Schick keine gesundheitlichen oder finanziellen Sorgen machen. „Und wir sind bisher gut durch die Pandemie gekommen.“ Doch es fehle das persönliche Gespräch unter Freunden. Mit Tochter und Enkelkindern in der Nähe trifft man sich nur draußen. Den in Griechenland lebenden Sohn und Familie haben sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Nur über Skype. „Das nagt schon, seine Enkelkinder so lange Zeit nicht in den Arm nehmen zu können.“