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Hilfe für benachteiligte Kinder in Bonn

Hilfe für benachteiligte Kinder : Die Engel lassen niemanden zurück

Die German Angel Initiative kümmert sich um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Besonders engagiert sind Studenten.

Bildungschancen und materieller Wohlstand sind hierzulande immer noch eng miteinander verknüpft. Kinder aus armen Elternhäusern haben kaum Zugang zu Kunst, Kultur oder Sport. Und wenn’s in der Schule mal nicht rund läuft, dann hilft ihnen kaum kein privater Nachhilfelehrer dabei, vorhandene Lücken zu schließen und so den Anschluss nicht zu verlieren.

Ein Fünftel der Bonner Kinder erhält Sozialhilfe

Nach Angaben des NRW-Sozialministeriums erhalten in Bonn rund 20 Prozent der Kinder Unterstützung nach SGB II. Das bedeutet, dass jedes fünfte Kind soziale Benachteiligung erfährt. Wer allerdings bereits in jungen Jahren sozial „abgehängt“ wird, hat später kaum Chancen auf einen guten Schulabschluss und damit wenig Aussicht auf eine Ausbildung. Doch ohne einen Berufsabschluss steigt wiederum das Risiko, auf Dauer arbeitslos zu sein. Ein Teufelskreis, der aus eigener Kraft kaum zu durchbrechen ist.

Genau um diese Kinder kümmert sich die German Angel Initiative. „Wir wollen, dass niemand den Anschluss an unsere Gesellschaft verliert“, sagt Jenny Kowalczyk, Projektleiterin der gemeinnützigen Initiative in Bonn. 2015 im Zuge der Flüchtlingswelle von Thomas Medori gegründet, begleiten die „Engel“ Schüler aller Klassen und Jahrgangsstufen. Im Tannenbusch, im Stadtbezirk Hardtberg, in Pennenfeld sowie Lannesdorf ist ihre Hilfe besonders wichtig. „Dort sind wir aktuell vorrangig aktiv“, so Kowalczyk.

Enger Bezug zum Unterricht

„Das Besondere dabei ist, dass wir direkt an den Schulen tätig sind und die Kinder sowohl im regulären Schulunterricht als auch in Betreuungseinheiten am Nachmittag fördern“, ergänzt Christoph Hamm, ebenfalls Projektleiter. Damit gehört die Bonner Initiative zu den insgesamt 120 Projekten, die vom Land NRW im Rahmen des Programms „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ gefördert werden. Zudem wird die Arbeit der „Engel“ durch einen lokalen sowie europäischen Fonds unterstützt.

In Absprache und in engem Kontakt mit den Lehrern besuchen die Mitarbeiter der Initiative jedes betreute Kind einmal in der Woche und bieten jeweils eine Stunde lang individuelle Förderung an. „Manchmal sind Sprachübungen wichtig, manchmal muss der Stoff aus dem Mathematikunterricht noch einmal erklärt werden“, sagt Kowalczyk. Dabei betreuen die „Engel“ nicht nur Grundschüler. „Nein“, sagt Hamm. „Wir sind ebenfalls beim Übergang zu weiterführenden Schulen da.“ Denn nur wenn Bildungsdefizite so früh wie möglich ausgeglichen werden, gelinge der Start an einer neuen Schule, ist er überzeugt. Manchmal begleitet die German Angel Initiative Jugendliche sogar bis zum Abitur. „Der Schulabschluss ist unser gemeinsames Ziel“, erklärt Jenny Kowalczyk. Selbst dann verlieren sich Schüler und Betreuer nicht aus den Augen. Wer Hilfe bei Weiterbildungsmaßnahmen oder beruflicher Qualifikation braucht, kann sich ebenfalls auf die Unterstützung verlassen.

Online-Lernhilfen als wichtiger Beitrag

Seit Ausbruch der Pandemie und dem fehlenden Präsenzunterricht in den Schulen setzen die „Engel“ verstärkt auf Online-Lernhilfen. Ein Angebot, das in Zukunft sicher noch weiter ausgebaut wird. „Corona hat viel kreatives Potenzial freigesetzt“, sagt die Projektleiterin. Die aus einer Not heraus entwickelten Online-Hilfen werden von Kindern, Lehrern und Eltern so gut angenommen, „dass wir unsere Präsenz sicher weiter vorantreiben werden.“ Denn: „Materielle Armut kann zu vielfältigen Mangelerscheinungen führen und beeinträchtigt das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Ihre Entwicklungs- und Teilhabemöglichkeiten sind eingeschränkt und mittel- bis langfristig ist mit negativen gesamtgesellschaftlichen Folgen zu rechnen“, so die Teamsprecherin. Seit Mitte 2015 haben etwa 1000 Kinder in Bonn von diesem Engagement profitiert.

Das Team kann jedoch weitere Mitstreiter für die kostenlose Bildungsarbeit gebrauchen. „Aus jeder Alters- und Berufsgruppe“, erklärt Christoph Hamm. Derzeit würden sich meist Studenten engagieren. „Aber ein Mix quer durch die Bevölkerung wäre für die Arbeit gut.“

Nähere Informationen dazu gibt es unter www.german-angel.de.