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Duisdorfer Kirmes: Heute geht's dem Zacheies schlecht

Duisdorfer Kirmes : Heute geht's dem Zacheies schlecht

Drei Schritte vor, einen halben zurück, ein wenig drehen, den Säbel etwas tiefer halten: Solche Kommandos hallten am Samstag durch den Kottenforst in der Nähe der Grillhütte der Waldfreunde Sankt Hubertus. Sie kündeten davon, dass dort das traditionelle Hahneköppen ausgerichtet wurde - wie immer parallel zur Herbstkirmes.

Und das bedeutet: Mitspieler hauen mit verbundenen Augen, den Säbel in der Hand, auf den Kopf eines Gummihahns ein, der unten aus einem Korb herausragt. Das ist immer eine launige Veranstaltung, die sich einige Stunden hinziehen kann. Allerdings ist sie auch abhängig davon, dass viele Mitspieler dabei sind, und das war am Samstag nicht der Fall: Das wechselhafte und kühle Wetter lud nicht dazu ein, sich allzu lange im Wald aufzuhalten. Und die Mitglieder des Ortsfestausschusses, die früher nach ihrem Köttzug immer noch vorbeigeschaut hatten, verzichten darauf seit einigen Jahren. So konnten die Waldfreunde froh sein, dass überhaupt gut 40 Personen den Weg zur Grillhütte gefunden hatten.

Unter ihnen war auch Willy Kuhn, der, wie berichtet, zur Kirmeseröffnung den für den Fassanstich unerlässlichen Hammer hatte verschwinden lassen. Diesmal wollte der den Streich nicht wiederholen. Einen Säbel unter der Jacke zu verstecken, wäre wohl keine so gute Idee, meinte er. Er beteiligte sich aber auch nicht am Hahneköppen. Ehrenhahnekönig wurde im Lauf des Nachmittags Lambert Berg vom Stiefelclub, Hahnekönigin Elke Deckert. Die Königs- und Prinzenwürde ging an Alex Rogge und Birgit Famulla vom Verein "Ein Herz muss Hände haben".

Womöglich würde es dieser amüsanten Veranstaltung gut tun, die Frage des Kirmestermins zu lösen: Dann könnten die Mitglieder des OFA-Vorstandes kommen, und auch der 1. FC Hardtberg hätte nicht das Problem, zeitgleich den Getränkestand auf der Kirmes bedienen zu müssen. Eine rasche Lösung hatte Waldfreunde-Vorsitzender Bruno Schmidt nicht parat. Er hoffe nur, "dass die Tradition darüber nicht ausstirbt".

Derweil herrschte auf der Kirmes ein erfreulich reger Betrieb - und das trotz des doch recht ungemütlichen Wetters. Vor allem am Autoscooter standen Menschentrauben, aber auch die anderen Fahrgeschäfte waren gut besucht. "Wir haben im Wetterbericht gesehen, dass es eine Stunde trocken bleiben wird; und dieses Zeitfenster nutzen wir jetzt", erklärte Conny Lawenstein aus Meckenheim, der mit seiner Familie in Duisdorf Bekannte besuchte.

Die Söhne Konstantin (4) und Leopold (9) hatten ihren Spaß: Der jüngere drehte eine Runde nach der anderen auf dem Kinderkarussell, der größere freute sich auf den Twister und den Autoscooter. "Die Kirmes ist gut, weil für jeden etwas dabei ist", sagte Mutter Susann Lawenstein. Das sei die richtige Größe für Kinder in dem Alter - Pützchens Markt sei viel zu groß. "Da muss man nur ständig gucken, wo die Kinder sind."

Am Sonntag legte der OFA nach dem Gottesdienst in Sankt Rochus einen Kranz am Ehrenmal nieder, danach wurde der musikalische Frühschoppen im Kulturzentrum gefeiert. Am Montag geht die Kirmes weiter. Der OFA setzt ab 15 Uhr seinen Köttzug fort. Gegen 19 Uhr wird auf dem Europaplatz feierlich der Zacheies verurteilt und verbrannt.